23.04.2015 Die entscheidende Frage beim Alkohol: Wie viel ist zu viel?

Nationale Alkoholpräventionskampagne 2015 – 2017. Die Kampagne des Bundesamts für Gesundheit rückt den problematischen Alkoholkonsum ins Bewusstsein und will die Partner der Alkoholprävention besser vernetzen. Im Jahr 2015 steht zum dritten Mal die Dialogwoche im Zentrum, sie läuft vom 30. April bis 9. Mai. Ausserdem sorgen klassische Werbemassnahmen für Aufmerksamkeit. Die Kampagne stellt die Frage nach dem «wie viel», liefert auf spielerische Weise nützliches Wissen über Risiken und Nebenwirkungen und ruft zur Reflexion über den eigenen Konsum auf. Denn zu viel Alkohol schädigt nicht nur die eigene Gesundheit, sondern hat auch negative Konsequenzen für das Umfeld.

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TODO CHRISTIAN

Viele Menschen in der Schweiz geniessen gerne Wein, Bier, Spirituosen und Cocktails. Sie tun dies bei Feiern und in gemütlichen Runden. Viele haben ihren Konsum im Griff. Doch es gibt auch Menschen, die trinken zu viel, zu oft oder zur falschen Zeit. Sie schaden damit ihrer Gesundheit oder gefährden andere auf der Strasse, im Fussballstadion, in der Familie.  

Dialogwoche als Auftakt und Herzstück

Herzstück der Kampagne ist die Dialogwoche Alkohol, die vom 30. April bis 9. Mai 2015 zum dritten Mal stattfindet. Im Rahmen dieser Woche organisieren eine Vielzahl von Akteuren der Alkoholprävention mehr als 200 Veranstaltungen, die sich an die breite Bevölkerung richten. Aktiv werden Suchtfachstellen, Polizei, Jugendarbeitende, Lehrkräfte, Kulturschaffende etc. in der ganzen Schweiz. Sie machen mit Theaterprojekten, Film- und Sportabenden, Diskussionsrunden auf öffentlichen Plätzen, mit Wettbewerben oder Medienarbeit auf das Thema Alkohol aufmerksam und fordern zum Nachdenken und Diskutieren über den eigenen Konsum auf. Neben der Dialogwoche sorgen einige klassische Werbemassnahmen (wie Web-Banner und Inserate) in mehreren Wellen für Aufmerksamkeit und leiten auf die Kampagnenwebsite www.alcohol-facts.ch, auf welcher über Wirkungen und Nebenwirkungen des Alkoholkonsums informiert wird. Ein spielerisches, animiertes Quiz stillt den grössten Wissensdurst und dient als Eingangsportal zu vertiefteren Informationen über die Wirkung und den Abbau von Alkohol, sowie über die Zusammenhänge zwischen Alkohol und gesundem Körpergewicht, Sport, Alter, Jugend etc.  

App: «After Party»

Um gezielt ein jüngeres Publikum für das Thema Alkohol und Verkehrssicherheit zu sensibilisieren, haben das BAG und die bfu - Beratungsstelle für Unfallverhütung eine Smartphone-Applikation entwickelt. Das kostenlose Spiel «After Party» für Smartphones und Tablets (www.game-afterparty.ch) vermittelt auf spielerische Art Mythen und Tatsachen zum Thema Alkohol und Verkehr. Der Spieler schlüpft in die Rolle des angetrunkenen Partygängers, der zu Fuss oder mit dem Fahrrad auf dem Weg nach Hause ist. Geschicklichkeit ist gefragt, denn die Steuerung wird mit steigendem Alkoholpegel erschwert. Belohnt wird, wer die Fragen richtig beantwortet und möglichst unversehrt nach Hause kommt.    

Weniger Alkoholmissbrauch, mehr Lebensqualität

Die gesamte Kampagne mit Dialogwoche steht neu unter dem Motto: «Wie viel ist zu viel?» Auf diese Frage gibt es keine allgemeingültige Antwort. Je nach Alter, Geschlecht, Situation und Umfeld kann eine andere Menge «zu viel» sein. Entsprechend unterschiedlich sind die Risiken, die mit dem Alkoholkonsum einhergehen. Die Grenze zwischen risikoarmem und übermässigem Konsum ist von Person zu Person verschieden. Daher muss sich jede und jeder diese Frage selber beantworten. Die Kampagne erinnert zudem daran, dass auch Dritte involviert sein können. Mein Alkoholkonsum kann also auch für meine Familie, für meine Sportkameraden oder meinen Arbeitgeber und die Kolllegen zu viel oder zur falschen Zeit sein. Die Kampagne gibt Anhaltspunkte, wie viel zu viel ist. Sie informiert über risikoarmen Konsum und über die Risiken, die mit Alkoholmissbrauch verbunden sind. Aufgrund dieser Informationen soll jede Person für sich entscheiden, wie viel für sie zu viel ist. Schliesslich gibt die Kampagne auch Hilfestellungen: sie sagt, wo ich bei Bedarf Hilfe kriege, und wie ich anderen helfen kann. So kann jeder für sich und für andere Verantwortung übernehmen. Die Gesellschaft trägt ebenfalls eine Verantwortung, denn es fällt jeder und jedem Einzelnen leichter, den individuellen Alkoholkonsum im Griff zu haben, wenn die sozialen, kulturellen, rechtlichen und ökonomischen Rahmenbedingungen stimmen. Beispielsweise ist der Jugendschutz ein zentrales gesellschaftliches Anliegen und es bedarf entsprechender Vorkehrungen, damit z.B. das Abgabealter 16/18 respektiert wird.  

Mass halten und gesund bleiben

Menschen reagieren unterschiedlich auf Alkohol und haben daher ein individuelles Risiko für alkoholbedingte Krankheiten und damit einhergehende Schädigungen. Erwiesen ist, dass übermässiger Alkoholkonsum die Entstehung einer ganze Reihe von Krankheiten begünstigt: Magen und Darm-Krankheiten dominieren bei Erwachsenen mittleren Alters, während Krebserkrankungen bei älteren Menschen häufig sind. Das Risiko für Krebs in Mund, Rachen, Speiseröhre und Brust steigt erheblich bei erhöhtem Alkoholkonsum. Schätzungen zufolge sind etwa 4% aller Brustkrebsfälle auf Alkoholkonsum zurückzuführen. Es empfiehlt sich, seinen Alkoholkonsum individuell anzupassen. Kinder unter 16 Jahren, werdende und stillende Mütter und Menschen am Steuer oder an der Arbeit sollten auf Alkohol gänzlich verzichten.  

Als allgemeiner Orientierungsrahmen für einen risikoarmen Konsum gilt folgendes:

· 1 bis maximal 2 Standardgläser pro Tag für eine gesunde, erwachsene Frau.

· 2 bis maximal 3 Standardgläser pro Tag für einen gesunden, erwachsenen Mann.

· An zwei Tagen pro Woche sollte ganz auf Alkohol verzichtet werden.  

Mit der Kampagne wollen das Bundesamt für Gesundheit und seine Partner zum Nachdenken über den eigenen Konsum anregen und Informationen über die Wirkung von Alkohol vermitteln. So kann jede und jeder für sich selber die Frage beantworten: «Wie viel ist für mich und für andere zu viel?»  

Kampagne unter dem Dach des Nationalen Programms Alkohol

Im Auftrag des Bundesrats ist das Bundesamt für Gesundheit (BAG) für die Umsetzung des Nationalen Programms Alkohol (NPA) zuständig.

Im NPA sind für die aktuelle Umsetzungsphase folgende drei Ziele formuliert:

· Ziel 1: Der Jugendschutz wird gestärkt und die Gesellschaft unterstützt Jugendschutzmassnahmen.

· Ziel 2: Die Gesellschaft wird für die Schädlichkeit des problematischen Konsums sensibilisiert.

· Ziel 3: Die Akteure der Alkoholprävention werden so unterstützt, dass sie einen optimalen Beitrag zur Senkung des problematischen Konsums leisten können.  

Als Beitrag zur Erreichung insbesondere der Ziele 2 und 3 hat das BAG eine partnerschaftlich organisierte Kampagne für die Jahre 2015 bis 2017 konzipiert. In deren Steuergruppe arbeiten das BAG gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern der Kantone, Sucht Schweiz, dem Fachverband Sucht, dem Groupement Romand d’Etudes des Addictions (GREA) und Ticino Addiction. Sie wird durch ein Patronat unterstützt, das aus 15 nationalen Organisationen besteht.

Die Kampagne kostet jährlich 650’000 Franken.

Links

Kontakt

Claudia Brunner, Projektleiterin Alkoholpräventionskampagne, claudia.brunner@bag.admin.ch

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