01.03.2011 Der Tabakpräventionsfonds unterstützt wirksame Prävention

Wirkungsmanagement. Seit 2004 können aus dem Tabakpräventions­fonds (TPF) auf Gesuchsbasis Massnahmen der Tabakprävention finanziert werden. Eine dem Bundesamt für Gesundheit angegliederte Fachstelle führt diesen Fonds, der durch eine Sonderabgabe von 2,6 Rappen pro verkaufte Zigarettenpackung gespeist wird. Das sind derzeit rund 16 Millionen Franken pro Jahr. Mit einem Wirkungsmanagement-System will der Fonds die Wirksamkeit der finanzierten Projekte aktiver fördern.

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TODO CHRISTIAN

Der Zweckartikel der TPF-Verordnung sieht vor, dass der Fonds Präventionsmassnahmen finanziert, die effizient und nachhaltig zur Verminderung des Tabakkonsums beitragen. Der TPF steht vor der Herausforderung, im Einklang mit der Strategie des Nationalen Programms Tabak 2008–2012 diejenigen Präventionsmassnahmen zu finanzieren, die diesem Anspruch gerecht werden.
Auf der Grundlage einer externen Evaluation hat der TPF vom Bundesrat den Auftrag erhalten, die notwendigen Prozesse und Instrumente zu entwickeln und umzusetzen, die es begünstigen, wirkungsorientierte Projekte zu entwickeln und deren Wirkung zu beurteilen. Von besonderer Bedeutung ist dabei, die projektspezifischen Erfahrungen und Erkenntnisse systematisch aufzuarbeiten und für die Beurteilung und die Konzeption künftiger Projekte zu nutzen.

Wirkungsorientierte Projekte planen
Die wirkungsorientierte Herangehensweise ist eine Herausforderung für Projektverantwortliche und Gesuchstellende. Sie sind aufgefordert, ihr Projekt von Beginn weg auf die beabsichtigte Wirkung auszurichten. Von Wirkung wird dann gesprochen, wenn das Projekt nicht nur Produkte oder Leistungen (z. B. Broschüren oder Kurse) produziert, sondern bei der Zielgruppe tatsächlich eine Wissens-, Einstellungs- oder Verhaltensänderung bewirkt hat. Wenn klar ist, welche Wirkungen ein Projekt anstrebt und welche Wirkungszusammenhänge es nutzen soll, können die Projektverantwortlichen realistische Ziele festlegen und das Vorhaben zu gegebener Zeit auf die beabsichtigten Wirkungen hin evaluieren.
Präventionsprojekte im komplexen sozialen Kontext haben viele – beabsichtigte und unbeabsichtigte – Wirkungen. Zusätzlich beeinflussen externe Faktoren die Intervention und ihre Wirkung. Deshalb können Projektverantwortliche für ihre konzeptionelle Arbeit nicht ausschliesslich auf wissenschaftliches Wissen zurückgreifen. Sie beschreiben vielmehr anhand eines detaillierten Wirkungsmodells, wie die geplanten Interventionen zu welchen Resultaten führen sollen und beziehen dabei auch Erfahrungen aus anderen Interventionen mit ein. Möglichst gute Kenntnisse über alle relevanten Wirkungszusammenhänge sind darum der Schlüssel zum Erfolg von Interventionen.
Der TPF stellt den Gesuchstellenden verschiedene Instrumente und Erläuterungen für eine wirkungsorientierte Projektkonzeption und für wirkungsfeststellende Evaluationen zur Verfügung. Mit kostenlosen Schulungs- und Beratungsangeboten unterstützt er sie zudem in der Phase der Projektentwicklung.

Wirkungszusammenhänge evaluieren
Bei ihrem Abschluss werden die Tabakpräventionsprojekte evaluiert. Durch diese Evaluation erhalten die Projektverantwortlichen wertvolle Informationen über den Erfolg ihrer Arbeiten. Um seine Fördertätigkeit beurteilen zu können, hat auch der TPF ein Interesse daran zu wissen, ob und wie die unterstützten Projekte gewirkt haben.
Bei explorativen, nicht standardisierten Interventionen in komplexen sozialen Zusammenhängen ist ein strenger Wirkungsnachweis (z. B. mit einem Kontrollgruppendesign) selten angebracht. Wirkungsorientierung ist somit nicht identisch mit einem kausalen Wirkungsnachweis. Im Rahmen des Schlussberichts reflektieren die Projektverantwortlichen ihre Zielerreichung und beurteilen dabei, in welchem Mass die umgesetzten Massnahmen wirken. Da ein detailliertes Wirkungsmodell vorliegt, das die angenommenen Wirkungszusammenhänge transparent macht, kann nicht nur plausibel angenommen werden, dass die Veränderungen mit dem Projekt zu tun haben. Vielmehr kann, darauf aufbauend, evaluiert und reflektiert werden, welche Argumente diese These stützen und welche nicht, welche Massnahme sich wofür bewährt hat und welche nicht, wo wissenschaftliche Evidenzen fehlen oder wo ein intensiverer Fachaustausch angezeigt ist.

Erfahrungen und Erkenntnisse aufarbeiten
Projektevaluationen haben demnach nicht nur den Zweck, die Zielerreichung zu beurteilen. Sie liefern auch Erkenntnisse zu Erfolgsfaktoren und Hindernissen für die weitere Präventionsarbeit. Diese Informationen dienen dem Fonds als Entscheidgrundlage für die Beurteilung von Gesuchen. Die Evaluationen und Wirkungsmessungen der abgeschlos­senen Projekte können so als Basis für die Ausrichtung und die Steuerung der Mittelverwendung herangezogen werden. Mittelfristig plant der TPF, auf dieser Grundlage auch Themen- oder Zielbereiche aktiv auszuschreiben.
Die Ergebnisse der Projektevaluationen und nach Bedarf in Auftrag gegebene Wirkungsstudien generieren Erkenntnisse über Wirkungen im Bereich Tabakprävention, die von allen Beteiligten genutzt werden können. Schon heute publiziert der TPF detaillierte Informationen zu den von ihm unterstützten Projekten in einer Datenbank und gibt den Gesuchstellenden individuelle Rückmeldungen. Zudem arbeitet die Fachstelle daran, die Erkenntnisse zu «Lessons Learned» und «Good Practices» der Tabakprävention aufzubereiten und zugänglich zu machen.
Auch die Projektverantwortlichen können auf diese Weise nicht nur von ihren eigenen Erfahrungen profitieren: Sie erhalten die Möglichkeit, auch fremde Projekterkenntnisse und -ergebnisse aktiv zu nutzen, um ihre Wirkung in bestehenden und neuen Kontexten zu optimieren. Solches Wissen ist mitunter die Grundlage für Folgeprojekte oder die Konzeption neuer Präventionsprojekte.

Wirkungszusammenhänge verstehen und voneinander lernen
Mit seinem Wirkungsmanagement schafft der TPF Grundlagen, um Informationen über Wirkungen und Nutzen der von ihm unterstützten Projekte zu generieren und zu systematisieren, um so wiederum mehr Wirkung und mehr Nutzen zu erzielen.
Der Fonds geht diesen Weg nicht nur wegen seiner Verpflichtung, seine Mittel möglichst effizient einzusetzen, sondern weil er überzeugt ist, dass auch in der Präventionsarbeit mehr Wirkung erzielt werden kann, wenn Wirkungszusammenhänge verstanden, Ziele realistisch geplant und Interventionen nutzbringend evaluiert werden.
Der TPF und die anderen Akteure der Tabakprävention haben ein gemeinsames Ziel: die Verminderung des Tabakkonsums. Damit steht die Wirksamkeit ihrer Vorhaben und Anstrengungen im Zentrum. Um diese zu steigern, setzt der TPF auf die Bereitschaft aller Akteure zur kritischen Reflexion, zum Teilen eigener Erfahrungen und zum Lernen aus den Erfahrungen anderer.

Links

Kontakt

Peter Blatter, Leiter Fachstelle Tabakpräventionsfonds, peter.blatter@bag.admin.ch

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