September 2017 spectra 118 - Suchtprävention – quo vadis?

Artikel in dieser Ausgabe

04.09.2017

Aus erster Hand

Editorial. Sucht ist eine Krankheit (1). Sucht kann aber auch Marginalisierung bedeuten. Einsamkeit. Verschuldung. Sucht kann zum Verlust von Arbeit führen, zum Verlust des sozialen Umfelds und zum Verlust von Lebensfreude. Im Vorfeld eines Suchtverhaltens bestehen oftmals tieferliegende psychische Probleme. Die neue Strategie Sucht des Bundes geht deshalb von einem gesamtheitlichen, biopsychosozialen Krankheitsmodell aus, das körperliche, psychische und sozioökonomische Faktoren einbezieht und Sucht nicht als Zustand, sondern als dynamischen Prozess betrachtet. mehr

04.09.2017

Die Weichen für die neue Suchtstrategie sind gestellt

Suchtpolitik. Der Mensch hat seit jeher bewusstseinsverändernde Substanzen konsumiert, und was eine Gesellschaft unter Sucht versteht, verhandelt diese immer wieder neu. Neben Substanzen wie Alkohol, Tabak, Drogen und Medikamenten kommen neue Substanzen wie Neuro-Enhancer hinzu, während Opiate, die lange im Vordergrund der Aktivitäten von Suchthilfe und -politik standen, in den letzten Jahren an Bedeutung verloren haben. Nebst den anhaltenden Problemlasten, die durch risikoreichen Alkohol- sowie Tabakkonsum entstehen, heisst es auch, sich den neueren Erscheinungsformen der substanzungebundenen Abhängigkeiten zuzuwenden. Die in diesem Jahr angelaufene Nationale Strategie Sucht nimmt sich substanz- wie auch suchtformübergreifend des ganzen Spektrums von Abhängigkeit und Sucht an. Die Strategie nimmt Sucht als umfassendes Phänomen in den Blick, das von wechselwirkenden biologischen, psychologischen und sozioökonomischen Aspekten beeinflusst sowie von aktuellen Konsumtrends und kulturellen Verhaltensweisen abhängig ist. Zusammen mit der NCD-Strategie (1) löst sie ab 2017 die Nationalen Präventionsprogramme Alkohol, Tabak sowie das Massnahmenpaket Drogen ab. mehr

04.09.2017

Früherkennung und Frühintervention im Wandel

F+F. Die Früherkennung und Frühintervention (F+F) hat ihren Ursprung in der Arbeit mit gefährdeten Kindern und Jugendlichen. Das vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) entwickelte psychosoziale Gefährdungsmodell (1) geht davon aus, dass etwa 10 bis 20 Prozent der Jugendlichen gefährdet sind, gesundheitliche Probleme oder psychische Belastungen zu entwickeln. mehr

04.09.2017

Stigma – die zweite Krankheit

Psychische Gesundheit. Stigmatisierung ist eine Form sozialer Diskriminierung. Sie stellt für Menschen mit psychischen Erkrankungen eine zusätzliche Belastung zur eigenen Krankheit dar – auch für ihre Angehörigen. Suchterkrankte sind besonders von Stigmatisierung betroffen und werden mehrfach marginalisiert. mehr

04.09.2017

Weiterentwicklung von intermediären Angeboten

Versorgung im Wandel. Menschen, die an einer Sucht leiden, sind häufig auf mehreren Ebenen belastet. Suchterkrankungen haben einerseits Auswirkungen auf die körperliche Gesundheit, aber auch auf die Psyche, das soziale Umfeld und die soziale Integration. mehr

04.09.2017

«Suchtkranke sind nicht schuld an ihrer Sucht, es ist ein gesamtgesellschaftliches Problem und wir reden von einer Mitverantwortung.»

Interview mit Julia Wolf. Welche Verhaltensweisen wünscht sich eine Gesellschaft in Bezug auf den Suchtkonsum oder ein Suchtverhalten? Welche verwünscht sie? Was darf eine Gesellschaft verlangen und was sollte sie zur Verfügung stellen? Können uns die Ethik, Natur- und Sozialwissenschaften darauf eine Antwort geben? In der Diskussion um diese Fragen in der Suchtproblematik plädiert unsere Gesprächspartnerin Julia Wolf für Kohärenz, Sachlichkeit und Wertfreiheit. Wir diskutieren mit ihr weiter darüber, weshalb die Stärkung der Eigenkompetenz und der Entwicklung eines Risikomanagments von Kindesbeinen an wichtig ist. mehr

04.09.2017

«Safer Smoking»?

Chancen und Risiken der Schadensminderung. Die Verdienste der Schadensminderung bei der Bekämpfung von übertragbaren Krankheiten im Drogenbereich und der Reduktion von drogenbedingten Todesfällen sind unbestritten. Doch inwiefern lässt sich dieser Ansatz auf die legalen Suchtformen übertragen? spectra diskutiert mögliche Chancen und Risiken der Schadensminderung bei legalen Substanzen am Beispiel des Tabakkonsums. mehr

04.09.2017

Neues Verfahren zur Finanzierung von Kleinprojekten

Alkoholprävention. Der Bund unterstützt Alkoholpräventionsprojekte aufgrund von Artikel 43a des Alkoholgesetzes. Gesamtschweizerische und interkantonale Organisationen und Institutionen, die sich mit vorsorglichen Massnahmen zur Bekämpfung des Alkoholismus widmen, können beim BAG ein Finanzierungsgesuch einreichen. mehr

04.09.2017

Ordnungsbussen bei Cannabiskonsum: Klärung oder Verwirrung?

Regulierung und Vollzug. Am 1. Oktober 2013 ist eine vom Parlament eingeleitete Änderung des Bundesgesetzes über die Betäubungsmittel (BetmG) in Kraft getreten. Sie sieht vor, dass erwachsene Cannabiskonsumierende, die bis zu 10 Gramm dieser Substanz bei sich tragen und keine zusätzlichen Widerhandlungen begangen haben, von der Polizei mit einer innert 30 Tagen zahlbaren Ordnungsbusse von 100 Franken bestraft werden können. Dieses Verfahren soll die Verzeigungen ersetzen. Diese führten in der Regel zu einem Verweis oder einer Busse, die oft höher als 100 Franken war, sowie zu Gerichtskosten. Im Wiederholungsfall konnte die Geldstrafe heraufgesetzt werden. Diese Praxis ist mit den Ordnungsbussen verschwunden, denn die Vorgeschichte wird nicht mehr berücksichtigt. Sich hingegen auf einen einfachen Verweis zu beschränken, wie das die Justiz tun konnte, ist nicht mehr möglich. mehr

04.09.2017

Sucht braucht eine ganzheitliche Betrachtungsweise

Umgang mit Sucht. Menschen mit Risikoverhalten berichten häufiger von sozialen Problemen. Doch auch umgekehrt gilt: Wer soziale Probleme hat, konsumiert häufiger Drogen. Wer die Zahl der risikoreich Konsumierenden senken will, muss diese Wechselwirkung im Auge behalten und bei der Unterstützung der Betroffenen von verschiedenen Seiten ansetzen. mehr

04.09.2017

Den Gesundheitszustand und die Lebensqualität in jeder Lebensphase verbessern

Sucht im Alter. Im Rahmen der nationalen Strategien Sucht und Prävention nichtübertragbarer Krankheiten (NCD) sind ältere Menschen eine wichtige Zielgruppe. Ihre Relevanz wird durch die demografische Alterung noch verstärkt: Gemäss Bundesamt für Statistik wird sich die Anzahl der Menschen über 65 Jahre bis 2045 beinahe verdoppeln. Diese Aussichten verdeutlichen die Bedeutung gesundheitsfördernder Massnahmen, die zu längerer Autonomie beitragen und die Gesundheitssysteme entlasten. mehr

04.09.2017

«Der Glücksspieler, der 100 000 Franken verliert, wird als dissozial, charakterschwach und als verschwenderisch stigmatisiert.»

Verhaltenssüchte / 5 Fragen an ... Unser Gesprächspartner Renanto Poespodihardjo ist seit 2009 leitender Psychologe Ambulanz für Verhaltenssüchte an den Universitären Psychiatrischen Kliniken (UPK) Basel. Zuvor hat er viele Jahre im Bereich der Heroinabhängigkeit und der anderen illegalen Drogen gearbeitet. Einst mit 50 Prozent dotiert, ist sein Tätigkeitsbereich heute auf eine ganze Abteilung angewachsen. Zusammen mit seinem Team bildet er ein Kompetenzzentrum für Verhaltenssüchte. Im Interview erklärt er uns, was Verhaltenssüchte sind, was sie anrichten können und wie etwa Schadensminderung im Bereich der Glücksspielsucht ausschauen könnte. mehr

04.09.2017

CBD – ein noch wenig bekannter Wirkstoff von Cannabis

Wissen. Seit rund einem Jahr erleben CBD-haltige Produkte, allen voran THC-armes Cannabis mit hohen CBDWerten, einen regelrechten Boom. Während die einen CBD als Wundermittel sehen, weckt es bei anderen Befürchtungen. Aber was ist CBD überhaupt und wie kommt es, dass Cannabis legal in Umlauf kam? Vor welchen Herausforderungen steht die Prävention? mehr

04.09.2017

Suchtprävention: quo vadis? Der Versuch einer Antwort

Forum Petra Baumberger. Suchtprävention: quo vadis? Mit dieser Frage setzen sich die Fachpersonen der Suchtprävention auseinander, seit es die Suchtprävention gibt. Und ich wage zu behaupten, dass sich die Suchtprävention seit ihrem Bestehen schon viele Male neu erfunden, sich einem veränderten Zeitgeist und neuen Forschungserkenntnissen angepasst hat. Dadurch hat sie immer wieder den Willen und die Bereitschaft, sich zu verändern, Ideenreichtum und professionelles Handeln bewiesen. Quo vadis? Die Frage ist für die Suchtprävention keineswegs neu. mehr