07.03.2016 Aus erster Hand

Editorial Diane Steber Büchli. Gegen Ende des 20. Jahrhunderts wurden die illegalen Drogen in der Schweiz zu einem schwerwiegenden gesundheitspolitischen Problem, das mit der Verelendung der Abhängigen und den offenen Drogenszenen zu trauriger Berühmtheit gelangte. Zum Schutz der öffentlichen Gesundheit und der öffentlichen Sicherheit entwickelten Fachleute und Politiker einen breit abgestützten Ansatz, um mit den Drogenproblemen umzugehen: die Viersäulenpolitik mit den Pfeilern Prävention, Therapie, Schadensminderung und Repression. Viele der mutigen und innovativen Schweizer Ansätze – Spritzenabgabe, Injektionsräume, die Substitutionstherapie mit Methadon und namentlich die heroingestützte Behandlung – fanden grosses Interesse und Nachahmung in anderen Ländern.

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Die Drogenprobleme machen nicht Halt vor Grenzen. Anbau, Schmuggel, Handel und Konsum illegaler Drogen werfen eine Vielzahl von Fragen auf, mit denen sich die Staaten, aber auch die internationale Gemeinschaft konfrontiert sehen. Vom 19. bis 21. April 2016 findet in New York eine Sondersession der Generalversammlung der Vereinten Nationen (UNGASS) zum Weltdrogenproblem statt. Auf der provisorischen Traktandenliste stehen eine allgemeine Debatte und fünf Rundtisch-diskussionen zu den Themen Gesundheit, Kriminalität und Entwicklung sowie zwei mit transversalen Themen. Dies sind zum einen «Menschenrechte, Jugend, Frauen, Kinder und Gemeinschaft» sowie «neue Herausforderungen, Bedrohungen und Realitäten».

Für die Schweiz und andere Staaten bietet die UNGASS die Möglichkeit, eine offene Drogendebatte zu führen. Die Schweiz kann mit ihrer Drogenpolitik, die das Wohlergehen der Menschen in den Vordergrund stellt und Sucht als eine Krankheit betrachtet, möglicherweise wichtige Impulse geben. Darunter gehören die Einhaltung der in der schweizerischen Verfassung garantierten Menschenrechte, inklusive der Abschaffung der Todesstrafe, die Reduzierung des Ansteckungsrisikos mit Infektionskrankheiten bei Drogenkonsumenten durch Massnahmen der Schadensminderung (zum Beispiel Spritzenaustausch) und die Erhöhung der Verfügbarkeit von international kontrollierten Substanzen für die Schmerzbekämpfung.  

Wir werden in späteren Ausgaben und in unserem Online-Magazin über die Ergebnisse der UNGASS 2016 berichten.  

Kontakt

Diane Steber Büchli, Abteilung Internationales, diane.steber@bag.admin.ch  

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