30.06.2017 Angehörige suizidaler Menschen und Hinterbliebene nach Suizid

Aktionsplan Suizidprävention. Im Auftrag der eidgenössischen Räte haben Bund und Kantone zusammen mit der Stiftung Gesundheitsförderung Schweiz und weiteren Akteuren den Aktionsplan Suizidprävention erarbeitet. Dieser wurde im November 2016 verabschiedet. Ziel ist es, bis 2030 jährlich rund 300 Todesfälle durch nicht assistierten Suizid zu verhindern, die Angehörigen und Nahestehenden grosses Leid bringen.

Bildstrecke Angehörige suizidaler Menschen und Hinterbliebene nach Suizid

TODO CHRISTIAN

Bild/Copyright: iStock

Angehörige spielen im Aktionsplan «Suizidprävention» eine zentrale Rolle, etwa bei Massnahmen, die zu einer besseren Informiertheit über Suizidalität führen. Wenn Angehörige merken, dass «etwas nicht mehr stimmt», ist es wichtig, dass sie über Suizidalität informiert sind und sie wissen, dass das Ansprechen auf vermutete Suizidgedanken für die Betroffenen entlastend wirkt.

Der Stigmatisierung entgegenwirken

Die aktuelle gesamtschweizerische Suizidpräventionskampagne «Reden kann retten» macht darauf aufmerksam, wie wichtig das Sprechen über und das Ansprechen auf Suizidgedanken ist. Sie informiert über Beratungs- und Hilfsangebote (per Telefon, SMS- oder E-Mail). Der Aktionsplan will deren Bekanntheit und Nutzung in Krisensituationen fördern, sowohl für suizidgefährdete Betroffene als auch für deren Umfeld. Das Sensibilisieren und Informieren soll auch der Stigmatisierung von psychischen Erkrankungen entgegenwirken. Denn die Stigmatisierung oder die Angst davor lähmt die Angehörigen zusätzlich.

Angehörige unterstützen

Weiter hat der Aktionsplan zum Ziel «suizidgefährdete Menschen und Menschen nach Suizidversuchen bedarfsgerecht, zeitnah und spezifisch zu betreuen und zu behandeln». Dabei ist explizit festgehalten: «Bezugspersonen sollten in die Versorgung einbezogen und über Entlastungsangebote informiert werden.» In vielen Kliniken in der Schweiz gibt es – ausserhalb der eigentlichen Behandlung – niederschwellige Anlaufstellen für Angehörige (siehe auch «5 Fragen an Sibylle Glauser»). Auch der Aktionsplan zur Unterstützung von betreuenden und pflegenden Angehörigen und das entsprechende Förderprogramm (2017– 2020) richten sich an Angehörige von psychisch Erkrankten. Auch der Aktionsplan zur Unterstützung von betreuenden und pflegenden Angehörigen und das entsprechende Förderprogramm (2017– 2020) richten sich an Angehörige von psychisch Erkrankten.

Der Aktionsplan Suizidprävention nimmt sich der Angehörigen auch als Hinterbliebene an, denn sie besitzen ein erhöhtes Suizidrisiko. Er formuliert das Ziel, «bedarfsgerechte Unterstützungsangebote für Hinterbliebene zu etablieren und über diese Angebote zu informieren ». Im Auftrag des BAG erarbeitet der Verein Trauernetz zurzeit eine Wanderausstellung, inkl. Begleitbroschüre, die über die Situation von Hinterbliebenen sensibilisieren und Hilfsangebote bekannt machen will.

Verantwortungs- und respektvolle Medienberichterstattung

Der Aktionsplan zielt auch auf eine «verantwortungs- und respektvolle Medienberichterstattung über Suizide». Unter anderem bedeutet dies, dass die Berichterstattung Angehörige nicht zusätzlich belasten soll. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) hat die in der Westschweiz verankerte Organisation Stop Suicide im Jahr 2016 mit einem Mandat beauftragt, um zusammen mit Journalistinnen und Journalisten sowie Redaktionen unterstützende Materialien für Medienschaffende zu erarbeiten. Entstanden ist eine Kurzversion mit fünf zentralen Empfehlungen, die unter Punkt vier festhält: «Der Schmerz der Angehörigen ist zu respektieren.» (nur auf Französisch).

Links

Kontakt

Kontakt: Esther Walter, Sektion Nationale Gesundheitspolitik, esther.walter@bag.admin.ch

Nach oben