06.09.2018 Apps und Self-Tracker als Mittel gegen NCDs?

Studie Quantified Self. Das Aufzeichnen des eigenen Bewegungs- oder Ernährungsverhaltens mit Apps und mobilen Messgeräten (Wearables) ist im Trend. Helfen solche Instrumente, gesünder zu leben und damit Krankheiten vorzubeugen? Eine neue Studie kommt zum Schluss: Das Potenzial bestehe, es sei aber nicht leicht, aus der Masse der Apps die wirksamen und sicheren zu erkennen.

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QS-Anwendungen wird viel zugetraut.

Preiswerte Sensoren in tragbaren Geräten und eine immense Auswahl an Gesundheitsapplikationen für Mobiltelefone machen es möglich, eine breite Palette von Daten über sich selbst aufzuzeichnen und damit potenziell seine Gesundheit zu optimieren. Diese Selbstvermessung wird mit dem Begriff Quantified Self (QS) bezeichnet.
Hat dies Auswirkungen auf die öffentliche Gesundheit? Um Antworten auf diese Frage zu erhalten, unterstützten das BAG und eHealth Suisse die Studie «Quantified Self – Schnittstelle zwischen Lifestyle und Medizin» der Stiftung für Technologiefolgen-Abschätzung Schweiz (TA SWISS). Sie wurde 2017 von der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) und dem Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung in Berlin erarbeitet.

Riesiges Angebot

Das Angebot an QS-Produkten wird in Konsum- und Medizinprodukte unterteilt. Der grösste Teil der Produkte sind nicht als Medizinprodukte klassiert, beispielsweise Schrittzähler. Die QS-Produkte im Medizinbereich werden hauptsächlich bei chronischen Krankheiten für Therapie, Vorbeugung, Behandlung oder Diagnose eingesetzt. Bisher aber eher in geringem Umfang. Gründe dafür sind Vorbehalte bezüglich der Verlässlichkeit der Produkte, lückenhafte Nachweise der Wirksamkeit oder fehlende Qualitätsstandards. Trotz der sich verbessernden Sensortechnologie stellt im Konsumbereich die mangelhafte Datenqualität bei tragbaren Computern (Wearables) nach wie vor ein Problem dar. Ein weiteres Hindernis ist die Datensicherheit. Dennoch wird das Potenzial solcher Produkte als hoch eingeschätzt.

Herausforderung Qualität

Für die Gesundheitsförderung und die Prävention wird QS-Anwendungen ebenfalls viel zugetraut, indem sie Verhaltensänderungen unterstützen sowie Informationen oder Zugang zu Versorgungsangeboten bereitstellen. Gemäss Experteneinschätzungen können mit QS Bevölkerungsgruppen erreicht werden, die mit herkömmlichen Mitteln nur begrenzt erreichbar sind, beispielsweise Rauchende, junge Menschen oder Männer über 50.
Zentral für die Wirksamkeit ist, dass die Apps auf evidenzbasierten Praktiken aufbauen und eine hohe Benutzerfreundlichkeit aufweisen. Eine Vielzahl der Produkte, die aktuell auf dem Markt sind, erfüllt diese Standards nicht. Viele Geräte machen ungenaue oder sogar falsche Empfehlungen. Nutzerinnen brauchen deshalb Informationen darüber, welche Apps wirken und welche Sensoren ver- Apps und Self-Tracker als Mittel gegen NCDs? lässlich sind. Im Rahmen der NCD-Strategie ist deshalb ein Selbstdeklarationstool für Entwickler von solchen Applikationen geplant. Dieses soll die Transparenz fördern.

Ungleichheit könnte verstärkt werden

Ein Risiko, das die QS-Möglichkeiten mit sich bringen, ist vermehrte Diskriminierung bei der Krankenversicherung. Ebenso könnte sich die gesundheitliche Ungleichheit vergrössern, da meistens Personen QS-Applikationen nutzen, die bereits ein hohes Gesundheitsbewusstsein haben. Unter dem Strich scheinen QS-Anwendungen – trotz der allgemein noch dünnen Evidenzlage und den hier beschriebenen Vorbehalten – ein für die öffentliche Gesundheit vielversprechendes Instrument zu sein.

Studie, Buch und Kurzfassungen sind auf www.ta-swiss.ch respektive www.vdf.ethz.ch verfügbar.

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Kontakt

Marc Raemy, Abteilung Prävention nichtübertragbarer Krankheiten, marc.raemy@bag.admin.ch

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