01.07.2013 Früherkennung und Frühintervention in Schulen: neue Praxistools

Früherkennung und Frühintervention, F+F. Im Auftrag des Bundesamts für Gesundheit führten die Stiftung RADIX und die Hochschule für Sozialarbeit der Universität Freiburg von 2006 bis 2012 in der Romandie das Programm «Intervention précoce» auf Deutsch: Früherkennung und Frühinterven­tion) durch. Das Pilotprojekt trägt Früchte: Eine Reihe von Praxismerkblättern für Schulen und weitere Institutionen in der Romandie liegt vor.

Bildstrecke Früherkennung und Frühintervention in Schulen: neue Praxistools

TODO CHRISTIAN

Hauptziel von F+F ist es, im schulischen Umfeld einen partizipativen Prozess anzustossen, welcher Jugendliche in schwierigen Situationen unterstützt und ihre Schutzfaktoren stärkt, ohne sie zu stigmatisieren. Die Methode bezieht den gesamten Lehrkörper und weitere schulische Akteure und – sofern angebracht – auch die Eltern mit ein. Um ins Projekt einzusteigen, eignen sich Themen, die gerade aktuell sind:, z. B Suchtproblematik, Beziehungen zwischen einzelnen Akteuren oder die Themen Gewalt, Ernährung und Bewegung. Die Bildungseinrichtung als Lebensraum wird als Ganzes miteinbezogen, und Gefährdungssituationen werden in ihrem alltäglichen Kontext angegangen. Oft zielt ein F+F-Projekt auf ein gutes Schulklima und die Entwicklung einer partizipativen und transparenten, also angenehmeren Kultur. Die Schulen werden in der Umsetzung von F+F von lokalen Suchtfachstellen unterstützt und begleitet.

Zehn Praxiswerkzeuge
Die Erfahrungen der 27 in der Romandie teilnehmenden Institutionen,  und die eingesetzten Tools haben es ermöglicht, zehn Merkblätter zu erstellen, um die Umsetzung von F+F-Projekten zu unterstützen.
Der erste Teil liefert eine gemeinsame Basis, erklärt die Grundlagen von F+F und die verschiedenen Interventionsmodelle. Eine erste Reihe von Merkblättern richtet sich an Schulen, eine zweite, entwickelt von der Hochschule für Sozialarbeit, ist an die  Suchtfachstellen adressiert.
Den Schulen stehen auch Hilfsmittel zur Verfügung, um Leitlinien festzulegen, ein Projekt zu starten und über einen bestimmten Zeitraum durchzuführen. Früherkennung und Frühintervention soll in den Einrichtungen dauerhaft verankert und Teil der Kultur einer Einrichtung werden. Schwierige Situationen erkennen zu können und die Rollen aller Beteiligten zu klären, benötigt einen Prozess und Zeit. Diese gemeinsame Arbeit stellt einen wichtigen Mehrwert auf lange Sicht dar: Gemeinsame Werte können definiert werden, es gibt ein Protokoll für die Handhabung solcher Situationen, was das gemeinsame Verständnis erleichtert – auch für andere Arten von Situationen, die bewältigt werden müssen.

F+F auf www.feel-ok.ch
Auch in der deutschen Schweiz setzt RADIX seit 2006 im Auftrag des Bundesamts für Gesundheit (BAG) F+F-Programme in Schulen und Gemeinden um. Bisher konnten 67 Schulen erreicht und vielfältige Erfahrungen gesammelt werden. Neu sollen auf Feel-ok.ch Orientierungsinstrumente und Informationsmaterial zu F+F bereitgestellt werden.
Schon heute können Lehrpersonen mit der Suchmaschine  www.feel-ok.ch/ideen (Bereich Jugendliche) sowie www.feel-ok.ch/+ideen (Bereich Multiplikatoren) herausfinden, welche Projekte, Websites und Unterlagen professionelle Partner anbieten und welche Beratungsstellen unterstützend zur Verfügung stehen, um Schwierigkeiten von Jugendlichen zu begegnen, bevor sie eskalieren.
Die Zielgruppen des neuen Programms sind in erster Linie Lehrpersonen und Schulleiter/-innen.
Dies mit dem Ziel, die Schulakteure über F+F zu informieren, und vor allem, um sie zu motivieren, diesen bewährten Ansatz anzuwenden. Das neue Angebot ist kein Hilfsprogramm, das Schulen unterstützt, selbstständig F+F einzuführen. Dies, weil die Unterstützung von Fachpersonen aus lokalen Suchtfachtellen, als wichtig betrachtet wird, um F+F erfolgreich und sinngemäss zu implementieren.
Bestehende F+F-Projekte, Dokumente und Erfahrungen aus der Deutsch- und aus der französischen Schweiz haben als Inspirationsquelle gedient, um Ziele sowie Inhalte des neuen Angebotes zu definieren.
Die Inhalte werden zurzeit aufbereitet und überprüft. Im Jahr 2014 werden sie online erscheinen. Per Rundbrief wird über die Veröffentlichung von F+F in feel-ok.ch informiert, Eintragung unter www.feel-ok.ch/+rundbrief.

Links

Kontakt

Salome Steinle, Sektion Drogen, salome.steinle@bag.admin.ch

Nach oben