01.05.2013 Bund will Masern eliminieren

Strategie zur Bekämpfung von Masern. Europa soll bis 2015 masernfrei sein. Das ist das Ziel der europäischen Region der Weltgesundheitsorganisation (WHO), zu der auch die Schweiz gehört. Der Bundesrat hat 2011 die Nationale Strategie zur Masernelimination 2011–2015 verabschiedet.

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Dank der Maserneliminationsstrategie soll die Schweiz bis Ende 2015 masernfrei sein. Hierfür müssen 95% der Bevölkerung zwei Mal gegen Masern geimpft sein oder die Krankheit durchlebt haben. Für Kleinkinder empfohlen sind zwei Dosen eines Masern-Mumps-Röteln-Impfstoffes bis zum Alter von zwei Jahren. Danach ist eine Nachholimpfung jederzeit möglich und wird allen empfohlen, die noch nicht mit zwei Dosen geschützt sind. Wer älter ist als 50 Jahre, hatte mit grosser Wahrscheinlichkeit in der Kindheit Kontakt mit Masern und ist deshalb geschützt. Wird eine Durchimpfungsrate von 95% erreicht, entsteht eine sogenannte Herden­immunität; der Krankheitserreger kann sich nicht mehr nachhaltig verbreiten und verschwindet aus einem Land oder einer Region. Dass dies möglich ist, zeigen Australien sowie ganz Nord- und Südamerika: Sie sind dank der Impfung mittlerweile masernfrei. Doch davon ist die Schweiz noch weit entfernt. Zurzeit liegt die Durchimpfungsrate für zwei Dosen bei 2-Jährigen in der Schweiz bei rund 85% und für eine Dosis bei 93%. Die Durchimpfung variiert stark von Kanton zu Kanton. Die tiefste kantonale Durchimpfungsrate der 2-Jährigen mit zwei Dosen beträgt 50%, die höchste 93%.

Interventionsachsen
Das Ziel der Herdenimmunität soll über verschiedene Interventionsachsen erreicht werden. Dazu gehören unter anderem Informations- und Promotionsmassnahmen. Weiter beinhaltet die Strategie einen möglichst einfachen Zugang zur Impfung, zum Beispiel durch die Franchisenbefreiung bis 2015. Auch eine verbesserte epidemiologische Überwachung und eine einheitliche Bekämpfung von Masernausbrüchen sind Teil der Strategie. Alle Kantone sollen bei einem Verdachtsfall innerhalb kurzer Zeit Massnahmen zur Ausbruchsbekämpfung ergreifen. Hierfür soll beispiels­weise nicht geimpften Personen, die nie an Masern erkrankt sind, die Nachhol­impfung empfohlen werden.  

Keine harmlose Kinderkrankheit
Masern gelten häufig immer noch als «harmlose Kinderkrankheit». Doch sie sind weder harmlos, noch sind sie eine reine Kinderkrankheit. An Masern erkranken können alle nichtimmunen Personen, auch Erwachsene. Masern können schwere Komplikationen verursachen, die eine Hospitalisierung erfordern. Etwa 10% der Erkrankten entwickeln Komplikationen, 5% eine Lungenentzündung, und rund eine von tausend an Masern erkrankten Personen erleidet eine Hirnentzündung. Masernkomplikationen können auch tödlich sein. Letztmals starb in der Schweiz während der Epidemie im Jahr 2009 eine Person an Masern. Würde in der Schweiz überhaupt nicht gegen die Krankheit geimpft, käme es jedes Jahr zu schätzungsweise 70 000 Erkrankungen und 20 bis 30 Maserntodesfällen.

Zwei Impfungen für lebenslangen Schutz
Die Impfung bietet einen wirksamen, sicheren und kostengünstigen Schutz vor einer Maserninfektion. Das Bundesamt für Gesundheit empfiehlt die kombinierte Impfung gegen Masern, Röteln und Mumps (MMR) in zwei Dosen: die erste im Alter von 12 Monaten, die zweite zwischen 15 und 24 Monaten. Eine Nachholimpfung ist in jedem Alter möglich, und sie wird allen nichtimmunen Personen empfohlen, die 1964 oder später geboren wurden. Der Schutz währt bei den meisten vollständig geimpften Personen lebenslang.

Hochansteckend
Masern sind hochansteckend und verlaufen in der Regel in zwei Krankheitsphasen (siehe Grafik). Die erste Phase beginnt 7 bis 18 Tage nach der Ansteckung und äussert sich mit grippeartigen Symptomen wie Fieber, Müdigkeit, Schnupfen, Husten und einer Augenentzündung mit Lichtscheu. Der typische Hautausschlag folgt erst nach weiteren vier Tagen. Deshalb missdeuten viele Erkrankte die Vorsymptome als Grippe, treffen keine Vorsichtsmassnahmen und können deshalb viele ungeimpfte Menschen in ihrem Umfeld anstecken. In Gruppen mit tiefer Durchimpfung breiten sich Masern auf diese Weise rasch aus. Die Schweiz erlebte von 2006 bis 2009 eine Epidemie mit über 4400 gemeldeten Fällen und zahlreichen Spitaleinweisungen. Das waren mehr Masernkranke als in jedem anderen Land Europas. Mit der neuen Strategie will die Schweiz einen Beitrag zur bestmöglichen Gesundheit der in der Schweiz lebenden Bevölkerung leisten und trägt gleichzeitig zur Zielerreichung der WHO-Region Europa bei, bis 2015 masernfrei zu sein.

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Kontakt

Judith Hanhart,Direktionsbereich Öffentliche Gesundheit,judith.hanhart@bag.admin.ch

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