21.02.2019 Die gesundheitlichen Folgen des Klimawandels für die Bevölkerung reduzieren

Klima und Gesundheit. Der Klimawandel ist eine Realität und auf Basis von Klima­szenarien muss von einem weiteren Temperaturanstieg ausgegangen werden. Bereits heute sind in der Schweiz die Auswirkungen auf Mensch und Umwelt erkennbar.

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Seit Messbeginn im Jahr 1864 ist die Temperatur in der Schweiz um durchschnittlich 2 °C angestiegen. Weiss entspricht dem Temperaturmittel der Jahre 1961–1990 (Referenzwert). Je tiefer die Durchschnittstemperatur in einem Messjahr unter dem Referenzwert lag, desto blauer ist die Schweiz eingefärbt. Je mehr die Durchschnittstemperatur in einem Jahr den Referenzwert überstieg, umso röter.

Eine Analyse des Bundesamts für Umwelt (BAFU) zu den klimabedingten Risiken und Chancen zeigt, dass neben einigen positiven Effekten – etwa für den Sommertourismus – die negativen Auswirkungen des Klimawandels deutlich überwiegen. Prioritäre Risiken für die Schweiz sind die grössere Hitzebe­lastung, die zunehmende Trockenheit, die steigende Schneefallgrenze, das steigende Hochwasserrisiko, der Gletscherrückzug, das Auftauen des Permafrosts, die Veränderung der Biodiversität, die Verbreitung von Schadorganismen und gebietsfremden Arten. Die Folgen für Umwelt, Wirtschaft, Mensch und Tier sind vielfältig.

Der Klimawandel macht krank
Vor allem die zunehmende Hitzebelastung birgt Risiken für die Gesundheit der Bevölkerung. Hohe Temperaturen beeinträchtigen die Leistungsfähigkeit am Arbeitsplatz und generell das Wohlbefinden. Studien des Schweizerischen Tropen- und Public Health-Instituts zeigen, dass während heissen Tagen die Anzahl Notfall-Spitaleintritte und Todesfälle zunimmt. Aufgrund der Extremtemperaturen in den Hitzesommern 2003 und 2015 wurden schweizweit 6,9 Prozent bzw. 5,4 Prozent mehr Todesfälle beobachtet als erwartet (vor allem Personen über 75 Jahren waren betroffen). Ob dies auch für den Hitzesommer 2018 gilt – oder ob Präventionsbemühungen schon gegriffen haben –, werden entsprechende Datenauswertungen zeigen.

Neben Extremtemperaturen haben auch höhere Durchschnittstemperaturen, wärmere Winter und die zunehmende Sommertrockenheit Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit: So nimmt die sommerliche Ozonbelastung zu, die Überlebensbedingungen für Schadorganismen (z. B. Zecken oder Mücken) werden begünstigt und die verlängerte Pollensaison belastet Allergiker.

Handlungsbedarf besteht in vielen Sektoren
Wie lassen sich die gesundheitlichen Folgen des Klimawandels reduzieren? Im Vordergrund steht die Reduktion der Treibhausgasemissionen. Mit der Ratifikation des Klimaübereinkommens von Paris hat sich die Schweiz dazu verpflichtet, die Treibhausgasemissionen bis 2030 gegenüber 1990 um 50 Prozent zu senken. Weil die Erderwärmung aber auch bei grössten Anstrengungen im besten Fall auf 1,5 °C begrenzt werden kann, ist bereits heute eine adäquate Anpassungsstrategie nötig. Im März 2012 hat der Bundesrat die Ziele und Handlungsfelder seiner Strategie zur Anpassung an den Klimawandel verabschiedet. Die Strategie setzt den Rahmen für das koordinierte Vorgehen der Bundesämter. Im entsprechenden Aktionsplan (2014–2019) sind 63 Anpassungsmassnahmen der Bundesämter zusammengefasst. Sie betreffen die Sektoren Wasserwirtschaft, Naturgefahren, Landwirtschaft, Waldwirtschaft, Energie, Tourismus, Biodiversitätsmanagement, Raum­entwicklung und Gesundheit.

Der Sektor Gesundheit ist auf Zusammenarbeit angewiesen Anpassungsmassnahmen im Sektor Gesundheit fokussieren auf den Schutz der Bevölkerung vor Hitzewellen, die Überwachung und Früherkennung von vektorübertragenden Infektionskrankheiten (FSME, Borreliosen etc.) sowie die Überwachung von potenziell krankheitsübertragenden, gebietsfremden Stechmückenarten. Die Umsetzung der Massnahmen liegt nur zum Teil in der Zuständigkeit des BAG. Das BAG erarbeitet Informationsmaterialien zum Schutz bei Hitzewellen für Bevölkerung, Fachpersonen und Behörden. Zudem überwacht das Amt vektorübertragene Infektionskrankheiten. Hingegen ist das BAFU für das Monitoring potenziell krank­heitsübertragender, gebietsfremder Stechmückenarten zuständig (z. B. die asiatische Tigermücke als potenzielle Überträgerin des Dengue-, Chikungunya- oder Zikavirus).

Um die Gesundheit der Bevölkerung zu schützen, braucht es die Zusammenarbeit der Bundesämter. Die Koordination der Aktivitäten erfolgt im interdepartementalen Ausschuss IDA Klima. Das National Centre for Climate Services (www.nccs.ch) koordiniert im Auftrag des Bundes die Erarbeitung von Wissensgrundlagen.

Quellen:
Klimabedingte Risiken und Chancen. Eine schweizweite Synthese. BAFU 2017
Anpassung an den Klimawandel in der Schweiz. Aktionsplan. BAFU 2014

​Hitzebedingte Krankheits- und Todesfälle vermeiden

Das BAG hat bereits nach dem Hitzesommer 2003 gemeinsam mit dem BAFU eine Informa­tionskampagne zum Verhalten bei Hitze ent­wickelt. Flyer und Poster wurden erarbeitet, die auf die Gefahr von Hitzewellen aufmerksam machen. Diese wurden 2016 überarbeitet.

Das Schweizerische Tropen- und Public Health-Institut (Swiss TPH) hat im Auftrag des BAG eine «Toolbox» entwickelt, welche die Kantonsbehörden beim Umgang mit Hitzewellen unterstützen soll. Neben Massnahmen zur Sensibilisierung der Bevölkerung für hitzebedingte Gesund­heitseffekte und Schulungen für Akteure des Gesundheitssystems ist das Management der Hitzeereignisse durch die kantonalen Gesundheitsdienste wichtig. Langfristig notwendig sind zudem Massnahmen zur Reduktion von städtischen Hitzeinseln und energieeffiziente Gebäudekühlung. Raumplanung und Architektur leisten daher zentrale Beiträge zum Schutz der Gesundheit bei zunehmender Hitzebelastung.

Kontakt

Esther Walter, Sektion Nationale Gesundheitspolitik,

Martina Ragettli, Abteilung Umwelt und Gesundheit, Schweizerisches Tropen- und Public Health-Institut,

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