01.07.2014 Aus erster Hand

Editorial Stefan Spycher. Die Zugehörigkeit zur Erwerbsgesellschaft ist ein wichtiger Faktor für die Gesundheit des Einzelnen. Erwerbsarbeit sichert nicht nur eine finanziell unabhängige Existenz. Sie schafft auch ein Gefühl des persönlichen Erfolgs, der Sicherheit und der Integration in die Gesellschaft. Arbeit birgt aber auch gesundheitliche Risiken, die über den etablierten Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz hinausgehen. Unter den Begriff der «berufsassoziierten Gesundheitsstörungen» fallen Krankheiten, welche nicht ursächlich auf die Arbeitsbedingungen zurückzuführen sind, jedoch bei der erwerbstätigen Bevölkerung häufiger vorkommen.

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Darunter fallen beispielweise muskuloskelettale Beschwerden oder Symptome, die mit dauerndem Stress verbunden sein können. Die Belastungen am Arbeitsplatz können zudem mit Belastungen im privaten Bereich einhergehen. Da nach wie vor mehr Frauen als Männer Beruf und Fürsorgeverpflichtungen gegenüber Kindern oder kranken Familienmitgliedern kombinieren, sind sie häufiger mit Überlastungen konfrontiert.
Globale Krisen setzen auch der schweizerischen Wirtschaft zu, verursachen Innovations-, Konkurrenz- und Lohndruck bei den Unternehmungen und können somit die eher belastenden Wirkungen der Arbeit verstärken. Die wichtigste Ressource der Schweizer Wirtschaft ist das Wissen und damit der Mensch. Wissen kann aber nur dann nachhaltig wirken, wenn der bzw. die Wissensträger/-in dazu in der Lage, also gesund ist. Die Gesundheit der Menschen ist daher DIE zentrale Voraussetzung, damit unser Wohlstand gesichert und weiterentwickelt werden kann.
Bundesseitig engagiert sich in erster Linie das Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) für gesundheitsrelevante Verbesserungen in der Arbeitswelt. Aber auch von Seiten der Gesundheitspolitik stehen Aktivitäten an. In der im Januar 2013 veröffentlichten Strategie «Gesundheit2020» (www.gesundheit2020.ch) spricht sich der Bundesrat für eine Stärkung von Gesundheitsförderung, Prävention und Früherkennung aus – und damit auch für die Förderung der betrieblichen Gesundheitsförderung. Vor diesem Hintergrund wurde im November 2013 das Dialogprojekt «Psychische Gesundheit» ins Leben gerufen. Im Rahmen dieses Projekts werden das BAG, die Gesundheitsdirektorenkonferenz und die Stiftung Gesundheitsförderung Schweiz mit verschiedenen weiteren Akteuren Massnahmen entwickeln, die einen Beitrag zur Verbesserung der psychischen Gesundheit in der Schweiz leisten. Ziel aller Bestrebungen muss sein, dass möglichst viele Menschen das Rentenalter in möglichst guter Gesundheit erreichen können.

Stefan Spycher
Vizedirektor
des Bundesamts für Gesundheit

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