28.03.2019 Dampfen reizt Schülerinnen und Schüler

Umfrage. Alle vier Jahre befragt Sucht Schweiz 11-15-jährige Schülerinnen und Schüler, ob und wie sie Alkohol, Tabak und andere psychoaktive Substanzen konsumieren. Die Zahlen von 2018 zeigen: Der Konsum hat sich in den letzten vier Jahren kaum verändert. Erstmals haben die Befragten auch angegeben, ob sie neue Produkte wie E-Zigaretten nutzen.

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TODO CHRISTIAN

Gleichbleibende Konsumzahlen sind gleichzeitig erfreulich und doch bedenklich. Erfreulich, weil vor vier Jahren so wenig Schülerinnen und Schüler Alkohol tranken und Zigaretten rauchten wie noch nie seit Beginn der Befragung. Bedenklich, weil die psychoaktiven Substanzen, die sie konsumieren, gar nicht in ihre Hände gelangen dürften. Jugendliche in diesem Alter sollten die psychoaktiven Substanzen nicht konsumieren, denn im Wachstum ist das Gehirn besonders anfällig für Schäden durch Substanzkonsum. 
Die vergleichsweise tiefen Zahlen deuten darauf hin, dass sich Präventionsarbeit lohnt. Jugendliche haben das Recht auf besonderen Schutz, daher darf die Präventionsarbeit nicht nachlassen.

Alkohol: Rauschtrinken ist bei 15-Jährigen verbreitet
Nach wie vor hat sich etwa ein Viertel der 15-Jährigen im Monat vor der Befragung in einen Rausch getrunken. Unter den 15-jährigen Jungs trinken 11 Prozent mindestens wöchentlich, unter den Mädchen sind es knapp vier Prozent.

Der Alkoholkonsum ist unter Schülerinnen und Schüler nach wie vor verbreitet, viele unter ihnen machen früh Erfahrungen mit Rausch. Testkäufe zeigen, dass sich knapp ein Drittel der Verkaufsstellen nicht an das Abgabeverbot hält. Alkohol dürfte auch nicht weitergegeben werden: 2018 haben diesen allerdings 80% der 15-Jährigen, die im Monat vor der Befragung Alkohol tranken, von bekannten Drittpersonen erhalten.

E-Zigaretten: Dampfen reizt Schülerinnen und Schüler
Die Hälfte der 15-jährigen Jungen und etwas mehr als ein Drittel der gleichaltrigen Mädchen haben mindestens einmal eine E-Zigarette ausprobiert. Im gleichen Alter haben 35 Prozent der Jungen und 30 Prozent der Mädchen schon herkömmliche Zigarette geraucht. Die Zahlen zeigen: Schülerinnen und Schüler versuchen eher E-Zigaretten als herkömmliche Zigaretten. Diese Zahlen wurden erhoben, bevor nikotinhaltige E-Zigaretten wie Juul, die ihre Werbung in anderen Ländern gezielt an Jugendliche richteten, auf den Schweizer Markt kamen. Gut möglich, dass die Konsumzahlen bei einem späteren Befragungszeitpunkt höher ausgefallen wären.

Die E-Zigarette ist daher nicht allein ein Produkt, das Raucherinnen und Raucher interessiert, die mit Rauchen aufhören möchten. Sie reizt auch junge Menschen, die noch nie mit Zigaretten in Berührung gekommen sind. Das viel diskutierte Entwöhnungsprodukt sehen viele Fachleute vermehrt als Einstiegsprodukt, das bei Jugendlichen eine Nikotinabhängigkeit fördert. Aktuell diskutiert das Parlament eine mögliche Schutzmassnahme: Der Bundesrat hat in seinem Entwurf zum Tabakproduktegesetz vorgeschlagen, dass E-Zigaretten zukünftig nicht mehr an Minderjährige abgegeben werden dürfen.

Der Anteil der Schülerinnen und Schüler, die mindestens gelegentlich herkömmliche Zigaretten rauchen, ist weiter gesunken. Knapp zehn Prozent der 15-jährigen Jungen und fast acht Prozent der gleichaltrigen Mädchen rauchten mindestens wöchentlich, fünf Prozent der 15-Jährigen rauchten täglich.

Trotz Verkaufsverbot in den meisten Kantonen kaufte sich 2018 knapp die Hälfte der 15-Jährigen, die im Monat vor der Befragung rauchten, die Zigaretten selber.

Trotz CBD-Hype kein Anstieg beim Cannabiskonsum
2018 haben 27 Prozent der 15-jährigen Jungs und 17 Prozent der gleichaltrigen Mädchen schon einmal Cannabis ausprobiert. Acht Prozent der Jungs und vier Prozent der Mädchen haben im letzten Monat vor der Befragung mindestens dreimal Cannabis konsumiert. An diesen Zahlen hat sich seit 2006 kaum etwas verändert.

Die grosse Mehrheit der Schülerinnen und Schüler hat noch nie neue, legale Cannabisprodukte (mit einem THC-Gehalt unter einem Prozent) konsumiert.

Früh erkennen, wer gefährdet ist
Eine kleine Gruppe unter den Schülerinnen und Schüler konsumiert bereits regelmässig psychoaktive Substanzen. Damit gefährden sie sich selbst. Sie riskieren eine Abhängigkeit und schaden ihrer Gesundheit. Hinschauen und handeln lohnt sich: Was können Lehrpersonen und andere Bezugspersonen tun, um gefährdete Schülerinnen und Schüler zu unterstützen, damit sie ihr Risikoverhalten ändern? Mit der Strategie Sucht stärkt das BAG zusammen mit seinen Partnern die Früherkennung und Frühintervention, beispielsweise mit Leitfäden und Broschüren.

Jugend stärken und schützen
Mit der Strategie Sucht verfolgt das BAG einen umfassenden Ansatz. Neben der Prävention des Substanzkonsums setzt das BAG auf stärkere Gesundheitskompetenz: Kinder und Jugendliche sollen dazu befähigt werden, Entscheidungen zu treffen, die sich positiv auf ihre Gesundheit auswirken. In dieser Absicht unterstützt das BAG die Stiftung éducation21, die geeignete Lehrmittel und Praxishilfen bereitstellt. Darüber hinaus engagiert es sich für ein gesundheitsförderndes Klima in den Schulen: Schulen, die sich dem Schulnetz21 anschliessen, setzen sich für förderliche Rahmenbedingungen und die Gesundheit ihrer Schülerinnen und Schüler ein.

Zentral bleibt jedoch der gesetzlich verankerte Jugendschutz: Erwachsene und ältere Jugendliche dürfen den Schülerinnen und Schülern in diesem Alter keinen Alkohol verkaufen oder abgeben. In den meisten Kantonen gilt das auch für Tabak.

Die Schülerstudie HBSC

Für die internationale Schülerstudie HBSC (Health Behaviour in School-aged Children) befragt Sucht Schweiz alle vier Jahre 11- bis 15-jährige Schülerinnen und Schüler zu ihrem Gesundheitsverhalten und zum Substanzkonsum. Das BAG und die Kantone finanzieren die Studie. 2018 wurden 11'121 11-15-jährige Schülerinnen und Schüler aus allen Teilen der Schweiz befragt. Die internationalen Ergebnisse werden 2020 publiziert.

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Kontakt

Andrea Poffet,
Abteilung Prävention nichtübertragbarer Krankheiten, Sektion Wissenschaftliche Grundlagen

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