01.07.2010 Gender als wesentliche soziale Determinante von Gesundheit

Gender und Gesundheit. Gender ist in Interaktion mit anderen sozialen Determinanten wie Bildung, Einkommen, Erwerbsstruktur, Herkunft usw. von zentraler Bedeutung für die Gesundheit. Für Männer haben die sozialen Determinanten oft eine andere Bedeutung als für Frauen. Es ist diese unterschiedliche Bedeutung, die sich auf die Gesundheit der Geschlechter entsprechend auswirken kann.

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TODO CHRISTIAN

Betrachten wir die Erwerbsstruktur in der Schweiz, so lässt sich aktuell eine deutliche Kluft zwischen den Geschlechtern feststellen. Frauen, insbesondere Mütter, orientieren sich stärker an der Teilzeiterwerbstätigkeit. Männer hingegen, auch hier insbesondere Väter, gehen häufig einer Vollzeitbeschäftigung nach und streben eine berufliche Karriere an – Letzteres nicht zuletzt unter dem Druck des Familien(haupt)ernährers. Als Folge dieser unterschiedlichen Orientierung ergeben sich Ungleichheiten in den Arbeitsbedingungen zwischen den Geschlechtern bezüglich Einkommen, Aufstiegs- und Karrieremöglichkeiten.
Die Löhne der Frauen sind dementsprechend deutlich niedriger als jene der Männer. Es ist belegt, dass Menschen mit niedrigerem Einkommen eine ungünstigere Gesundheits- und Lebenserwartung haben als solche mit höherem Einkommen. Hinzu kommt, dass bei Personen mit niedrigem Einkommen das Erkrankungsrisikio für viele Leiden stark erhöht ist. Die Interaktion der Erwerbsstruktur mit dem Geschlecht wirkt sich unter dem erläuterten Blickwinkel negativ auf die Gesundheit der Frauen aus.

Bleiben wir bei der bestehenden Erwerbsstruktur in der Schweiz und betrachten wir die Berufswahl von Männern und Frauen. Männer wählen häufiger Berufe in körperlich risikoreichen Bereichen wie dem Baugewerbe, der Land- und Forstwirtschaft und sind aufgrund ihrer Erwerbstätigkeit entsprechend höheren Unfallrisiken ausgesetzt, als dies Frauen sind. Je nach Umfeld bzw. Blickwinkel wirken sich die einzelnen sozialen Determinanten unterschiedlich auf die Gesundheit von Frauen und Männern aus.

Neue Internetsite zu Frauen- und Männergesundheit
Frauen und Männer müssen aufgrund des Wissens um den Einfluss von Gender auf die Gesundheit  in der Praxis stets als spezifische Zielgruppen (entsprechend der Interaktion mit anderen sozialen Determinanten) betrachtet werden.
Das Wissen um die Wichtigkeit von Gender als bedeutender Gesundheitsdeterminante ist für Fachpersonen in der Praxis, im Bereich Prävention und Gesundheitsförderung in ihrer täglichen Arbeit von zentraler Bedeutung.
Damit der Wissenstransfer von der Theorie in die Praxis gewährleistet ist, richtet RADIX, das Schweizerische Kompetenzzentrum für Gesundheitsförderung und Prävention, im Auftrag des Bundesamtes für Gesundheit, Bereich Gender Health, eine Internetsite ein.
Seit dem 1. Juni stehen Praktikern und Praktikerinnen aus den Bereichen Prävention und Gesundheitsförderung  und Interessierten exemplarisch Beispiele zur Verfügung, die aufzeigen, wie der Genderaspekt in Aus- und Weiterbildungsmodulen integriert sein kann und welchen Nutzen das erworbene Genderwissen für das fachliche Handeln im Arbeitsalltag bringt.

Es stehen zudem ab 1. September 2010 auf derselben Internetsite Anschauungsbeispiele aus dem Themenbereich Vereinbarkeit von Arbeit, Familie und Freizeit in Bezug auf die Gesundheit zum methodischen, gendersensiblen Vorgehen in Projekten zur Verfügung. Anhand dieser Beispiele soll deutlich werden, wie wichtig die Fokussierung auf die geschlechterspezifischen Zielgruppen im Alltag ist. Die Praxisbeispiele legen exemplarisch das methodische Vorgehen dar, welches zum Einbezug und zur Erreichung der geschlechterspezifischen Zielgruppen führte.

Zu beiden Themen sind Beispiele aus der Deutschschweiz und der Romandie auf Radix Gender oder www.genderhealth.ch zu finden.

Kontakt

Ursula Stüdi, Gender Health, ursula.stuedi@bag.admin.ch

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