20.04.2017 Ein gesunder Lebensstil zahlt sich aus

Leitartikel. Gesundheit ist ein hohes Gut. Dies wird uns dann besonders bewusst, wenn wir krank sind. Der Gesundheit Sorge zu tragen, ist eine Aufgabe, die uns ein Leben lang begleitet – denn Gesundheit ist nicht nur Schicksal. Sie hängt zu einem wesentlichen Teil vom eigenen Verhalten und von gesundheitsförderlichen Rahmenbedingungen ab. Genau hier haben die Nationalen Präventionsprogramme zu den Risikofaktoren Alkohol, Tabak, Ernährung und Bewegung sowie das Massnahmenpaket Drogen angesetzt. Das übergeordnete Ziel der Arbeit der vergangenen acht Jahre war es, die Lebensqualität des Einzelnen zu erhalten oder zu steigern. Diesem Ziel sind wir ein Stück näher gekommen, sodass wir heute sagen können: Wir sind auf einem guten Weg.

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TODO CHRISTIAN

Cartoon: Max Spring, www.maxspring.ch

Infografik

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Wenn ich gesund bin, habe ich tausend Wünsche, wenn ich krank bin, habe ich nur einen Wunsch! Diese Aussage zeigt, dass uns die Bedeutung der Gesundheit oft erst bewusst wird, wenn wir sie verloren haben. Das Gute ist, dass es Möglichkeiten gibt, die Gesundheit zu erhalten oder wieder zu verbessern. Das Zauberwort heisst Prävention.  

Die Verbesserung der Hygiene, das Verhindern von Mangelernährung, die besseren Wohn- und Arbeitsbedingungen sowie die Einführung der Impfungen waren wichtige Errungenschaften im letzten und vorletzten Jahrhundert und haben dazu beigetragen, die Gesundheit der Bevölkerung zu erhöhen und Krankheiten vorzubeugen. Heute stehen wir vor neuen Herausforderungen. Der moderne Lebensstil führt zwar zu vielen Annehmlichkeiten, ist aber auch mit neuen Problemstellungen verbunden: Stundenlanges Sitzen vor dem Computer hat die körperliche Arbeit abgelöst, wir verpflegen uns schnell unterwegs, suchen den grossen Kick in neuen Drogen. Jahrzehntelang wurde uns das Rauchen als Inbegriff der Freiheit vorgegaukelt. Alkohol ist rund um die Uhr, überall und günstig erhältlich und für mehr Bewegung müsste man sich einen Platz im ausgebuchten Terminkalender suchen.  

Prävention muss also im Alltag beginnen und sich diesen Herausforderungen stellen. Genauso, wie das Zähneputzen vor dem Zubettgehen heute eine Selbstverständlichkeit ist. Damit dies gelingen kann, braucht es Information, Unterstützung, günstige Rahmenbedingungen und einfache Rezepte. Hier haben die vier Präventionsprogramme angesetzt und versucht, einen Beitrag zu leisten.  

Massnahmenmix, gemeinsam mit zahlreichen Akteuren  

Der Bundesrat hat bereits vor Jahren erkannt, dass die Gesundheit der Bevölkerung durch ein koordiniertes Vorgehen der Akteure gefördert werden kann. Aus diesem Grund hat er beschlossen, neben dem bereits in den 90er-Jahren gestarteten Massnahmenpaket Drogen die Nationalen Programme Tabak, Alkohol, Ernährung und Bewegung aufzusetzen. Im Auftrag des Bundesrates legte das BAG die Stossrichtung der Programme fest und priorisierte Massnahmen. Partner aus verschiedenen Disziplinen wurden miteinbezogen und prägten mit ihrem Wissen und ihren Stärken im jeweiligen Fachgebiet die Programme. Dies waren insbesondere die Kantone, das Bundesamt für Sport (BASPO), das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV), die Eidgenössische Alkoholverwaltung (EAV), der Tabakpräventionsfond (TPF) und die drei eidgenössischen Kommissionen, die sich mit Prävention beschäftigen (Tabak, Alkohol, Drogen). Gemeinsam mit verschiedenen Fachverbänden und NGOs haben sie die Umsetzung der Programme mitgetragen und im Laufe der Jahre auch die Zusammenarbeit untereinander stetig intensiviert.    

Erfolgreiche Prävention beinhaltet eine ausgewogene Kombination aus verschiedenen Massnahmen und einen regelmässigen Austausch zwischen den Akteuren. Die Programme wurden darauf ausgerichtet, die Eigenverantwortung und die Gesundheitskompetenz des Individuums zu stärken. Durch Monitoring und Evaluation wurden die wissenschaftlichen Evidenzen, Konsumzahlen und Good-Practice-Aktivitäten erhoben. Die Bevölkerung wurde in Kampagnen über Risiken und Unterstützungsangebote informiert. Doch Wissen alleine reicht nicht aus: Es braucht auch gesundheitsförderliche Rahmenbedingungen. So führten beispielsweise der Bau eines sicheren Veloweges und attraktive Raumplanung dazu, dass sich mehr Menschen mit dem Velo oder zu Fuss statt mit dem Auto zur Arbeit begeben und dabei als erwünschten Nebeneffekt ihren Kreislauf in Schwung halten. Kantinen achten auf ein ausgewogenes Ernährungsangebot und Firmen bieten ihren Mitarbeitenden Sportkurse an. Lebensmittel mit geringerem Salz- oder Zuckergehalt gelangten dank freiwilligen Massnahmen der Wirtschaft auf den Markt. Auch gesetzliche Regulierungen wie das Gesetz zum Schutz vor Passivrauchen leisteten einen wichtigen Präventionsbeitrag.  

Prävention wirkt und lohnt sich  

Mit den Interventions- und Informationsangeboten, die im Rahmen der Programme erarbeitet wurden, konnte den Betroffenen aufgezeigt werden, wie sie mit einfachen Massnahmen im Alltag ihre körperliche und geistige Leistungsfähigkeit verbessern können. Auch wurden die Menschen dafür sensibilisiert, dass ein Rauchstopp und ein massvoller Alkoholkonsum ihr Wohlbefinden steigert und zu mehr Lebensqualität führt. Treppensteigen anstelle des Liftes, der tägliche Pausenapfel oder ausgewogenere Menüs in der Kantine sind kleine, alltägliche Beitr.ge an die Gesundheit und an das persönliche Wohlbefinden. Denn wer einen gesunden Lebensstil pflegt, bleibt länger gesund und kann das Leben mehr geniessen. Dies sind Vorteile für das Individuum, aber auch die Gesellschaft profitiert. Eine gesunde Person entlastet das solidarisch ausgestaltete Gesundheitssystem, da sie weniger Leistungen benötigt oder sie erst viel später beansprucht.  

Die Wirkung von Präventionsaktivitäten auf das Gesundheitssystem wird oft erst nach längerer Zeit sichtbar. Dennoch konnten in diesen acht Jahren verschiedene positive Trends beobachtet werden. Das Gesetz zum Schutz vor Passivrauchen erfüllt seinen Zweck: Der Anteil Menschen, welche dem schädlichen Tabakrauch ausgesetzt waren, reduzierte sich massiv. Dies führte innert kurzer Zeit zu einem Rückgang der Hospitalisierungen aufgrund von Herzinfarkten von rund 20 Prozent. Auch der risikoreiche Alkoholkonsum ging zurück, insbesondere bei den Jugendlichen. Die Zahl der Menschen, die sich regelmässig bewegen, ist den letzten Jahren gestiegen. Und der Anteil der übergewichtigen Jugendlichen hat sich nach jahrelangem Anstieg stabilisiert. Ausserdem möchte mehr als die Hälfte der Menschen, die rauchen, damit aufhören. Wir haben also dank den Nationalen Präventionsprogrammen Tabak, Alkohol und Ernährung und Bewegung in den letzten acht Jahren einiges erreicht. Dank dem Massnahmenpaket Drogen, welches auf der international als vorbildlich geltenden Schweizer Viersäulenpolitik basiert, steht den Betroffenen ein umfangreiches Hilfsangebot im Bereich der Prävention, der Therapie und der Schadensminderung zur Verfügung. Dies führte zu einem erheblichen Rückgang der Todesfälle und der Beschaffungskriminalität, zu einer besseren Gesundheit der Abhängigen und dem Verschwinden der offenen Drogenszenen. Prävention lohnt sich auch auf volkswirtschaftlicher Ebene. Jeder Franken, der in die Präventionsarbeit investiert wird, zahlt sich um ein Vielfaches aus. Hinzu kommen die Vorteile, die unbezahlbar sind und bleiben: die länger währende Gesundheit und die gewonnene Lebensqualität.

Die zunehmende Bedeutung der nichtübertragbaren Krankheiten

Die drei Programme und das Massnahmenpaket wurden erfolgreich abgeschlossen. Doch Lebensumstände ändern sich stetig. Es braucht daher eine kontinuierliche Anpassung der Strategien und Massnahmen. Ein Blick auf die Krankheiten, die in den Industrienationen am meisten verbreitet und weltweit auf dem Vormarsch sind, verdeutlicht noch einmal den Stellenwert der Aufgaben, die vor uns liegen.  

Rund zwei Drittel der Todesfälle gehen auf vier Krankheiten zurück: auf Krebs, Diabetes, Herz-Kreislauf- und Atemwegserkrankungen. Hinzu kommen Behandlungen wegen chronischer Erkrankungen des Bewegungsapparates und psychischer Leiden. Die Krankheiten werden in der Fachwelt unter dem Begriff nichtübertragbare Krankheiten zusammengefasst, auf Englisch non-communicable diseases, kurz: NCD. Diese Krankheiten verursachen 80 Prozent der heutigen Gesundheitskosten. Und da die Zahl älterer Menschen wächst und im Alter die Wahrscheinlichkeit, an chronischen Erkrankungen zu leiden, zunimmt, ist diese Tendenz steigend. Diese Krankheiten sind daher die grösste Herausforderung für unser Gesundheitswesen, nicht zuletzt auch wegen der beachtlichen Folgen im Bereich der Kosten. Im Zeitalter der steigenden Krankenkassenprämien ist das ein Befund, der uns nicht kaltlassen darf. Für den Bundesrat war mit dieser Ausgangslage klar, dass wir weitere Anstrengungen unternehmen müssen. In seiner Strategie Gesundheit2020 hat er daher unter anderem das Ziel gesetzt, die Gesundheitsförderung und Krankheitsvorbeugung zu intensivieren. Er sieht Massnahmen in den Bereichen nichtübertragbare Krankheiten, psychische Gesundheit und Sucht vor.  

Bund, Kantone, die Gesundheitsförderung Schweiz und viele Partner haben deshalb die Strategie zur Prävention nichtübertragbarer Krankheiten, die NCD-Strategie, erarbeitet. Mit der neuen Strategie sollen die Ressourcen von Bund, Kantonen und privaten Akteuren künftig noch gezielter eingesetzt, die Aktivitäten optimal koordiniert und auf gemeinsame Ziele ausgerichtet werden. In Ergänzung zur NCD-Strategie wurde die Strategie Sucht erarbeitet. Sie bildet einen übergreifenden Orientierungs- und Handlungsrahmen und beschreibt die Ausrichtung der schweizerischen Suchtpolitik für die kommenden Jahre. Mit der Nationalen Strategie Sucht reagieren wir auf den Umstand, dass viele Substanzen und Verhaltensweisen heute gleichzeitig auftreten und immer wieder neue Formen der Abhängigkeit hinzukommen. Dabei basiert sie auf dem Gleichgewicht zwischen Eigenverantwortung und Unterstützung für jene, die diese nötig haben. Beide Strategien schliessen an die vier Nationalen Programme an, die Ende 2016 ausgelaufen sind.  

Das grosse Potenzial der Nationalen Strategien liegt im Zusammenwirken der massgebenden Akteure. Bewährte Massnahmen führen wir auch in den neuen Strategien weiter. Wir wollen uns aber auch der in den vergangenen Jahren erkannten Defizite annehmen. Zum einen werden wir uns noch stärker auf die Praxis ausrichten und uns gezielter an gefährdete oder betroffene Bevölkerungsgruppen wenden. Denn auch in der Schweiz, die international ein vorbildliches Gesundheitssystem ausweist, entscheiden Herkunft, Bildung und sozialer Status noch immer zu häufig über das gesundheitliche Wohlergehen. Die Gesundheitsversorgung ist ein weiteres wichtiges Handlungsfeld der beiden Strategien. Menschen, die ein erhöhtes Erkrankungsrisiko aufweisen oder bereits erkrankt sind, sollen mit bedarfsgerechten Angeboten unterstützt werden, welche den Krankheitsverlauf mildern und verbessern. Die Prävention wird vermehrt in die medizinische Versorgungskette integriert. Dabei kommt der Ärzteschaft, dem Pflegepersonal und weiteren Gesundheitsfachpersonen eine zentrale Rolle zu. Schnittstellen und die Zusammenarbeit innerhalb und ausserhalb des Gesundheitswesens sollen verbessert werden, um eine koordinierte Versorgung zu gewährleisten. Nebst der Förderung und Erhaltung der körperlichen Gesundheit ist auch der psychischen Gesundheit Sorge zu tragen. Sie steht oft im Zusammenhang mit den Risikofaktoren Alkohol, Tabak, Drogen, Ernährung und Bewegung. Die Massnahmen der Strategien NCD und Sucht werden folglich auch mit Massnahmen zur Prävention psychischer Erkrankungen koordiniert.  

Die Schwerpunkte sind also gesetzt. Mit den Erfahrungen der letzten Jahre machen wir uns auf in die Zukunft. Im Zentrum unserer Arbeit steht der Mensch, dessen Gesundheit uns am Herzen liegt. Er soll möglichst lange gesund leben können. Und dies Tag für Tag. Wir sind überzeugt, mit den neuen Strategien NCD und Sucht, die in diesem Jahr gestartet sind, einen wesentlichen Beitrag an das Wohlbefinden der Bevölkerung zu leisten.

Kontakt

Roy Salveter, Leiter Abteilung Prävention nichtübertragbarer Krankheiten,

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