01.01.2014 Aus erster Hand

Editorial Daniel Koch. Die jüngste Abstimmung über das Epide­miengesetz hat einmal mehr deutlich gemacht, dass das Thema Impfungen in der Lage ist, Emotionen und Debatten anzufachen. Droht eine Epidemie mit hoher Sterblichkeit, sind diejenigen Stimmen am lautesten, die nach Impfungen verlangen. Ansonsten sind es diejenigen, die Impfungen fürchten.

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Impfungen müssen ihre Vorzüge nicht mehr unter Beweis stellen. Die Tatsache, dass mindestens 95%der Kinder in der Schweiz geimpft wurden, ist ein klares Zeichen dafür, dass Impfungen als Präventionsmassnahme im Prinzip unbestritten sind. Dennoch lassen das Beinahe-Verschwinden von tödlichen Krankheiten wie Pocken, Diphtherie und Kinderlähmung und noch viel mehr die geringste Hypothese einer allfälligen schweren Impfnebenwirkung die Vorteile der Impfung langsam in Vergessenheit geraten.

Die Wahrnehmung der Vorteile und der Risiken von Impfungen ist nicht im Gleichgewicht, trotz den umfassend verfügbaren und reproduzierbaren Statistiken und Analysen. Diese zeigen eindeutig, dass die Vorteile der empfohlenen Impfungen die möglichen Nachteile bei Weitem überwiegen. Die Impfrisiken sind wesentlich geringer als jene der Krankheiten, die durch die Impfungen verhütet werden.

Der Anspruch , die Individuen und die Bevölkerung zu schützen und keinen Schaden zu verursachen, wird von den Akteuren auf allen Ebenen geteilt: von der Forschung im Universitätslabor bis zur industriellen Produktion, von der Zulassungsgenehmigung für einen Impfstoff bis zu dessen Überwachung nach dem Verkauf, von der Entwicklung von Empfehlungen bis zur Evaluation ihrer Auswirkungen, von der Kommunikation der Empfehlungen bis zu ihrer Umsetzung in der Arztpraxis. Qualität, Sicherheit und Angemessenheit sind durch zahlreiche Mechanismen gewährleistet.

Die Sorgen der Bevölkerung müssen ernst genommen, die Glaubwürdigkeit der Akteure und der Kommunikation gestützt, die Strukturen und geeigneten Massnahmen weitergeführt und die positiven Auswirkungen der Impfungen dokumentiert werden, damit das volle Potenzial der Impfungen erhalten und weiterentwickelt werden kann.

In diesem Sinne wollen wir das überarbeitete Epidemiengesetz umsetzen und ein nationales Impfprogramm entwickeln.


Daniel Koch
Leiter der Abteilung
Übertragbare Krankheiten

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