01.09.2012 Elektronischer Impfausweis für mehr Sicherheit

Impfmanagement. Die Website www.meineimpfungen.ch bietet Patientinnen und Patienten sowie medizinischen Fachpersonen mehr Sicherheit und Übersicht im Impfmanagement. Dieser auf der Viavac-Software basierte, kostenlose Dienst wurde im April 2011 im Rahmen der Europäischen Impf­woche lanciert. Eine Bilanz nach einem Jahr.

Bildstrecke Elektronischer Impfausweis für mehr Sicherheit

TODO CHRISTIAN

Auf der gesicherten Website meineimpfungen.ch können Patientinnen und Patienten via Computer oder Smart­phone ein passwortgeschütztes elektronisches Impfdossier einrichten und verwalten. Auf Wunsch können sie ihrem Arzt oder anderen Fachpersonen Zugriff auf ihr Dossier gewähren. Die Vorteile eines elektronischen Impfausweises sind vielfältig: Kein Suchen und Verlieren des Papierausweises mehr und die Impfdaten sind jederzeit und von überall abrufbar – auch im Ausland. Damit schwindet auch die Gefahr, eine unnötige Impfung verabreicht zu bekommen. Weiter kann jedermann sofort und ohne die Hilfe von Fachleuten überprüfen, ob alle Impfungen à jour sind (grünes Symbol) oder ob einzelne Impfungen bei einem Besuch überprüft oder erneuert werden sollten (rotes Symbol). Wer will, kann sich kostenlos per SMS oder E-Mail benachrichtigen lassen, sobald die Auffrischung einer Impfung fällig wird. So kann man sicher und beruhigt sein, stets optimal geschützt zu sein.

Praktisches Tool für Gesundheitsfachleute
Auch Gesundheitsfachleute profitieren von meineimpfungen.ch. Um die Fachpersonenfunktionen der Website nutzen zu können, müssen sie sich lediglich als solche registrieren (über EAN/GLN-Nummer). Erhalten sie von ihren Patientinnen und Patienten Zugriff auf deren Dossier, können sie schnell und sicher identifizieren, welche Impfungen bei ihren Patientinnen und Patienten erforderlich sind (rotes Symbol). Weiter können sie deren Impfdaten aus Viavac importieren oder jederzeit einen offiziellen, aktuellen Impfausweis für ihre Patienten ausdrucken. Diese können nicht eigenmächtig offizielle physische Impfausweise erstellen, die vorgängige Überprüfung und Validierung der eingetragenen Impfungen durch eine Fachperson ist obligatorisch. Gesundheitsfachleute mit einer Viavac-Pro-Lizenz können auf meineimpfungen.ch zudem Impfpläne erstellen, auf dem die erforderlichen Impfstoffe, die Anzahl Dosen, die Intervalle und das Datum der Erinnerungsnachricht festgehalten sind. Sie können eine Liste von Patientinnen und Patienten erstellen, denen eine Impfung vorgeschlagen werden soll, und sie haben Zugang zu weiteren Funktionen, die das Impfmanagement wesentlich erleichtern.

Unterstützung für Gesundheitsdienste
Die Website bietet auch öffentlichen und privaten Gemeinschaften Hand zur effizienten Verwaltung der Impfungen. So können etwa Gesundheitsdienste von Schulen, Unternehmen oder Organisationen sämtliche Impfdaten ihrer Schüler, Mitarbeitenden und Mitglieder auf meineimpfungen.ch importieren. Sie können Impfdossiers erstellen und sicherstellen, dass alle erfolgten Impfungen im elektronischen Dossier festgehalten werden, selbst wenn diese von verschiedenen Fachpersonen ausgeführt worden sind.

Unabhängiges Gemeinschaftsprojekt
Der elektronische Impfausweis ist ein gemeinsames, unabhängiges Projekt von Viavac, der Ärztekasse und von Arpage Applications. Viavac ist ein Start-up-Unternehmen der Universität Genf, das sich auf Impfsoftware spezialisiert und die Expertensoftware Viavac entwickelt hat. Die Ärztekasse ist in der Schweiz führend bei Verwaltungsdienstleistungen für Ärztinnen und Ärzte mit eigener Praxis. Das Unternehmen Arpage Applications ist spezialisiert auf die Entwicklung von hochsicheren Internetanwendungen. Die Website meineimpfungen.ch wurde von diesen drei Unternehmen ohne finanzielle Unterstützung der öffentlichen Hand oder von Pharmaunternehmen entwickelt. Das Bundesamt für Gesundheit unterstützt Viavac finanziell bei der Weiterentwicklung und Aktualisierung von www.meineimpfungen.ch.

Nutzungsbilanz nach einem Jahr

Gesundheitsfachleute
Auf Anregung von Gesundheitsfachleuten wurden im ersten Betriebsjahr von meineimpfungen.ch bereits viele Optimierungen umgesetzt, darunter die Erleichterung der Erfassung und Validierung von Daten und die Synchronisation mit Viavac auf PC und Mac. Zudem können Fachleute schnell und einfach Patientinnen und Patienten identifizieren, bei denen eine Impfung fällig ist und mit einem Klick eine entsprechende Benachrichtigung per E-Mail auslösen. Inzwischen scheinen die Fachleute mit meineimpfungen.ch zufrieden zu sein, Optimierungsanregungen sind selten geworden. Am meisten schätzen sie offenbar, dass auf dieser Plattform in wenigen Minuten ein Impfdatensatz erstellt werden kann. 2012 sind die Bestellungen der Viavac-Lizenz erstmals zurückgegangen.

Die wichtigsten Zahlen:
– 538 Registrationen (derzeit mehre Neuregistrationen pro Woche)
– 2471 angelegte Dossiers
– Zugriff auf 1268 von Patienten erstellte Dossiers
– 30 405 überprüfte Impfungen

Patientinnen und Patienten
Auch die Funktionen für die Patientinnen und Patienten sind seit der Lancierung bereits weiterentwickelt und verbessert worden, insbesondere auch als Reaktion auf die Analyse des Vorprojektes von eHealth Schweiz. Beispielsweise ist es jetzt möglich, Scans von Impfausweisen herunterzuladen. Das erlaubt Patientinnen und Patienten, ihren Ausweis sicher aufzubewahren, und Gesundheitsfachleuten, die Impfdaten auch bei Abwesenheit der Patienten respektive des Impfausweises zu überprüfen. Weiter können Patientinnen und Patienten direkt aus dem System eine Nachricht an den Arzt oder Apotheker senden – oder umgekehrt –, zum Beispiel, um eine Überprüfung zu beantragen oder zu bestätigen.

Die wichtigsten Zahlen:
– Schweizweit 8847 Dossiers mit insgesamt 150 991 eingetragenen Impfungen
– Davon 2567 (29%) über die iPhone-Anwendung Myviavac erstellt (Lancierung der Android-Anwendung: April 2012)
– Die Mehrheit der Dossiers wurde für Kinder von 0 bis 5 Jahren und von Erwachsenen von 25 bis 50 Jahren erstellt.
– Über 2400 Dossiers enthalten Impfungen mit mehr als 15 verschiedenen Impfstoffen. Das zeigt, dass mit meineimpfungen.ch auch komplexe Impfausweise erstellt werden können.
– Durchschnittlich 20 neue Dossiers/Tag
– Allein am 26. April 2012, einem Tag der Europäischen Impfwoche, wurden 511 neue Dossiers erstellt. Dies unterstreicht die Wichtigkeit einer breit angelegten, wiederholten Kommunikation.

Schweizweit einheitliches e-Impfdossier als Ziel

Das elektronische Impfdossier soll in der Schweiz einheitlich standardisiert werden. eHealth Suisse, das gemeinsame Koordinationsorgan von Bund und Kantonen, hat dazu einen Umsetzungsvorschlag erarbeitet, zu dem sich alle interessierten Kreise bis November 2012 in einer Anhörung äussern können. Ziel ist es, dass alle e-Impf­projekte in der Schweiz das gleiche inhaltliche Format des Dossiers verwenden. Damit soll die Austauschbarkeit der Dossiers ermöglicht werden. Dies gilt für Projekte wie www.meineimpfungen.ch, aber auch für Projekte, die sich bereits an den Empfehlungen zur schweizweiten «eHealth»-Vernetzung orientieren. Zudem ist geplant, auf der Basis der Viavac-Lösung einen national breit abgestützten elektronischen Dienst zu etablieren, welcher im Zusammenspiel mit dem einheitlichen e-Impf­dossier-Format bestehende Impflücken einer Person einfach feststellen kann.

Kontakt

Deborah Gaspoz, Sektion Prävention und Promotion, deborah.gaspoz@bag.admin.ch

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