16.02.2015 (K)ein Patentrezept für Präventionskampagnen

Forum Peter Matthys. Ziel jeder Präventionskampagne ist letztlich eine Veränderung der Einstellung bzw. des Verhaltens einer definierten Zielgruppe. Abhängig von der Komplexität der zu vermittelnden Botschaft und vom Wissensstand der anvisierten Zielgruppe braucht es in einer ersten Phase eine Sensibilisierung für das Risiko. Unter Umständen muss sogar schockiert werden, ehe mit sogenannten Verhaltensanweisungen gearbeitet werden kann. In der Regel braucht es eine Kampagne mit einer minimalen Laufzeit von drei Jahren. Je komplexer die Botschaft und je weniger finanzielle Mittel pro Jahr zur Verfügung stehen, desto länger muss in dieselbe Kerbe gehauen werden.

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TODO CHRISTIAN

So oder so basieren sämtliche Kommunikationskampagnen der bfu – Beratungsstelle für Unfallverhütung auf fundiert analysierten Forschungsgrundlagen. Diese bestehen nicht nur aus harten Fakten und nackten Unfallzahlen. Auch weiche Faktoren wie Erkenntnisse aus der Verhaltensforschung und der Psychologie spielen eine wichtige Rolle für die Konzeption einer Kampagne. Eine Figur wie Franky Slow Down wurde beispielsweise bewusst als kumpelhafter Dude geschaffen, der dem primär jungen Zielpublikum das Fahren mit angepasster Geschwindigkeit als erstrebenswertes Lebensgefühl schmackhaft machen sollte. Denn mit erhobenem Zeigefinger an die geltende Gesetze und Geschwindigkeitslimiten zu erinnern, bringt bei jungen Fahrzeuglenkenden erwiesenermassen wenig.
Eine klare Botschaft und die Kombina­tion der richtigen Kommunikationsmittel und -kanäle sind mitentscheidend für eine erfolgreiche Kampagne. Müdigkeit am Steuer ist neben Ablenkung eine der häufigsten Unfallursachen im Strassenverkehr. Wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass weder lautes Musikhören noch Singen oder Fensteröffnen wirklich wirken. Genügend Schlaf wäre das Beste, nützt aber unterwegs wenig. Deshalb wurde mit der Wortkreation Turboschlaf kurzerhand ein Sinnbild für 15 Minuten Schlaf als wirksamste Massnahme gegen Müdigkeit am Steuer erfunden. Ein Türhänger, wie wir ihn aus dem Hotel kennen, diente als Flyer, Streuartikel und gleichzeitig als starkes Kampagnensymbol. Dieses konnte vielfältig eingesetzt werden. Auf dem Parkplatz am Rückspiegel aufgehängt, diente es als Turboschlafhinweis für andere Verkehrsteilnehmende. Mit sorgfältig ausgewählten, motivierten Kampagnenpartnern lassen sich Präventionskampagnen erfolgversprechender umsetzen. Wertvolle Direktkontakte zur Zielgruppe ergänzen so die vielfältigen Kampagnenerfahrungen der bfu-Spezialisten. Breit abgestütztes Forschungswissen kann ideal mit fundierten Praxiserfahrungen kombiniert werden. Ohne Schweizer Wanderwege und den Seilbahnverband Schweiz wäre eine Bergwanderkampagne undenkbar. Ohne die Unterstützung der Polizei im täglichen Einsatz wäre eine Alkoholpräventionskampagne der bfu und der übrigen Partner viel weniger wirksam.
Jede Kampagne wird selbstkritisch evaluiert – minimal durch die Auswertung der Medienbeobachtungsdaten und in der alljährlichen bfu-Bevölkerungsumfrage, maximal durch die Analyse eines unabhängigen Forschungsinstituts.
Sämtliche Bemühungen der bfu, auch die Konzeption und Umsetzung von Präventionskampagnen, zielen darauf ab, die richtigen Mittel am richtigen Ort zur richtigen Zeit nachhaltig zur Vermeidung von Unfällen im Strassenverkehr, im Sport sowie im Haus- und Freizeitbereich einzusetzen. Aber jede Kampagne ist anders und will wohl überlegt, gut geplant und selbstkritisch umgesetzt sein.

Peter Matthys
Leiter Kampagnen / Marketing bei der bfu – Beratungsstelle für Unfallverhütung

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