30.06.2017 Demenzkranke Menschen betreuen heisst, rund um die Uhr da zu sein

Nationale Demenzstrategie. Eine Demenz verläuft in verschiedenen Stadien und immer sehr individuell. Der Verlauf dieser unheilbaren Krankheit ist nicht vorhersagbar und die zunehmend kognitiven Fehlleistungen, Persönlichkeitssowie Verhaltensänderungen der erkrankten Person können zu Unverständnis und Vorwürfen der Umwelt führen. Demenzerkrankungen verändern soziale Rollen und Beziehungen in der Familie und im sozialen Umfeld. Dieses nimmt Angehörige von Menschen mit einer Demenzerkrankung vermehrt nur noch in deren neuen Rolle als betreuende Angehörige wahr und kaum noch als eigenständige Menschen mit individuellen Wünschen und Bedürfnissen. (1)

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In der Schweiz lebt gut die Hälfte der Menschen mit Demenz zu Hause. Sie werden in zwei Dritteln der Fälle von Ehepartnerinnen und -partnern begleitet. Zu einem Viertel übernehmen Töchter und Söhne die Aufgabe, ihre demenzkranken Eltern zu betreuen.

Angehörige von Menschen mit Demenz sind ausgewiesene Fachpersonen der Betreuung

Betreuung bei Demenz bedeutet, rund um die Uhr da zu sein, zeitliche und räumliche Orientierung und Sicherheit im Alltag zu gewährleisten und die an Demenz erkrankten Menschen vor Vereinsamung zu schützen. In einem fortgeumgesetzt werden, wenn die Angehörigen von schwer kranken und sterbenden Menschen bereit sind, dies zu ermöglichen. Sie übernehmen einen grossen Teil der Betreuung und Begleitung, koordinieren und organisieren die Pflege zu Hause – und müssen sich zusätzlich mit dem nahenden Verlust eines geliebten Menschen auseinandersetzen. Die Begleitung eines Menschen in der letzten Lebensphase ist deshalb eine grosse Herausforderung. Oft gelangen diese pflegenden Angehörigen an die Grenzen ihrer psychischen und physischen Belastbarkeit. schrittenen Erkrankungsstadium kommen auch pflegerische Massnahmen hinzu (z.B. Unterstützung bei der Körperpflege). Betreuung bei Demenz ist eine sehr herausfordernde Aufgabe und verlangt von den Angehörigen u.a. viel Einfühlungsvermögen, eine hohe Belastbarkeit, aber auch ausgewiesenes Fachwissen zu Demenz. Diese Kompetenzen sollten vom sozialen Umfeld und insbesondere auch von Fachpersonen der Medizin und Pflege vermehrt als Ressourcen wahrgenommen und genutzt werden. Gespräche mit Angehörigen demenzkranker Menschen zeigen jedoch, dass sie aus dem Umfeld anstelle von Wertschätzung eher Mitleid und ungeschickt kommunizierte Ratschläge erfahren. Selten erleben sie Mitgefühl und können sich mit verständnisvollen Gesprächspartnern austauschen. (2)

Bedürfnisorientierte und flexible Angebote für die Organisation im Alltag bieten Entlastung

Angehörige von Menschen mit Demenz müssen ihren Alltag neu gestalten und sich Raum schaffen für eigene Bedürfnisse. Dadurch können sie sich vor Erschöpfung schützen und auch familiäre Beziehungen aufrechterhalten. Entlastung in der Organisation im Alltag, (3) sei es durch Personen aus dem Freundeskreis, der Nachbarschaft oder aus dem Bereich der Freiwilligenarbeit, kann unterstützend wirken. Auch Angebote der Spitex (öffentlich- rechtlich wie privat), Tages- und Nachtbetreuungsstrukturen sowie private Betreuungsanbieter können dazu dienen, eine stabile Betreuungs- und Pflegesituation zu Hause zu garantieren. Damit Entlastungsangebote in Anspruch genommen werden, sollten sie den Bedürfnissen der Angehörigen entsprechen (z.B. Flexibilität) und finanziell tragbar sein. Entsprechende Arbeiten laufen im Rahmen der Nationalen Demenzstrategie 2014−2019. Weitere Kenntnisse zu konkreten Bedürfnissen von Angehörigen in Betreuung und Pflege, aber auch zu Modellen «guter Praxis», werden im Rahmen des Förderprogramms «Unterstützungs- und Entlastungsangebote für pflegende Angehörige 2017−2020» erhoben.

(1) Bopp-Kistler, Irene (Hg). (2016). Demenz. Fakten, Geschichten, Perspektiven. Verlag: rüffer&rub, Zürich, S. 149

(2) Ebd.

(3) Alzheimer Schweiz (2012). Angehörigenbefragung 2012 (von Menschen mit Demenz zu Hause). Zugriff 17.3.2017, http://www.alz.ch/index.php/pflege-und-betreuung.html

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Kontakt

Verena Hanselmann Studer, Sektion Nationale Gesundheitspolitik, verena.hanselmann@bag.admin.ch

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