04.09.2017 CBD – ein noch wenig bekannter Wirkstoff von Cannabis

Wissen. Seit rund einem Jahr erleben CBD-haltige Produkte, allen voran THC-armes Cannabis mit hohen CBDWerten, einen regelrechten Boom. Während die einen CBD als Wundermittel sehen, weckt es bei anderen Befürchtungen. Aber was ist CBD überhaupt und wie kommt es, dass Cannabis legal in Umlauf kam? Vor welchen Herausforderungen steht die Prävention?

Foto: iStock/FatCamera

Bildstrecke CBD – ein noch wenig bekannter Wirkstoff von Cannabis

TODO CHRISTIAN

Foto: iStock/FatCamera

CBD steht für Cannabidiol und ist neben Tetrahydrocannabinol (THC) das am stärksten in Cannabis enthaltene Cannabinoid. Während THC für die berauschende Wirkung von Cannabis verantwortlich ist, hat CBD keine psychotrope Wirkung und wird entsprechend nicht durch das Betäubungsmittelgesetz erfasst. Die Medien sprechen vom «legalen Kiffen», wobei damit lediglich der Freizeitkonsum des Produktes angesprochen ist, ohne die übrigen möglichen Verwendungszwecke zu thematisieren.

​Schweizer Grenzwert für THC höher als in der EU

In der Schweiz ist Cannabis mit einem THC-Gehalt unter einem Prozent legal. Damit unterscheidet sich die rechtliche Situation in der Schweiz von derjenigen in den umliegenden Ländern. Dort liegt der Grenzwert bei 0,3 Prozent (in Italien bei 0,6 Prozent). Dies hat verschiedene Konsequenzen. Zum einen gilt es, dies beim Handel mit Nachbarländern zu beachten. Zum andern müssen sich Konsumierende darüber im Klaren sein, dass sie in der Schweiz legal erworbenes Cannabis nicht vorbehaltlos mit ins Ausland nehmen und dort konsumieren können. In beiden Fällen muss bei einem Grenzwert über 0,3 Prozent mit strafrechtlichen Folgen gerechnet werden.

Vorsicht im Strassenverkehr

Auch wenn CBD-Hanf nur geringe Mengen an THC enthält, kann dessen Konsum dazu führen, dass der zulässige Blut- Grenzwert für THC im Strassenverkehr (1,5 Mikrogramm pro Liter Blut) überschritten wird. Zwar scheint gemäss heutigem Erkenntnisstand der Einfluss von CBD auf die Fahrtüchtigkeit und Fahrfähigkeit äusserst gering, aber aufgrund des schwachen THC-Gehalts ist unklar, ob der Konsum zum Verlust der Fahrfähigkeit führt.

​Polizei und Behörden sind gefordert

THC-armes Cannabis stellt Vollzugsbehörden vor eine Reihe von Problemen. Da sich THC-armes Cannabis per Augenschein nicht von illegalem Cannabis unterscheiden lässt, sieht sich die Polizei mit Unsicherheiten bei der Verfolgung von Konsumierenden konfrontiert. Grundsätzlich wird auch THC-armes Cannabis sichergestellt und anschliessend im Labor getestet. Dies bedeutet zusätzlichen Aufwand und ist – wenn es sich tatsächlich um THC-armes Cannabis handelt – mit Kosten für den Steuerzahler verbunden, denn diese Tests zahlt die Allgemeinheit.

Auch für den Zoll bedeutet das relativ neue Produkt einen Zusatzaufwand. THC-armes Cannabis, welches als Tabakersatzprodukt in Umlauf gebracht wird, ist mit der Tabaksteuer belegt. Anders als beim Tabak, der keine andere Verwendung als das Tabakprodukt kennt, kann THC-armes Cannabis als Rohmaterial zu unterschiedlichen Produkten weiterverarbeitet werden und nicht alle Produkte unterliegen der Tabaksteuer. Trotz all der Probleme darf nicht vergessen werden, dass gerade dank diesen neuen Tabakersatzprodukten nicht zu unterschätzende Steuereinnahmen generiert werden.

Die Präventionsfachleute sind gefordert

Ähnlich wie bei der E-Zigarette, bei der nicht geklärt ist, ob sie auch ein Risikofaktor für den Einstieg ins Rauchen oder nur ein Mittel zur Schadensminderung bei aktuell Rauchenden darstellt, ist beim THC-armen Cannabis unklar, wie die Chancen und die Risiken aus Präventionssicht zu gewichten sind. Einerseits könnte THC-armes Cannabis zur Schadensminderung bei problematisch Cannabiskonsumierenden oder bei Rauchenden zur Nikotinentwöhnung eingesetzt werden, andererseits besteht die Gefahr, dass der illegale Cannabiskonsum durch diese legale Variante eine gewisse Normalisierung erfährt oder gar Jugendliche wegen CBD mit dem Cannabiskonsum beginnen.

Es braucht zusätzliche Forschung

Viele wissenschaftliche Studien schliessen mit der Feststellung: «Further research is required», und dies triff auf CBD ebenfalls zu. Wie gross ist das Potenzial von CBD für therapeutische Anwendungen? Welches sind die Chancen und Risiken von THC-armem Cannabis für die Prävention? Und nicht zuletzt gilt es, Fragen des Vollzugs und der Rolle dieser neuen Produkte in der Diskussion rund um die Regulierung von Cannabis zu diskutieren.

Kontakt

Marc Marthaler, Sektion Wissenschaftliche Grundlagen,

Nach oben