25.07.2018 Bewegung als Therapie nachhaltig in der Gesundheitsversorgung verankern

Pilotprojekt «Pas à pas». Wer sich regelmässig bewegt, mindert das Risiko, nichtübertragbare Erkrankungen, wie Krebs oder Diabetes, zu erleiden. Im Rahmen der Nationalen Strategie zur Prävention nichtübertragbarer Krankheiten (NCD-Strategie) soll Bewegung als Therapieform deshalb künftig in der Gesundheitsversorgung verankert werden. Mit dem Pilotprojekt «Pas à Pas» geht der Kanton Waadt seit 2015 neue Wege, indem Menschen mittels einer ärztlichen Überweisung zu mehr körperlicher Aktivität ermuntert werden.

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TODO CHRISTIAN

Mit dem Auto einkaufen, stundenlang bei der Arbeit sitzen: Körperliche Inaktivität ist zur Zivilisationskrankheit geworden und in der Schweiz stark verbreitet. Rund ein Drittel der Erwachsenen hält sich nicht an die Basisempfehlung, sich wöchentlich mindestens zweieinhalb Stunden bei moderater Intensität zu bewegen, elf Prozent sind sogar völlig inaktiv.

Krank durch mangelnde körperliche Aktivität

Wer sich zuwenig bewegt, erhöht sein Risiko, an Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Adipositas, Diabetes, Bluthochdruck, Krebs, Arthritis oder Osteoporose (sogenannte nichtübertragbare Krankheiten; engl. non-communicable diseases NCD), aber auch an Depressionen oder Angstzuständen zu erkranken. Weitere lebensstilbezogene Faktoren für NCD sind unausgewogene Ernährung, Rauchen und übermässiger Alkoholkonsum. Physiologische Faktoren, wie Körpergewicht, Blutdruck, Blutfettwerte und der Cholesterinspiegel, haben ebenso einen Einfluss auf das Erkrankungsrisiko wie gesellschaftliche und wirtschaftliche, wie beispielsweise der Bildungsgrad.

Bewegung wirkt sich jedoch nicht nur präventiv auf die NCD aus, sondern hat auch eine wissenschaftlich umfassend belegte therapeutische Wirkung, sofern sie zweckmässig und angemessen verordnet wird.

Bewegung ist damit einer der zentralen Schutzfaktoren, um das Erkrankungsrisiko zu senken. Sie wirkt sich jedoch nicht nur präventiv auf die NCD aus, sondern hat auch eine wissenschaftlich umfassend belegte therapeutische Wirkung, sofern sie zweckmässig und angemessen verordnet wird. In der Schweiz wird dieser Behandlungsansatz bei NCD heute zum Beispiel in der Behandlung von Adipositas bei Kindern oder Jugendlichen angewandt. Für adipöse Erwachsene wird dieser Ansatz, der im «Praxisleitfaden Adipositas» integriert ist, ebenfalls empfohlen.

Bewegung als Therapieform in der Gesundheitsversorgung verankern

Um die Bewegungsförderung in der Gesundheitsversorgung zu verankern, sind alle Akteure angesprochen, die flächendeckenden alters- und schichtenübergreifenden Zugang zur Bevölkerung haben. Damit übernehmen Ärztinnen und Ärzte, insbesondere Grundversorger wie Hausärztinnen und –ärzte oder Kinderärztinnen und –ärzte, aber auch Pflegefachleute, Apothekerinnen und Apotheker und andere Berufsgattungen eine wichtige Rolle in der Bewegungsförderung. Zudem haben Gesundheitsfachleute einen guten Zugang zu Menschen, die bereits erkrankt sind oder ein erhöhtes Erkrankungsrisiko aufweisen. 

Körperliche Bewegung ist bei der Behandlung von NCD von hohem therapeutischen Nutzen und wirkt sich nachweislich positiv auf die körperliche und psychische Gesundheit und die soziale Teilhabe aus.

Dass körperliche Bewegung bei der Behandlung von NCD von hohem therapeutischen Nutzen ist und sich nachweislich positiv auf die körperliche und psychische Gesundheit und die soziale Teilhabe auswirkt, entspricht einem breiten wissenschaftlichen Konsens. Im Rahmen der NCD-Strategie (siehe Kasten) wird nun geprüft, wie Bewegung künftig in der Gesundheitsversorgung als therapeutische Intervention verordnet werden kann. In Schweden beispielsweise wird bereits seit 2008 Bewegung ärztlich verschrieben («Physical activity on prescription»). In Frankreich wiederum ist Bewegung als nicht-medikamentöse Behandlung anerkannt und als solche seit 2016 gesetzlich verankert. Französische Ärztinnen und Ärzte können angepasste körperliche Aktivität (Adapted Physicial Activity APA) bei Patientinnen und Patienten verschreiben, die an chronischen Krankheiten, wie zum Beispiel Brust- oder Dickdarmkrebs, Diabetes Typ 2 oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen, leiden.

Der Ansatz, Bewegung als Therapieform in der Gesundheitsversorgung zu verankern, ist deshalb vielversprechend, weil in diesem Setting Patientinnen und Patienten mit vergleichsweise einfachen Mitteln zu mehr körperlicher Aktivität und entsprechenden Verhaltensveränderungen ermuntert werden können. Dass diese damit in ihrer Eigenverantwortung angesprochen werden und die körperliche Bewegung ihnen die Möglichkeit gibt, selber etwas aktiv unternehmen zu können, wirkt sich zudem positiv auf den weiteren Krankheitsverlauf aus. Eine den psychischen und physischen Voraussetzungen der Patientinnen und Patienten angepasste Bewegung (APA) steht dabei im Zentrum. Hierfür eignen sich insbesondere speziell geschulte Bewegungs- und Sportwissenschaftlerinnen und –wissenschaftler. 

Um zu prüfen, welche Modelle und Ansätze sich dazu eignen, Bewegung kosteneffizient in der Gesundheitsversorgung zu verankern, hat das BAG die Universität Lausanne damit beauftragt, eine entsprechende Übersicht zu erstellen. Dabei werden den Schnittstellen zu Akteuren der öffentlichen Gesundheit, wie beispielsweise den Gesundheitsligen, ein besonderes Augenmerk geschenkt. Die Übersicht zu «Bewegung als Therapie» wird im Frühjahr 2019 vorliegen.

Kanton Waadt geht mit dem Projekt «Pas à Pas» neue Wege

Mit «Pas à Pas» werden einerseits Menschen mittels einer ärztlichen Überweisung an Promotion Santé Vaud zu mehr körperlicher Aktivität ermuntert und andererseits Gesundheitsfachleute bei ihrem Engagement für körperliche Bewegung unterstützt, indem diese auf spezialisierte Bewegungsfachpersonen zurückgreifen können.

Die NCD-Strategie bietet einen idealen Rahmen, um Fördermassnahmen und Konzepte zur Bewegung als Therapie im Gesundheitssystem und insbesondere in der medizinischen Grundversorgung zu prüfen. Der Kanton Waadt geht diesbezüglich mit dem Pilotprojekt «Pas à Pas», entstanden aus dem kantonalen Diabetes- und Präventionsprogramm «ça marche! Bouger plus, manger mieux», seit 2015 neue Wege.

Mit «Pas à Pas» werden einerseits Menschen mittels einer ärztlichen Überweisung an Promotion Santé Vaud zu mehr körperlicher Aktivität ermuntert und andererseits Gesundheitsfachleute bei ihrem Engagement für körperliche Bewegung unterstützt, indem diese auf spezialisierte Bewegungsfachpersonen zurückgreifen können. Dabei handelt es sich um Bewegungs- und Sportwissenschaftlerinnen und –wissenschaftler, die in angepasster körperlicher Aktivität (APA) geschult sind. Das Pilotprojekt bildet damit ein wichtiges Bindeglied zwischen diesen beiden Berufsgruppen. Die Kosten für die ärztlich verordnete Bewegung im Rahmen des Pilots übernimmt der Kanton.

«Die NCD-Strategie im Überblick»

Die Prävention der nichtübertragbaren Krankheiten (NCD; engl. non-communicable diseases NCD) ist eine der fünf Prioritäten der bundesrätlichen Agenda «Gesundheit2020». Die entsprechende Strategie wird gemeinsam durch das Bundesamt für Gesundheit, die Schweizerische Konferenz der kantonalen Gesundheitsdirektorinnen und –direktoren und die Stiftung Gesundheitsförderung Schweiz getragen und umgesetzt. Sie baut unter anderem auf den Erfahrungen der nationalen Präventionsprogramme auf und wirft einen umfassenden sowie multisektoriellen Blick auf die Herausforderungen auf die NCD und ihre Folgen.

Die NCD-Strategie zielt darauf ab, den Bedürfnissen der Menschen, ihren Lebenswelten oder «Settings» wie Schule, Arbeitsplatz oder Gemeinde, ihren Lebensbedingungen und ihrem Wissen, ihren Werten und ihrem Verhalten verstärkt Rechnung zu tragen. Zudem fokussiert sie darauf, den Gesundheitszustand in jeder Lebensphase zu verbessern. Die Strategie will die Krankheitslast dämpfen, den Kostenanstieg bremsen, die Zahl vorzeitiger Todesfälle verringern und die Leistungsfähigkeit und Teilhabe der gesamten Bevölkerung in Wirtschaft und Gesellschaft erhalten und verbessern. Sie besteht aus den drei Massnahmenbereichen «bevölkerungsbezogene Gesundheitsförderung und Prävention», «Prävention in der Gesundheitsversorgung» und «Prävention in Wirtschaft und der Arbeitswelt».

Weitere Informationen: www.bag.admin.ch/ncd.

Kontakt

Alberto Marcacci, Sektion Prävention in der Gesundheitsversorgung, alberto.marcacci@bag.admin.ch

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