01.11.2012 Aus erster Hand

Editorial Isabelle Widmer. Internet macht süchtig. Besonders bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen kann die extreme Anziehungskraft verschiedener Internetaktivitäten zu einem exzessiven und «suchtartigen» Gebrauch führen. Dieses Problem wird sich in den nächsten Jahren eher verschärfen, weil das Internet auf mobilen Geräten immer besser verfügbar wird. Mehr und mehr werden virtuelle und reale Welten verschmelzen. Dadurch erfährt die heranwachsende Generation eine völlig neuartige Sozialisation, deren gesellschaftliche Auswirkungen gegenwärtig kaum abschätzbar sind.

Bildstrecke Aus erster Hand

TODO CHRISTIAN

Vor diesem Hintergrund erscheint es einleuchtend, dass gewisse Formen der Internetnutzung im gesellschaftlichen Diskurs vermehrt als Problem wahrgenommen werden. Allerdings geht diese Problematisierung von einer Generation aus, die noch weitgehend ohne Internet aufgewachsen ist. Gut möglich, dass es jüngeren Eltern besser gelingen wird, das Internet in den Erziehungsalltag einzubeziehen. Zudem zeigen wissenschaftliche Untersuchungen, dass bei den meisten Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen das Internet den Alltag nicht dominiert, sondern vielmehr ein Bestandteil ihrer Lebenswelt geworden ist.

Neue Medien haben auch vor hundert Jahren schon Ängste geschürt. 1909 schrieb der Soziologe Ernst Schultze: «Fast urplötzlich wird das Kind von der Sucht befallen, seine ganze freie Zeit durch Lesen auszufüllen, nichts anderes gewährt dann Reiz, (…) – alles verschwindet hinter den Wundern, die sich dem Kinde plötzlich in der Welt der Bücher auftun. (…). Und es wird alles verschlungen, was dem Kind in die Hände fällt.»

Deshalb sollen bei der weiteren Diskussion über die Gefahren und Risiken der Internetnutzung auch immer die positiven Aspekte des Internets berücksichtigt werden. Für die Prävention bedeutet das: Die Heranwachsenden sollen frühzeitig an einen konstruktiven Umgang herangeführt werden. Zudem gilt es, ihre Medienkompetenz zu fördern. So lernen Kinder und Jugendliche nicht nur eine massvolle Internetnutzung, sondern auch, mit weiteren Risiken und Gefahren im Internet umzugehen.

Isabelle Widmer, Sektion Drogen, Bundesamt für Gesundheit

Nach oben