16.02.2015 Eine Nationale Strategie zur Eindämmung der Antibiotikaresistenzen

Gemeinsames Vorgehen. Die Zunahme von Antibiotikaresistenzen stellt die öffentliche Gesundheit vor grosse Herausforderungen. Der Bund geht das Problem mit einer breit abgestützten, nationalen Strategie an. Zu deren Entwurf können sich nun alle interessierten Kreise bis Mitte März 2015 äussern. Oberstes Ziel ist es, die Wirksamkeit von Antibiotika für Mensch und Tier langfristig zu erhalten.

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TODO CHRISTIAN

Die Entwicklung von Antibiotika zählt zu den bedeutendsten Fortschritten der Medizin. Dank dieser Medikamente ist es möglich, gefährliche Krankheiten wie Lungenentzündungen oder Blutvergiftungen zu heilen, die früher oft tödlich verlaufen sind. Der übermässige und teils unsachgemässe Einsatz führt jedoch dazu, dass immer mehr Bakterien gegen Antibiotika resistent geworden sind. Beunruhigend sind vor allem die Zunahme von Resistenzen gegenüber wichtigen Antibiotikagruppen und die Zunahme an multiresistenten Keimen.
Das Problem betrifft die Humanmedizin ebenso wie die Tiermedizin und die Landwirtschaft (Milch- und Fleischproduktion) und kann nur gemeinsam und bereichsübergreifend gelöst werden. Der Bundesrat hat die Bekämpfung von Resistenzen deshalb in die gesundheitspolitischen Prioritäten der «Gesundheit 2020» aufgenommen.
Die Verantwortung für die Nationale Strategie Antibiotikaresistenzen (StAR) teilen sich die Bundesräte Alain Berset, Eidgenössisches Departement des Innern, und Johann Schneider-Ammann, Eidgenössisches Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung. Die drei Bundesämter für Gesundheit (BAG), Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) und Landwirtschaft (BLW) haben mit Beteiligung des Bundesamts für Umwelt (BAFU) eine breit abgestützte Nationale Strategie erarbeitet. Der Strategieentwurf zeigt detailliert auf, wo Handlungsbedarf besteht, welche Ziele erreicht werden sollen und welche Schlüsselmassnahmen nötig sind.

Überwachung, Prävention, Sensibilisierung
Eine zentrale Massnahme ist die bereichsübergreifende Überwachung der Resistenzsituation und des Antibiotikaverbrauchs in der Humanmedizin, in der Veterinärmedizin, in der Landwirtschaft und in der Umwelt. Dazu sollen bestehende Lücken geschlossen und die Überwachungsresultate in einem gemeinsamen Bericht publiziert werden.
Um die Wirksamkeit der Antibiotika längerfristig zu erhalten, soll die Prävention verbessert werden. Je mehr Infektionserkrankungen verhindert werden, desto weniger Antibiotika müssen zur Therapie eingesetzt werden. Vermeiden lassen sich Infektionen etwa durch die konsequente Umsetzung von Hygienemassnahmen im Spital und im Pflegebereich oder mit einer optimierten Tierhaltung im landwirtschaftlichen Bereich.
Damit die Strategie Früchte trägt, ist der Hebel auch bei der verstärkten Sensibilisierung und Weiterbildung der Fachleute sowie bei der Information der Bevölkerung anzusetzen. Ziel ist es, verständlich und transparent über die Wirkung von Antibiotika und ihre korrekte Anwendung zu informieren.

Das Richtige am richtigen Ort einsetzen
Es soll auch vermieden werden, dass Antibiotika unsachgemäss eingesetzt werden. Infektionen der Atemwege sind beispielsweise oft primär viraler Natur; trotzdem kommen Antibiotika ohne Notwendigkeit zum Einsatz. Um den unsachgemässen Einsatz dieser Medikamente zu drosseln, sollen als Hilfestellung neue diagnostische Methoden entwickelt werden, um bakterielle bzw. virale Erkrankungen rasch und klar unterscheiden zu können. Zusätzlich sollen verbindliche Richtlinien zur Verschreibung, Abgabe und Anwendung von Antibiotika dazu beitragen, den Verbrauch von Antibiotika zu reduzieren.

Breite Abstützung als Ziel
Die Eindämmung von Antibiotikaresistenzen fordert den Einsatz aller betroffenen Kreise. Die wichtigsten Akteure und Interessengruppen (Kantone, Fachgesellschaften, Expertengruppen, Industrie, Branchen und Verbände etc.) wurden deshalb von den beiden federführenden Departementen von Beginn an in die Erarbeitung der Strategie einbezogen. Sie übernehmen später bei der Strategieumsetzung eine wichtige Rolle.
Der Strategieentwurf ist nun bei den Kantonen und interessierten Kreisen bis zum 15. März 2015 in der Anhörung. Anschliessend werden die Rückmeldungen ausgewertet; die definitive Fassung von StAR genehmigt der Bundesrat dann Ende Jahr. Ab 2016 wird die Strategie umgesetzt.

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Kontakt

Karin Wäfler, Projektleiterin StAR, karin.waefler@bag.admin.ch

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