03.03.2018 30 Jahre HIV-Prävention – das Buch dazu

Buchvernissage, 5. Februar 2018 / Kosmos, Zürich. Die HIV-Prävention in der Schweiz ist 30 Jahre alt. Das Buch «positiv. Aids in der Schweiz» aus dem Echtzeit Verlag dokumentiert die bewegenden, zu Anfangszeiten gar revolutionären, Momente und zeigt, dass Prävention nie zu Ende ist.

Bildstrecke 30 Jahre HIV-Prävention – das Buch dazu

TODO CHRISTIAN

Wir alle haben den einen oder anderen Moment in unserem Leben, den wir mit Aids/HIV in Verbindung bringen: Weil eine nahestehende Person mit dem Virus infiziert wurde, wir nicht wussten, wie wir uns in Zukunft sexuell verhalten sollen oder wir durch eine Kampagne des BAG auf das Problem erst aufmerksam und aufgerüttelt wurden. HIV betrifft alle. Ein Aspekt, auf den die STOP-AIDS- und die LOVE-LIFE-Kampagnen des BAG immer wieder hingewiesen haben und es noch heute tun. Präventionsarbeit, so lernen wir an diesem Abend im Kulturhaus Kosmos zur Buchvernissage von «positiv. Aids in der Schweiz» ebenso, ist eine stete Aufgabe, weil der Mensch vergisst und neue Generationen heranwachsen.

Zur rechten Zeit am rechten Ort

Am 5. Februar 2018 haben sich in Zürich rund 200 Interessierte zur Buchvernissage des Jubiläumsbandes eingefunden, der zu den 30 Jahren Präventionsarbeit im Echtzeit Verlag unter Federführung des Journalisten Constantin Seibt herausgegeben wurde. Was die Moderatorin Monika Schärer auf dem Podium von ihren Gästen Roger Staub, Pietro Vernazza, Jennifer Annen und Constantin Seibt im Zusammenhang damit erfragt, was vor 30 Jahren als Aids-Prävention begonnen hat, lässt einige Male den Gedanken aufkommen, dass nebst dem Elend und der Angst, die diese Krankheit verbreitet hat, viele Menschen «zur rechten Zeit am rechten Ort» waren.

Nebst dem Elend und der Angst, die diese Krankheit verbreitet hat, waren viele Menschen «zur rechten Zeit am rechten Ort».

Für die Geburt der HIV-Prävention und der Verbreitung der Informationen in der Schweiz waren Personen wichtig wie Roger Staub, Herbert Richener, Marcel Ullmann. Der Podiumsteilnehmer Roger Staub bezeichnet sie drei als «Trio Infernal». Sie waren an der Gründung der Aids-Hilfe Schweiz beteiligt. Roger Staub war anschliessend viele Jahre im BAG für das Thema zuständig; Bertino Somaini, damals Sektionsleiter beim BAG, der die Gründung der Aids-Hilfe Schweiz vorantrieb und im BAG für das Thema weibelte; Ruedi Lüthy, ein Aids-Spezialist der ersten Stunde. Seine Stiftung «Ruedy Lüthy Foundation» kümmert sich heute im südlichen Afrika um HIV-Aids-Kranke; André Ratti, Fernsehjournalist und erster Präsident der Aids-Hilfe Schweiz; der Podiumsteilnehmer Pietro Vernazza, Forscher und behandelnder Arzt von HIV-Kranken; und Charles Clerc, Schweizer Journalist und Fernsehmoderator, der an diesem Abend im Publikum sass.

Nach 30 Jahren vieles erreicht – aber noch nicht beendet

In den anderthalb Stunden tut sich für das Publikum ein ganzes Kapitel Schweizer Public-Health-Geschichte auf. Die Podiumsteilnehmer schienen selbst beeindruckt vom Erreichten und von ihren Leistungen – oder freuten sich über die Meilensteine, die ihnen heute ein fast normales Leben ermöglichten. Das sind etwa die eigene Courage, sich dieser Ansteckungskrankheit jahrelang gewidmet zu haben (Roger Staub); die heute bestehenden Möglichkeiten, auch als HIV-Infizierte eines Tages ein gesundes Kind auf natürliche Weise auf die Welt bringen zu können (Jennifer Annen); als Forschender und Behandelnder trotz Widerständen in den eigenen Reihen und der noch immer herrschenden Diskriminierung so vielen Betroffenen geholfen zu haben (Pietro Vernazza) und last but not least, als Journalist einmal nicht die Rolle des Mistkäfers innegehabt zu haben, der im Morast der Inkompetenz wühlt und daraus eine Story macht, sondern für einmal viel Kompetenz auf die Spur kam und dieses Buch realisieren konnte (Constantin Seibt). Dass die Arbeit nicht zu Ende ist und die HIV-/STI-Präventionskampagnen für die Verantwortlichen im BAG unbestritten sind, bestätigte auf Nachfrage der Moderatorin Daniel Koch, Abteilungsleiter Übertragbare Krankheiten.

Dass die Arbeit nicht zu Ende ist und die HIV-/STI-Präventionskampagnen für die Verantwortlichen im BAG unbestritten sind, bestätigte auf Nachfrage der Moderatorin Daniel Koch, Abteilungsleiter Übertragbare Krankheiten.

Aufgrund der Zunahme von Ansteckungen anderer sexuell übertragbarer Infektionen (wie beispielsweise Syphilis, Gonorrhoe, Chlamydien) wurden diese im Jahr 2011 ins Nationale HIV-Programm aufgenommen. Damit ist nicht nur der Schutz* vor einer Ansteckung mit HIV, sondern auch der Schutz vor anderen sexuell übertragbaren Infektionen (STI) wichtig geworden.

Das Buch, dem dieser Abend gewidmet war, wechselt in kurzen Kapiteln vom Dokumentarischen zum Anekdotischen. Selten war Public-Health-Geschichte so süffig zu lesen. Beipflichten können wir Pietro Vernazza, der dazu meinte: «Ich habe auf dieses Buch nicht gewartet, aber jetzt muss ich sagen, wäre es nicht da, müsste es geschrieben werden.» Der 144 Seiten kurze Band erscheint im Frühjahr 2018 auch auf Französisch.

* Safer-Sex-Regeln ¶

Die Hauptbotschaften zur HIV-Prävention wurden nach 30 Jahren überprüft und aktualisiert. Ein Kondom zu benutzen, bleibt die wichtigste Safer-Sex-Regel. Die anderen Regeln wurden präzisiert und neu in einen Safer-Sex-Check integriert.

Bisher galten drei Safer-Sex-Regeln:
1. Eindringender Geschlechtsverkehr – immer mit Kondom (oder Femidom).
2. Kein Sperma und kein Menstruationsblut in den Mund nehmen.
3. Bei Grippesymptomen nach ungeschütztem Sex wie bei Juckreiz, Brennen, Ausfluss oder anderen Beschwerden im Genitalbereich sofort zum Arzt, zur Ärztin.

Neu werden nur noch zwei Safer-Sex-Regeln kommuniziert:
1. Vaginalsex und Analsex mit Kondom
2. Und weil’s jede(r) anders liebt: Mach jetzt deinen persönlichen Safer-Sex-Check auf lovelife.ch/de/safer-sex-check

Links

Nach oben