14.12.2018 Die Kundschaft bewegen und davon profitieren

actionsanté-Bewegungstagung 2018. 60 Prozent der Faktoren, die auf unsere Gesundheit einwirken, liegen ausserhalb des Gesundheitswesens, zum Beispiel in der Wirtschaft. Damit kommt auch Unternehmen in der Gestaltung eines gesundheitsfördernden und bewegungsfreundlichen Umfelds eine zentrale Rolle zu. Die diesjährige actionsanté-Bewegungstagung widmete sich deshalb der Frage, was Firmen dazu beitragen können, dass sich die Bevölkerung mehr bewegt und wieso sich diese Massnahmen lohnen.

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TODO CHRISTIAN

Alex Kunze während eines Vortrags.

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Hanspeter Stamm

Wandern in den Bergen, Spazieren mit dem Hund oder Jäten im Garten - Bewegung macht nicht nur Spass, sie ist auch gesund. Nebst einer ausgewogenen Ernährung, einem moderaten Alkoholkonsum oder dem Verzicht auf Tabak ist Bewegung ein Schutzfaktor, der die körperliche und psychische Gesundheit positiv beeinflusst, das Risiko vermindert, chronische Erkrankungen zu erleiden, das allgemeine Wohlbefinden stärkt und soziale Kontakte begünstigt.

Bewegungsförderung ist eine gemeinsame Aufgabe verschiedener Akteure

Wer sich regelmässig bewegt und damit dem zunehmend sitzenden Lebensstil entgegenwirkt, der tut sich also etwas Gutes. Die Gestaltung eines bewegungsfreundlichen Umfelds ist eine der zentralen Massnahmen der Strategie zur Prävention nichtübertragbarer Krankheiten 2017-2024 (NCD-Strategie). Gleichzeitig werden 60 Prozent der Faktoren, die unsere Gesundheit beeinflussen, nicht durch die Gesundheits-, sondern unter anderem durch die Verkehrs-, Raumplanungs- und sogar die Sozial- und Bildungspolitik gesteuert. Auch der Wirtschaft kommt in diesem Kontext eine besonders wichtige Rolle zu: So können Unternehmen im Rahmen von nachhaltiger Betriebsführung (Corporate Social Responsability CSR) nicht nur bewegungsfördernde Massnahmen für ihre Mitarbeitenden umsetzen. Mit ihren Produkten und Dienstleistungen haben sie ebenfalls Einfluss darauf, wieviel sich ihre Kunden bewegen. Somit haben sie die Möglichkeit, den Aspekt der Bewegungsfreundlichkeit bereits bei der Entwicklung - oder Weiterentwicklung - dieser Produkte oder Dienstleistungen zu berücksichtigen und so Verantwortung für die Gesundheit ihrer Kundschaft zu übernehmen.

Erste actionsanté-Bewegungstagung

Zum ersten Mal führte das Bundesamt für Gesundheit BAG Mitte November 2018 deshalb die actionsanté-Bewegungstagung unter dem Motto «Die Kundschaft bewegen und davon profitieren» durch. Die Tagung richtete sich dieses Jahr an Vertreterinnen und Vertreter von Sportartikelherstellern und Unternehmen des öffentlichen Verkehrs, deren Mitarbeitende regelmässigen und engen Kundenkontakt haben. So verfügen Sportartikelhersteller über das nötige Fachwissen, ihre Kundschaft beim Kauf von Sportequipment bedürfnisgerecht zu beraten, und sie erreichen bei ihrer Arbeit Menschen, die grundsätzlich Spass an der Bewegung haben, auch einmal etwas Neues ausprobieren wollen und dafür die richtige Ausrüstung benötigen. Unternehmen des öffentlichen Verkehrs wiederum können ihrer Kundschaft durch gezielte Massnahmen ein Mehr an Bewegung in ihrem Pendleralltag ermöglichen, beispielsweise, indem sie Gehzeiten zur nächsten Haltestelle anzeigen oder alternative Wegstrecken ausweisen, die eine kurze Etappe zu Fuss oder mit dem Velo beinhalten - ganz nach dem Motto: Jeder Schritt zählt! Diese Massnahmen sind ideal dafür, um die breite Bevölkerung zu erreichen, also auch diejenigen, welche sich noch nicht genügend bewegen.

Nach verschiedenen Referaten im Plenum diskutierten über 60 Teilnehmende im Rahmen der beiden Workshops «Öffentlicher Verkehr» und «Sportartikelhersteller, Sport und Outdoor» über Möglichkeiten, die Bevölkerung zu mehr Bewegung im Alltag zu ermuntern.

Die Initiative «actionsanté»

Die Initiative actionsanté dient der Förderung des Dialogs zwischen Unternehmen und dem Bund. Durch freiwillige Aktionsversprechen von Unternehmen zielt actionsanté darauf ab, die Rahmenbedingungen im Bereich Ernährung und Bewegung für alle in der Schweiz so zu verändern, dass die gesunde Wahl leichter fällt, ganz nach dem Motto «Make the healthy choice the easy choice». actionsanté wird vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) und dem Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) getragen. Sie ist Teil der Umsetzung der NCD-Strategie und der Schweizer Ernährungsstrategie.

Innovative Massnahmen und zukunftsträchtige Bewegungsmodelle

Für die Teilnehmenden des Workshops «Öffentlicher Verkehr» war klar, dass Transportunternehmen (TU) mit Apps, die Wegalternativen für die Kundschaft ausweisen, Verkehrsspitzen glätten könnten. Auch im Falle von Störungen könnte die Kundschaft von solchen Alternativen profitieren. Die Kundenzufriedenheit könnte durch Mulitmodalität, also die Kombination verschiedener Verkehrsmittel, die einen von A nach B bringen, positiv beeinflusst werden. Allerdings sollten dabei die spezifischen Bedürfnisse der Kunden berücksichtigt werden: Für die ältere Kundschaft seien beispielsweise genügend Sitzplätze und gute Halterungen im Bus wichtig, Vorschläge für Abkürzungen zu Fuss oder ähnliches dürften wiederum für jene Personen attraktiv sein, die eine primär sitzende Arbeit ausüben und/oder einen aktiven Lebenswandel haben. Als wichtig wurde erachtet, dass Vorschläge für kombinierte Wegstrecken, also zum Beispiel das Gehen einer Teiletappe zu Fuss und das Absolvieren des Rests mit dem Bus, für die Kundschaft einen freiwilligen Charakter hätten und die Wahl zwischen verschiedenen Handlungsoptionen jederzeit gewährleistet sei. Bestenfalls hätten die Kundinnen und Kunden die Möglichkeit, Einstellungen und Vorschläge zu personalisieren, was gerade bei Apps besonders einfach sei.

Im Workshop «Sportartikelhersteller, Sport und Outdoor» stellte die Swisscom ihr Mitarbeiteraktivierungsprogramm «Move» vor. Es handelt sich dabei um ein Peer-to-Peer-Modell von Mitarbeitenden für Mitarbeitende. Auf einer internen Plattform können Mitarbeitende Aktivitäten ausschreiben und Gleichgesinnte suchen. Die Swisscom prüft nun, die Plattform im Rahmen eines actionsanté-Aktionsversprechens für die Schweizer Bevölkerung zu öffnen und holte sich Feedbacks zu dieser Idee ein, welche bei den Teilnehmenden auf Interesse und Zustimmung stiess. Ebenfalls in diesem Workshop stellte die Montana Sport AG das Programm «I move me» der Sportartikelmarke Asics vor. Dieses will die körperliche Aktivität der Bevölkerung fördern. In der Schweiz engagiert sich Asics heute schon im Bewegungsbereich, beispielsweise zusammen mit dem Schweizerischen Turnverband. Zudem überlegt sich Asics Möglichkeiten, wie die Krankenversicherer in der Schweiz über die Zusatzversicherung nebst dem Erwerb von Fitnessabos auch den Kauf von Sportausrüstung finanziell unterstützen könnten. Dies liesse den Menschen mehr Möglichkeiten in der Wahl ihrer Bewegungsform und würde auch jene erreichen, die sich zwar gern bewegen, dies aber nicht zwingend in einem Fitnessstudio, sondern vielleicht im Wald oder in den Bergen tun wollten. Vom Standpunkt der Gesundheitsförderung wurde diese Massnahme deshalb als interessant eingeschätzt. Gleichzeitig machten die Teilnehmenden Zweifel geltend, wie sichergestellt werden könne, dass der vergünstigte Bezug einer Sportausrüstung tatsächlich zu mehr Bewegung führe. Es wurde deshalb darauf hingewiesen, dass die Massnahme nicht isoliert, sondern kombiniert mit existierenden Bewegungsangeboten umgesetzt werden müsse.

Bewegung als Teil der Corporate Social Responsability (CSR) von Schweizer Unternehmen

Wie sich das Bewegungsverhalten der Schweizer Bevölkerung in den vergangenen Jahren verändert hat, welchen Einfluss regelmässige Bewegung auf die Gesundheit hat, welche Faktoren das Bewegungsverhalten nachhaltig beeinflussen und was der Bund tun kann, damit sich die Menschen mehr bewegen, davon berichtete Hanspeter Stamm von der Firma Lamprecht & Stamm (siehe dazu das Interview). Alex Kunze vom Staatssekretariat für Wirtschaft (seco) berichtete darüber, welche Bereiche Corporate Social Respobility (CSR), also die nachhaltige Betriebsführung, in den Augen des Bundesrats abdeckt, welche Rolle sie für Unternehmen spielt und was es den Firmen bringt, die sich hier engagieren (siehe dazu das Interview mit Alex Kunze).

Als Fazit des Tages nahmen die Tagungsteilnehmenden mit, dass das Schaffen eines bewegungsfreundlichen Umfelds eine gemeinsame Aufgabe zwischen Staat und Wirtschaft ist. Unternehmen können sich mit ihren Produkten und Dienstleistungen an der Gestaltung eines bewegungsfreundlichen Umfeldes beteiligen und inbesonder dann profitieren, wenn sie dadurch auch Kundenbedürfnisse aufgreifen. Die Initiative «actionsanté» bietet Unternehmen und der Gesundheits- und Bewegungsförderung eine gemeinsame Plattform zur Bearbeitung dieser Themen und ein Instrument zur Ausgestaltung von Partnerschaften. 

«Regelmässige Bewegung erhöht die Lebenserwartung»

Drei Viertel der Schweizer Wohnbevölkerung ab 15 Jahren bewegen sich jede Woche mindestens zweieinhalb Stunden mit mindestens mittlerer Intensität und erfüllen damit die Mindestempfehlungen für gesundheitswirksame Bewegung. Ein Viertel jedoch bewegt sich nie oder nicht genügend. Was dagegen unternommen werden kann und wieso Sport lange Zeit als unweiblich galt, erläutert Dr. Hanspeter Stamm, Mitgründer und Geschäftsleiter von Lamprecht & Stamm, im nachfolgenden Interview im Nachgang an die actionsanté-Bewegungstagung 2018.

Wie körperlich fit ist die erwachsene Bevölkerung in der Schweiz?

Über den effektiven Fitnessstand der Bevölkerung gibt es keine verlässlichen Daten. Die Schweizerische Gesundheitsbefragung (SGB) 2017 des Bundesamts für Statistik (BFS) zeigt jedoch, dass gegenwärtig drei Viertel der Schweizer Wohnbevölkerung im Alter ab 15 Jahren die Mindestempfehlungen für gesundheitswirksame Bewegung erfüllen. Das heisst, sie bewegen sich jede Woche mindestens zweieinhalb Stunden mit mindestens mittlerer Intensität. Erfreulicherweise ist dieser Anteil seit dem Jahr 2002, als er noch knapp zwei Drittel betrug, deutlich angestiegen. Dies ist die gute Nachricht. Die weniger gute ist, dass sich 25 Prozent der Schweizer Wohnbevölkerung nach wie vor gar nie oder zu wenig bewegen. Dazu kommt ein zunehmend sitzender Lebensstil, der auch durch intensive Sporteinheiten nur bedingt kompensiert werden kann. Gerade für diese Menschen ist ein bewegungsfreundliches Umfeld enorm wichtig.

Oftmals heisst es, Kinder könnten heutzutage nicht einmal mehr einen Purzelbaum schlagen. Bestätigen Ihre Studien diese Beobachtungen?

So dramatisch dürfte es nicht sein. Einmal abgesehen davon, dass es schon vor vierzig Jahren Kinder gab, die den Purzelbaum nicht schafften, gibt es Hinweise darauf, dass sich viele unserer Kinder ausreichend bewegen. Kindern wird geraten, sich pro Tag mindestens eine Stunde zu bewegen – und unter den 6- bis 9-Jährigen ist dies gemäss der SOPHYA-Studie der Universität Basel des Jahres 2015 bei fast allen der Fall. Schön wäre es, wenn bewegte Kinder zu bewegten Erwachsenen würden, wenn sie sich also auch im Erwachsenenalter ausreichend bewegten.

Was «bringt» regelmässige Bewegung überhaupt?

Regelmässige Bewegung ist ein wichtiger Schutzfaktor gegen verschiedene nichtübertragbare Krankheiten – so zum Beispiel Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schlaganfälle, Adipositas, Diabetes, Depression und verschiedene Formen von Krebs. Zudem stärkt Bewegung den Bewegungsapparat und führt zu einem höheren psychischen Wohlbefinden. All das zusammen erhöht dann schliesslich auch die Lebenserwartung.

Welche Faktoren beeinflussen das Bewegungsverhalten am nachhaltigsten?

Diese Frage ist nicht einfach zu beantworten, weil sich die verschiedenen Faktoren, so zum Beispiel das Alter, der Bildungs- oder Migrationshintergrund oder der sozioökonomische Status, gegenseitig verstärken oder aufheben können. In der Schweiz galt Sport beispielsweise noch vor einigen Jahrzehnten als unweiblich und war in erster Linie eine Männerangelegenheit. Für viele ältere Frauen und Migrantinnen aus Ländern, wo das Sportengagement von Frauen beargwöhnt wird, waren intensive Bewegungsaktivitäten nie eine echte Handlungsoption und sind es zum Teil noch heute nicht. Solche kulturellen und psychischen Hemmnisse können durch weitere Faktoren verstärkt werden – etwa durch fehlendes Geld, um sich bequeme Schuhe zu kaufen, oder ein Wohnumfeld, das nicht zu Bewegung einlädt. Jedoch möchte ich an dieser Stelle auch festhalten, dass Bewegung nicht in jedem Fall mit Sport gleichzusetzen ist. Gerade hier können ein bewegungsfreundliches Umfeld, Pärke zum Spazieren oder Naherholungsgebiete, die Freude an der Bewegung stimulieren. Aber auch Unternehmen, die viel Kundenkontakt haben, können ihre Dienstleistungen und Produkte anpassen und vermehrt Bewegung berücksichtigen. Für Transportunternehmen lässt sich die Bewegungsförderung einfach in Apps integrieren, zum Beispiel, indem alternative Routen angezeigt werden.

Was kann der Bund tun, damit sich die Leute mehr bewegen?

Der Bund tut bereits sehr viel, indem er Forschungs- und Informationsaktivitäten sowie konkrete Projekte unterstützt. Zu erwähnen sind beispielsweise die Aktivitäten des Bundesamtes für Gesundheit BAG im Rahmen des neuen Monitoringsystems Sucht und nichtübertragbare Krankheiten (MonAM) oder von actionsanté. Das BAG engagiert sich zusammen mit weiteren Bundesämtern zudem in der Förderung der körperlich aktiven Mobilität und der Entwicklung eines bewegungsfreundlichen Wohn- und Arbeitsumfelds. Als Beispiele möchte ich die Modellvorhanden nachhaltige Raumentwicklung und die Aktivitäten der Koordinationsstelle für nachhaltige Mobilität KOMO nennen. Und nicht zu vergessen sind schliesslich die vielfältigen Aktivitäten des Bundesamts für Sport (BASPO) im Jugend- und Erwachsenensport. Aber selbstverständlich wäre es schön, wenn gerade für die Menschen, denen die Freude an der Bewegung nicht in die Wiege gelegt wurde, noch mehr getan werden könnte.

Zur Person
Dr. Hanspeter Stamm studierte Soziologie, Volkswirtschaftslehre und Wirtschaftsgeschichte an der Universität Zürich, war Assistent an der ETH Zürich und Oberassistent an der Universität Zürich. Er ist Mitgründer und Geschäftsleiter von Lamprecht und Stamm, Sozialforschung und Beratung AG. Die Firma bietet Dienstleistungen im Bereich der sozialwissenschaftlich orientierten Forschung an.   

«Zwischen nachhaltiger Betriebsführung und Bewegungsförderung gibt es zahlreiche Berührungspunkte»

Wenn sich Unternehmen im Bereich der Bewegungsförderung engagieren, so profitieren davon nicht nur die eigenen Mitarbeitenden, sondern auch die Kundinnen und Kunden. Wie ein solches Engagement in der Praxis aussehen kann und wieso sich Corporate Social Responsabilty (CSR), die nachhaltige Betriebsführung, für Unternehmen lohnt, dies erläutert Alex Kunze vom Staatssekretariat für Wirtschaft (seco) im Spectra-Interview.

«Corporate Social Responsability CSR» deckt, je nach Lesart, ein breites Spektrum von Bereichen und Themen ab. Was beinhaltet es für den Bundesrat?

Gemäss dem CSR-Positionspapier versteht der Bundesrat CSR als die Verantwortung der Unternehmen für die Auswirkungen ihrer Tätigkeit auf Gesellschaft und Umwelt. Zur CSR gehören unter anderem fortschrittliche Arbeitsbedingungen, die Einhaltung von Umweltstandards, die Achtung der Menschenrechte sowie der Verzicht auf Korruption und Täuschung der Konsumenten.

Wo verorten Sie die Bewegung(-sförderung) innerhalb des CSR?

Es gibt zahlreichte Berührungspunkte zwischen der Bewegungsförderung und CSR. Ein Unternehmen kann beispielsweise für seine Mitarbeitenden sichere Veloparkplätze mit Auflade-Stationen für Elektrofahrräder zur Verfügung stellen und dadurch Anreize für eine bewegungsfördernde Mobilität setzen. Das gleiche Ziel kann ein Unternehmen auch indirekt durch ein besonderes Dienstleistungsangebot wie zum Beispiel die Sharing-Plattform für Lastenvelos (Carvelo2go) erreichen. Mit Blick auf die Kundschaft von Unternehmungen sehe ich noch weitere interessante Möglichkeiten. So können Unternehmen Produkte und Dienstleistungen bewegungsfreundlich gestalten und so Verantwortung für die Gesundheit ihrer Kunden übernehmen, in dem sie den Aspekt der Bewegungsfreundlichkeit bereits bei der Entwicklung oder Weiterentwicklung dieser Produkte oder Dienstleistungen berücksichtigen. Prädestiniert sind hierbei beispielsweise Transportunternehmen, die Mobilitätsapps anbieten.

Insbesondere grössere Unternehmen sind heute in der Pflicht, sich mit Fragen des CSR auseinanderzusetzen. Wie sieht es mit kleineren Firmen aus, und halten sich hier Aufwand und Ertrag Ihrer Meinung nach die Waage?

Viele KMU in der Schweiz verhalten sich verantwortungsvoll, auch wenn sie sich dafür nicht auf internationale CSR-Standards abstützen oder ihr Handeln explizit als CSR benennen. Wenn Unternehmen in der Schweiz Arbeitsplätze schaffen und einen fairen Umgang mit den Arbeitnehmenden pflegen, zur Aus- und Weiterbildung beitragen, die Umwelt schonen, ihren steuerlichen Verpflichtungen nachkommen, von wettbewerbsbeschränkenden Praktiken absehen usw., dann entspricht dies verantwortungsvollem Handeln im Sinne von CSR. Die grössten Herausforderungen für KMU bestehen in der Bewirtschaftung von globalen Wertschöpfungsketten, was mit erheblichem Aufwand verbunden sein kann. Diese Problematik ist anerkannt und der Bund legt Wert darauf, dass Rahmendbedingungen nicht zu unverhältnissmässigen administrativen Belastungen und Kostenfolgen für KMU führen. Zudem unterstützt er KMU mit entsprechenden Instrumenten - wie zum Beispiel mit der Plattform «Kompass Nachhaltigkeit» -, soziale und ökologische Kriterien besser in ihre Beschaffungsprozesse zu integrieren (zum Beispiel mittels Merkblättern verschiedener Produktegruppen und Praxisbeispielen).

Was bringt es einem Unternehmen, sich im Bereich CSR zu engagieren?

Der Nutzen für Unternehmen ist vielschichtig. So können Unternehmen beispielsweise einen wirtschaftlichen Nutzen durch Einsparungen beim Energie- und Rohstoffverbrauch ziehen. Oder sie können durch ein durchdachtes und konsequent verfolgtes CSR-Management die Wettbewerbsfähigkeit positiv beeinflussen, da Kunden zunehmend auch CSR-Kriterien berücksichtigen und der Markt für Produkte und Dienstleistungen mit besonderen sozialen oder ökologischen Eigenschaften stetig wächst. Aber auch eine zunehmende Zahl von insbesondere jüngeren Mitarbeitenden achtet vermehrt darauf, für welche Werte ein Unternehmen (z.B. Integrität, Partnerschaftlichkeit) einsteht. Eine verantwortungsbewusste Verhaltensweise kann sich somit motivierend auf die Beleg- und die Kundschaft auswirken und die Reputation als verantwortungsvoller Arbeitgeber kann dadurch den Rekrutierungs- oder generell den wirtschaftlichen Erfolg verbessern.

Zur Person
Alex Kunze ist Senior Advisor für Corporate Social Responsability (CSR) und Mitarbeiter im nationalen Kontaktpunkt (NKP) für die OECD-Leitsätze für multinationale Unternehmen im Staatssekretariat für Wirtschaft (seco).

Links

Kontakt

Büro actionsanté Bundesamt für Gesundheit (BAG),
CH-3003 Bern, , www.actionsante.ch  

actionsanté, eine Initiative des BAG und des BLV.

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