01.05.2014 Das erste Jahrzehnt einer wichtigen Drehscheibe der Tabakprävention

Zehn Jahre Tabakpräventionsfonds. Der Tabakpräventionsfonds, der am 1. April seinen 10. Geburtstag feierte, hat in den letzten zehn Jahren rund 250 Projekte mit insgesamt 146 Mio. Franken unterstützt und begleitet.

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Der 20. März 2003 war ein geschichtsträchtiger Tag für die Schweizer Tabakprävention: An einer parlamentarischen Einigungskonferenz wurde mit 15 gegen 9 Stimmen der Änderung des Tabaksteuergesetzes zugestimmt und somit der Tabakpräventionsfonds (TPF) geschaffen. Der Fonds kam auf Initiative der in der Tabakprävention tätigen NGO in den Gesetzesentwurf, da diese mehr Mittel für ihre umfassende Aufgabe benötigten, um die hohe Prävalenz (33%) des Tabakkonsums und somit die hohe gesellschaftliche Krankheitslast zu reduzieren.
Am 1. April 2004 hat die Fachstelle Tabakpräventionsfonds, damals aus zwei Mitarbeitenden bestehend, ihre Arbeit aufgenommen. Vorhanden waren die gesetzlichen Grundlagen, rund 10 Mio. Franken, einige Instrumente, ein Korb voller Ideen, eine grosse Erwartungshaltung und viele Fragen seitens der potenziellen Gesuchstellenden und auch des Parlaments. Bereits in den ersten neun Monaten hat die kleine, effiziente Organisation rund 60 Gesuche entgegengenommen und geprüft. Schon die Erfahrungen des ersten Jahres haben aber auch die Herausforderungen deutlich gemacht, die mit einer sich noch im Lernprozess befindenden Fachstelle verbunden waren, die über viele finanzielle Mittel verfügt. Das Team stand unter einem enormen Leistungsdruck und sah sich grossen Wogen gegenüber, bis hin zu parlamentarischen Vorstössen bei unliebsamen Entscheidungen über Finanzierungsgesuche. Dies führte dazu, dass nach wenigen Monaten eine Konsultativgruppe ins Leben gerufen wurde, die die Entscheide des Fonds in inhaltlicher, wissenschaftlicher und auch politischer Hinsicht breiter abstützen sollte. Später wurde dieses Gremium zu einer beratenden, ausserparlamentarischen Expertenkommission und erhielt somit eine gesetzliche Grundlage.

Der Gesundheits-Check
Im vierten Jahr wurde die Fachstelle einem umfassenden Gesundheits-Check unterzogen: Es fand eine externe Evaluation statt. Die damit verbundene Spannung und das Interesse an den Ergebnissen waren gross, waren doch alle Involvierten sehr daran interessiert zu erfahren, in welcher Verfassung sich die noch junge Fachstelle befand. Die Ergebnisse der externen Evaluation von 2007 zielten letztlich auf vier wesentliche Elemente: effiziente Funktionsweise mit klaren Prozessen, kleine Kinderkrankheiten, zu wenig Energie in Form personeller Ressourcen sowie Optimierungspotenzial hinsichtlich strategischer Grundlagen und Führung.
Der Bericht führte dazu, dass der Fachstelle mit 0,6 Arbeitsstellen etwas mehr Energie verschafft wurde. Diese erlaubte, den Kinderkrankheiten geringfügig begegnen zu können. Da jedoch kein unmittelbarer Handlungsbedarf bestand, sollten nach bundesrätlichem Willen die strategischen Fragen erst später im Zusammenhang mit dem Präventionsgesetz angegangen werden.

Der Kompass
Der TPF orientiert sich bei seiner Mittelvergabe am Nationalen Programm Tabak 2008–2016 (NPT) und richtet seine Mittelflüsse dahingehend aus, dass das Programm seine Wirkung bestmöglich entfalten kann. Letzteres setzt sich zum Ziel, in einem Zusammenspiel von Bund, Kantonen, NGO, und weiteren Akteuren der Tabakprävention die Anzahl tabakbedingter Todes- und Krankheitsfälle in der Schweiz zu reduzieren. Bei der Erreichung dieses Ziels ist der TPF in der Rolle des Dienstleisters und Ermöglichers: Er finanziert und initiiert wirkungsvolle Projekte der Tabakpräven­tion, stellt die gemachten Erfahrungen zur Verfügung und bietet vielfältige Unterstützungs- und Beratungsdienstleistungen bei der Erarbeitung von Projekten und kantonalen Programmen sowie bei Evaluationen an. Da die Aufgaben und Zuständigkeiten der Fachstelle stetig zugenommen haben, ist sie auch personell gewachsen und verfügt derzeit über 4,6 Arbeitsstellen.

Die Wirkung
Seit dem Jahr 2003 sind Abgaben von insgesamt rund 165 Mio. Franken in den Fonds geflossen. Dabei waren die jährlichen Einnahmen kontinuierlich rückläufig und liegen heute bei rund
14 Mio. Franken. Dieser Rückgang erklärt sich mit dem sinkenden Tabakkonsum in der Schweiz und darf als Hinweis für den wirkungsvollen Einsatz der Fondsmittel gewertet werden.
Bereits mit der Einrichtung des TPF im Jahr 2004 verschob sich der Fokus von der schlichten Sicherstellung von Tabakpräventionsaktivitäten zur verstärkten Bedarfs- und Zielorientierung der finanzierten Projekte. Diese Entwicklung wurde ab 2009 durch eine konsequente Wirkungsorientierung ergänzt. Im Rahmen ihres Wirkungsmanagements hat die Fachstelle die Kriterien der Mittelvergabe präzisiert und Instrumente zur wirkungsorientierten Projekt- und Programmplanung zur Verfügung gestellt. Die Akteure der Tabakprävention werden mit einem Weiterbildungs- und Beratungsangebot bei der Projektkonzeption und Projektführung unterstützt. In Zukunft will die Fachstelle den Mittel­einsatz noch gezielter steuern. Sie wird die Projektergebnisse und -erfahrungen systematischer auswerten sowie den Erfahrungsaustausch und die Koordination unter den Akteuren fördern.

Die Zukunft
Nachdem im Herbst 2012 das Präventionsgesetz in den eidgenössischen Räten gescheitert ist, erhielt die Fachstelle TPF den Auftrag, sich mit ihrer Zukunft in strategischer und operativer Hinsicht auseinanderzusetzen. Daraus entstand im Jahr 2013 ein von einem Unternehmensberater verfasster Grundlagenbericht. Damit liegt eine Auslegeordnung vor, die auf der Basis einer breit abgestützten Analyse transparente Informationen über die Stärken und Schwächen des TPF vermittelt. Diese Auslegeordnung dient einerseits als Basis für die nationale Strategieentwicklung für die nicht übertragbaren Krankheiten (NCD-Strategie) im Bereich Tabakkonsum und den damit verbundenen Erkrankungen, andererseits macht der Bericht Empfehlungen, in welchen Bereichen unmittelbar Optimierungen anzustreben sind, um mit den eingesetzten Steuermitteln eine noch höhere Wirkung zu erzielen. Die Umsetzungsarbeiten werden nach der Genehmigung durch das Generalsekretariat des Eidgenössischen Departements des Innern im Frühjahr 2014 an die Hand genommen.

Fazit
Der Tabakpräventionsfonds hat in den letzten zehn Jahren rund 250 Projekte mit insgesamt 146 Mio. Franken unterstützt und begleitet. Dieser Mittel­einsatz, das Festhalten an einer wirkungsorientierten Tabakprävention, die vielfältigen Interventionen seitens Bund, Kantonen und NGO auf den Ebenen der Verhaltens- sowie der strukturellen Prävention haben sich gelohnt, ist doch in dieser Zeit die Prävalenz des Tabakkonsums von 33% auf 25% gesunken.
Dennoch muss kritisch angemerkt werden, dass zwei der drei Oberziele des Nationalen Programms Tabak noch nicht erreicht wurden. So gelang es nicht, den Anteil der rauchenden Erwachsenen auf die angestrebten 23% zu senken, und auch eine Prävalenz von unter 20% bei den Jugendlichen wurde bislang verfehlt. Die Mis­sion, die tabakbedingten Todes- und Krankheitsfälle in der Schweiz zu reduzieren, kann aber nur erfüllt werden, wenn die Anzahl Rauchender weiter sinkt. Dazu braucht es einerseits politisch mitgetragene strukturelle Massnahmen, aber auch weitere in ihrer Wirksamkeit belegte verhaltenspräventive Massnahmen. Zu den letzteren wird der Fonds auch in Zukunft seine Rolle tatkräftig und engagiert wahrnehmen, indem er die erforderlichen Projekte ini­tiiert, finanziert und seinen aktiven Beitrag zur Weiterentwicklung der Tabakprävention leistet.

Wettbewerb motiviert zum Rauchstopp

Rauchstopp-Wettbewerb 2014. Viele Rauchende sehen im jährlich stattfindenden Wettbewerb eine Chance und machen einen ernsthaften Aufhörversuch. Die Evaluation gibt ihnen Recht.
Sechs Monate nach Ende des Wettbewerbs finden regelmässig repräsentative Befragungen unter den Teilnehmerinnen und Teilnehmern statt. Die Ergebnisse zeigen, dass zu diesem Zeitpunkt rund ein Drittel rauchfrei ist. Wer noch raucht, hat den Tabakkonsum deutlich reduziert.
Dieses Jahr dauert der Rauchstopp-Wettbewerb vom 2. bis 30. Juni. Zu gewinnen sind einmal 5000 und zehnmal 500 Franken in bar. Rauchende können sich online anmelden auf www.at-schweiz.ch (Deutsch, Französisch, Italienisch, Englisch und Türkisch) oder schriftlich mit der Wettbewerbskarte (Deutsch, Französisch, Italienisch, Englisch, Türkisch sowie Albanisch, Portugiesisch, Serbisch/Kroatisch/Bosnisch und Spanisch). Die Anmeldekarte ist telefonisch unter der Nummer 031 599 10 20 oder online zu bestellen.
Der Rauchstopp-Wettbewerb ist ein Projekt des Nationalen Rauchstopp-Programms. Trägerorganisationen sind die Krebsliga Schweiz, die Schweizerische Herzstiftung und die Arbeitsgemeinschaft Tabakprävention. Das Programm wird durch den Tabakpräventionsfonds finanziert.

Kontakt: Arbeitsgemeinschaft Tabakprävention Schweiz, info@at­schweiz.ch

Link: www.at­schweiz.ch

Links

Kontakt

Peter Blatter, Leiter der Fachstelle Tabakpräventionsfonds, peter.blatter@bag.admin.ch

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