06.08.2015 Die Zahl der Spital- und Pflegeheiminfektionen senken

Strategie NOSO. Geschätzte 70’000 Personen erkranken in Schweizer Spitälern jährlich an Infektionen, rund 2’000 Menschen sterben daran. Ende 2015 wird dazu in der Schweiz erstmals eine nationale Strategie vorliegen, die Strategie NOSO. Diese soll solche sogenannten nosokomialen Infektionen einheitlich überwachen, sie bekämpfen und die Verhütung verstärken.

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Spital- und Pflegeheiminfektionen betreffen insbesondere die Harn- und die Atemwege oder treten als Wundinfektionen und Blutvergiftungen auf. «Bis zu 50 Prozent der Fälle lassen sich mit Präventions- und Überwachungsmassnahmen verhindern», sagt NOSO-Projektleiterin Ulrike Schröder. Der Bund wolle die Bevölkerung deshalb stärker schützen, sprich: die Zahl der Infektionen und der damit verbundenen Langzeitfolgen und Todesfälle reduzieren. Zudem würden so auch die Gesundheitskosten durch nosokomiale Infektionen sinken; sie betragen derzeit schätzungsweise 230 Millionen Franken pro Jahr. Der Bund stützt sich bei der Strategie NOSO auf die gesundheitspolitischen Prioritäten des BundesratsGesundheit2020») sowie auf das revidierte Epidemiengesetz, welches Anfang 2016 in Kraft tritt.  

Viele Ansätze – fehlende Koordination

Gemäss einer IST-Analyse, die als Basis für die Strategieerarbeitung gemacht wurde, gibt es in der Schweiz bereits zahlreiche Massnahmen zur Eindämmung von Spital- und Pflegeheiminfektionen. Nach Schröders Aussage beschäftigt sich eine Vielzahl von Akteuren aus dem öffentlichen und privaten Sektor in unterschiedlichem Ausmass mit dem Thema. Bei der Ausbildung von Fachkräften sei das Bild ebenfalls uneinheitlich: «Zwar besteht ein strukturiertes Ausbildungsprogramm für Pflegefachkräfte, für Ärztinnen und Ärzte fehlt aber ein entsprechendes Angebot.» Richtlinien im Bereich Hygiene entstünden zumeist direkt in den einzelnen Institutionen, dies in Anlehnung an internationale und nationale Publikationen. «Eine nationale Plattform mit breitem, freiem Zugang zu Hygienerichtlinien existiert jedoch nicht.»  

Auch bei den in den einzelnen Spitälern und Pflegeheimen durchgeführten Programmen zur Überwachung, Verhütung und Bekämpfung von nosokomialen Infektionen zeigt sich in der Analyse ein breites Spektrum. Was bislang gefehlt hat, ist eine nationale Abstimmung der Massnahmen sowie eine bessere landesweite Überwachung der Situation. Dasselbe gilt für allgemein gültige Regelungen, etwa Minimalanforderungen bei der Hygiene in Gesundheitseinrichtungen. Zudem besteht Bedarf an Instrumenten zur Verhütung und zur flächendeckenden Kontrolle ihrer Umsetzung.  

Breit abgestütztes Vorgehen Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) arbeitet deshalb bis Ende 2015 an der ersten Gesamtstrategie. Diese soll die Voraussetzungen für ein schweizweit einheitliches, effizientes Vorgehen zur Überwachung, Verhütung und Bekämpfung von Spital- und Pflegeheiminfektionen schaffen. «Sie baut auf bestehende Strukturen und Massnahmen auf, klärt Verantwortlichkeiten und trägt dazu bei, die Verhütungs- und Bekämpfungsziele koordiniert zu erreichen», erläutert Ulrike Schröder. Bei der Strategieentwicklung beziehe das BAG die Kantone und alle weiteren betroffenen Kreise ein, namentlich Vertretungen der Spitäler, Pflegeheime, Ärzteschaft und des Pflegepersonals.  

Umsetzung ab 2016 In diesem Sinn haben von Juli 2014 bis März 2015 mehrere Workshops und Expertenrunden stattgefunden. Dabei sind der Handlungsbedarf definiert sowie die strategischen Ziele und die Schlüsselmassnahmen entwickelt worden. «Das Strategiepapier legt das Augenmerk auf vier Handlungsfelder», so Schröder: «Governance, Monitoring, Verhütung und Bekämpfung sowie Bildung und Forschung.» Anfang Juli 2015 sei der Entwurf zur Stellungnahme an die Kantone und alle weiteren betroffenen Kreise gegangen. «Ab Mitte September findet die Auswertung der Rückmeldungen statt.» Im Dezember 2015 werde der Bundesrat dann die Strategie NOSO beraten und freigeben, damit im kommenden Jahr die Umsetzung beginnen kann.  

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Kontakt

Ulrike Schröder, Projektleiterin Strategie NOSO, ulrike.schroeder@bag.admin.ch

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