01.05.2012 Aus erster Hand

Editorial Catherine Gasser. Die rund 7700 Hausärztinnen und Haus­ärzte spielen bei der Gesundheitsversorgung der Bürgerinnen und Bürger unseres Landes eine Schlüsselrolle. Eine der grossen Herausforderungen ihrer Arbeit besteht darin, auf der Basis unspezifischer Beschwerden das Risiko schwerer Erkrankungen richtig einzuschätzen und angemessene Massnahmen und Abklärungen einzuleiten.

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Daneben sind die Hausärztinnen und Hausärzte infolge des wachsenden Anteils älterer und mehrfach erkrankter Menschen zusehends mit komplexen Situationen konfrontiert, die nicht allein mit medizinischen Interventionen gelöst werden können. Dies trifft besonders auf Patientinnen und Patienten mit unheilbaren Krankheiten zu, die eine palliative Begleitung brauchen. In dieser Lebensphase benötigen Menschen eine ärztliche Vertrauensperson mit hohen fachlichen und sozialen Kompetenzen, die gut vernetzt ist mit anderen Fachleuten und sie optimal berät, begleitet und weitere Dienstleis­tungen vermittelt oder koordiniert.

Eine wachsende Bedeutung in diesem breiten Aufgabenspektrum kommt auch der Prävention zu. Präventive Leistungen sind in der Regel auf eine langfristige Perspektive hin angelegt. Ihre Wirkungen sind meist nicht sofort oder manchmal auch gar nicht messbar. Die Hausärztin oder der Hausarzt ist durch die Kontinuität der Beziehung in der Lage, abzuschätzen, welche präventiven Massnahmen sinnvoll  sind und welche Verhaltensänderungen beim Einzelnen erreicht werden können. Das Spektrum möglicher präventiver Untersuchungen und Interventionen verbreitert sich kontinuierlich. Hausärztinnen und Hausärzte sehen sich zunehmend mit besorgten Patienten und Patientinnen konfrontiert, die in vager Kenntnis möglicher Risiken alles und jedes abklären lassen wollen. Auch hier gilt: Es ist die richtige Dosis, die über Nutzen und Schaden der Prävention entscheidet.
 
In diesem Sinne plädiere ich für eine hoch qualifizierte Hausarztmedizin, denn nur eine solche ist in der Lage, in einem derart breiten Aufgabenspektrum über die jeweils angemessene Intervention zum Nutzen des Patienten und im Interesse der Gemeinschaft zu entscheiden.  

Catherine Gasser,Leiterin Abteilung Gesundheitsberufe,Bundesamt für Gesundheit

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