01.07.2010 Früherkennung und Frühintervention in Schulen: Lessons learned

Neue Publikation. RADIX hat aus mehreren Evaluationen zu Projekten der Früherkennung und der Frühintervention (F&F) in Schulen zentrale Erkenntnisse abgeleitet und sie in einer Publikation zusammengefasst. F&F ist eine Investition in die Zukunft der Jugendlichen, aber auch der Schulen selbst und trägt zur Chancengleichheit für die 10 bis 20% der gefährdeten Kinder und Jugendlichen in der Schweiz bei.

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Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) und die Schweizerische Fachstelle für Alkohol- und andere Drogenprobleme (SFA; neu Sucht Info Schweiz) veröffentlichten 2004 die Broschüre «Schule und Cannabis» mit dem Ziel, Schulen für die selektive und indizierte Prävention zu sensibilisieren. Lehrpersonen und Schulleitungen, die mit gefährdeten Jugendlichen konfrontiert waren, sollten darin eine Anleitung finden, wie sie vorgehen können, wenn einzelne Jugendliche psychosoziale Auffälligkeiten und Symptome zeigen. Diese Publikation führte im Kanton Basel Stadt zu einem grösseren Projekt F&F in Schulen. Drei weitere, unterschiedlich strukturierte Projekte in der ganzen Schweiz folgten bald. Alle diese Projekte wurden vom BAG mitfinanziert und von der Fachhochschule Nordwestschweiz wissenschaftlich evaluiert. Damit sollte die Umsetzung von F&F gefördert und gleichzeitig überprüft und optimiert werden. Die Ergebnisse und Erkenntnisse der vier Evaluationen sind in der aktuellen Publikation «Früherkennung und Frühintervention in Schulen: Les­sons learned» verdichtet und integrierend zusammengefasst.

Wertvolle Erkenntnisse für künftige F&F-Projekte
Nach einführenden Erläuterungen zu F&F in Schulen folgen verschiedene Kapitel zu den zwei Hauptthemenbereichen «Projektmanagement» und «Entwicklung und Umsetzung von F&F».
Jedes Kapitel schliesst mit den «Lessons learned» ab. Diese stellen die komprimierten Erkenntnisse aus allen Evaluationen dar. Beispielsweise ist in allen F&F-Projekten die gemeinsame Haltung des Kollegiums ein zentrales und sehr wichtiges Element. Die Lessons learned sind hier:
− Zuerst muss ein Konsens über den Präventionsauftrag der Schule erreicht werden: Ist die Schule, d. h. Schulleitung und Kollegium, der Meinung, dass F&F Aufgabe der Schule ist?
− Die Entwicklung einer gemeinsamen Haltung, die von allen geteilt und im Alltag gelebt werden kann, braucht eine konkrete Auseinandersetzung mit dem Thema. Das kann z. B. in der Auseinandersetzung über gemeinsame Regeln oder durch die Bearbeitung eines konkreten Falles im Kollegium geschehen.
− Die Entwicklung einer gemeinsamen Haltung ist ein zentraler Bestandteil von F&F und sollte im Projekt so früh wie möglich angegangen werden.
− Wenn Lehrpersonen aktiv in die Entwicklung einbezogen werden, sind die Bekanntheit der Haltung und die Identifikation damit grösser.
Schulbehörden, Schulleitungen, Lehrpersonen, Fachstellen, Eltern und weitere Interessierte, die sich mit F&F, ihren Wirkungen und Hindernissen befassen wollen, finden in dieser Broschüre wertvolle Erkenntnisse und Hinweise. Es sind Erkenntnisse, die es bei der Planung und der Umsetzung mit einzubeziehen gilt. Die Publikation ist kein Umsetzungsleitfaden und stellt keine Instrumente vor. Basierend auf systematisch-wissenschaftlich erhobenen Praxiserfahrungen, stellt sie vielmehr eine Sammlung von Erkenntnissen und Anregungen in gut lesbarer und verständlicher Form dar.

Publikation
Fabian, Carlo, und Müller, Caroline. (2010). Früherkennung und Frühintervention in Schulen. Lessons learned. Bern: RADIX.
Weitere Informationen, die vier Evaluationsberichte sowie die Bestellmöglichkeit der kostenlosen Publikation unter: www.radix.ch/f-f

RADIX – Kompetenzzentrum für Gesundheitsförderung und Prävention

RADIX entwickelt und realisiert Angebote zur Gesundheitsförderung und Prävention. Dabei wird eng mit Bund, Kantonen, Gemeinden und Schulen sowie mit zahlreichen Fachorganisationen zusammengearbeitet. Ein Schwerpunkt ist Früherkennung und Frühintervention. RADIX führt mit Unterstützung des BAG bis 2012 zwei Projekte F&F in Schulen in der Deutschschweiz und in der Romandie sowie bis 2011 das nationale Projekt «Gemeindeorientierte Frühintervention» durch. Weitere Informationen erhalten Sie bei fabian@radix.ch.

Klientenzufriedenheit im Suchthilfebereich

QuaTheSI (Quality Therapy Satisfaction Instrument), der standardisierte Fragebogen zur Messung der Klientenzufriedenheit in stationären Suchtbehandlungseinrichtungen, ist für drei weitere Bereiche entwickelt worden.
Neu wird es nun einen Zufriedenheits-Fragebogen geben für drei Module des Referenzsystems QuaTheDA:
1. Beratung, Begleitung und ambulante Therapie (II)
2. Substitution (III)
3. Niederschwellige Angebote (VII)

Diese Bereiche wurden ausgewählt, weil sie die grösste Anzahl Klientinnen und Klienten betreffen. Die drei Fragebogen befinden sich derzeit in der Testphase. QuaTheSI ist ein im Rahmen des Projekts QuaTheDA (Qualiät, Therapie, Drogen, Alkohol) entwickeltes Instrument.
QuaTheDA ist ein Qualitätsprojekt des Bundesamts für Gesundheit (BAG) für den Suchthilfebereich. Ziel ist ein einheitliches und allgemeingültiges Qualitätsverständnis im gesamten Suchthilfebereich, basierend auf einer Qualitätsnorm, die alle Tätigkeitsfelder im ambulanten sowie im stationären Suchthilfebereich abdeckt. Die neuen Fragebögen werden am nächsten Qua–TheDA-Symposium im Januar 2011 in Bern offiziell vorgestellt. Wenn eine Institution sie früher einsetzen möchte, bitten wir sie, mit dem unten stehenden Verantwortlichen Kontakt aufzunehmen.

Kontakt: René Stamm, Sektion Drogen, rene.stamm@bag.admin.ch

Kontakt

Pia Oetiker, Sektion Drogen, Pia.Oetiker@bag.admin.ch

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