01.11.2012 Alkohol und Tabak: Konsum am Wochenende und Mischkonsum

Suchtmonitoring. Alkohol und Tabak gehören zu den am häufigsten konsumierten psychoaktiven Substanzen in der Schweiz. Sie werden auch von Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Ausgang als einzelne Substanz oder zusammen in besonderem Mass konsumiert. Die Ergebnisse aus dem Suchtmonitoring Schweiz des Bundesamt für Gesundheit zeigen auf, in welchen Bereichen der Präventionsarbeit noch Handlungsbedarf besteht.

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Seit 2011 lässt das Bundesamt für Gesundheit (BAG) mit seinem Suchtmonitoring Schweiz Daten zum Konsum von Alkohol, Tabak, Drogen und Medikamenten erheben. Neben der Beschreibung der aktuellen Situation wird das Monitoring in den nächsten Jahren auch längerfristige Entwicklungen und Trends im Suchtverhalten aufzeigen können.
In diesem Beitrag werden die Ergebnisse zu zwei Aspekten des Suchtkonsums thematisiert: der Mischkonsum verschiedener Substanzen und das Suchtverhalten von Jugendlichen und jungen Erwachsenen während des Ausgangs am Wochenende.

Mischkonsum in der Bevölkerung
Die ersten Ergebnisse des Suchtmonitorings Schweiz zeigen, dass rund 9% der Bevölkerung einen erhöhten Konsum von mindestens zwei Substanzen aufweisen (Männer: 11%, Frauen: 6%). In der Altersklasse der 20- bis 24-Jährigen ist dieser Anteil am höchsten (rund 17%). Besonders häufig werden Alkohol und Tabak zusammen konsumiert. So trinken beispielsweise Rauchende aller Altersstufen häufiger risikoreich Alkohol als Nichtrauchende. Gleichermassen gilt, dass Personen, die risikoreich Alkohol konsumieren, deutlich häufiger rauchen als jene ohne risikoreichen Alkoholkonsum. In der Altersgruppe der 15- bis 29-Jährigen, die gelegentlich rauchen, raucht jeder Zehnte mindestens einmal pro Woche Cannabis.

Suchtverhalten bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Ausgang
Der Konsum von Alkohol, Tabak und illegalen Drogen im Ausgang ist ein sensibles Thema, das auch die breite Öffentlichkeit berührt. Das Bundesamt für Gesundheit hat deshalb das Konsumverhalten von jungen Erwachsenen (15- bis 29-Jährige) im Nachtleben und die Folgen des Konsums (Risikoverhalten betreffend Sexualität, Nachhauseweg, Gewalt) untersuchen lassen.
Junge Leute (15 bis 29 Jahre) gehen pro Monat im Durchschnitt an vier Wochenendabenden aus. Ihr Konsum legaler und illegaler Substanzen lässt sich wie folgt zusammenfassen: 40,9% trinken ausschliesslich Alkohol, 32,2% nehmen keine Substanzen zu sich, 16,7% konsumieren sowohl Alkohol als auch Tabak, 3% rauchen ausschliesslich Zigaretten und 2,2% konsumieren Alkohol, Tabak und Cannabis. Über das ganze Jahr gesehen trinken neun von zehn Jugendlichen oder jungen Erwachsenen Alkohol, jeder fünfte nimmt Medikamente ein und jeder sechste konsumiert Cannabis. 10% aller jungen Leute nehmen weder Alkohol noch Drogen im Ausgang.
Der exzessive Konsum von Alkohol erhöht die Gefahr, in problematische Situationen wie körperlichen Auseinandersetzungen oder Unfälle verwickelt zu werden. Gemäss dem Suchtmonitoring Schweiz war jeder vierte der jungen Leute im Ausgang innerhalb eines Jahres mit mindestens einer problematischen Situation konfrontiert.

Anregungen für die Präventionsarbeit
Die vorliegenden Ergebnisse zum Mischkonsum und zum Konsum im Ausgang zeigen unter anderem Handlungsbedarf in folgenden Bereichen auf: problematischer Konsum von Substanzen im Ausgang, Konsum bei sportlichen Grossveranstaltungen, Jugendschutz und Mischkonsum von Substanzen.
Um problematischen Situationen, die beim Konsum von Alkohol, Tabak und Drogen im öffentlichen Raum entstehen können, entgegenzuwirken, muss die Zusammenarbeit zwischen Suchtfachleuten und der Polizei, aber auch mit Veranstaltern von Grossanlässen weiter gestärkt werden. Dem im Aufbau begriffenen Netzwerk «Safer Nightlife Schweiz» kommt hierbei eine zunehmende Bedeutung zu. Suchtmonitoring Schweiz hat gezeigt, dass in der Bevölkerung eine Mitbetroffenheit hinsichtlich der Folgen des Alkoholmissbrauchs spürbar ist und daher auch strukturelle Massnahmen auf breite Akzeptanz stossen. Dies trifft vor allem für Massnahmen gegen den problematischen Konsum von Alkohol an Grossveranstaltungen und für Massnahmen für den Jugendschutz zu. So unterstützen 94% der Bevölkerung ein Stadionverbot für Krawallmacher und knapp 70% ein Alkoholwerbeverbot bei Sportveranstaltungen. Mit Blick auf den Jugendschutz befürworten fast 80% der Befragten eine generelle Altersbeschränkung auf 18 Jahre für den Verkauf von Alkohol an Jugendliche.
Der Mischkonsum kann zu einer Abhängigkeit von mehreren Drogen führen. Mehrfachabhängigkeiten erschweren den Ausstieg, da die Entzugssymptome komplexer sind als bei einer ausschliesslichen Heroin- oder Alkoholabhängigkeit.
Aufgrund der Zunahme des Mischkonsums wird das BAG bei seinen nationalen Präventionsmassnahmen den Fokus mittelfristig nicht nur auf einzelne Substanzen legen, sondern in Anlehnung an die Vier-Säulen-Politik vermehrt einen ganzheitlichen, substanzübergreifenden Suchtansatz in der Prävention, Früherkennung und Frühintervention sowie in der Therapie pflegen.

Konsum von Alkohol, Tabak und Drogen (2011)

Alkohol: Knapp 10% der Schweizer Bevölkerung trinken täglich Alkohol, Männer mehr als doppelt so häufig wie Frauen. Ungefähr 20% konsumieren risikoreich Alkohol, d.h. entweder zu häufig und zu viel (chronisch risikoreicher Konsum) oder bei einer Gelegenheit zu viel (Rauschtrinken). Verbreitet ist das Rauchtrinken vor allem bei den 25- bis 34-Jährigen, während chronisch risikoreicher Konsum bei der älteren Bevölkerung vorkommt.
Tabak: Die Prävalenz bei den Rauchenden liegt bezogen auf die Gesamtbevölkerung bei 24,8%, bei den 15- bis 19-Jährigen bei 22,5%. 18,3% der Bevölkerung rauchen täglich.
Drogen: Cannabis ist in der Schweiz nach wie vor die am meisten konsumierte illegale Substanz. Knapp ein Fünftel der 15- bis 34-Jährigen (rund 30 000 Personen) konsumiert Cannabis täglich. Illegale Drogen werden häufiger von Männern als von Frauen konsumiert. Mit steigendem Alter nimmt der Konsum ab.

Was heisst «risikoreicher Konsum»?

Alkohol: Entweder 2/4 Standardgetränke pro Tag (Frauen/Männer) oder mindestens einmal pro Monat Rauschtrinken (4/5 Standardgetränke Alkohol bei einer Gelegenheit für Frauen/Männer); ein Standardgetränk beinhaltet etwa 10 bis 12 Gramm Reinalkohol (etwa eine Stange Bier oder 1 Deziliter Wein)
Tabak: Es gibt keinen risikolosen Konsum von Zigaretten. Bereits der tägliche Konsum von 1 bis 4 Zigaretten erhöht das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Kontakt

Wally Achtermann, Sektion Grundlagen, wally.achtermann@bag.admin.ch

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