01.01.2011 Gender Mainstreaming in der Suchtarbeit

Engagement des Bundesamts für Gesundheit (BAG). Seit 1994 fördert das BAG die Entwicklung von Angeboten, die Frauen und Männern verschiedenen Alters gleichermassen zugute kommen. 1997 entstand zuerst ein Mandat für die Förderung frauengerechter Suchtarbeit, welches 2001 auf die Förderung gendergerechter Suchtarbeit erweitert wurde.

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Das BAG hat mit diesem Mandat Forderungen der Massnahmenpakete des Bundes zur Verminderung der Drogenprobleme (MaPaDro I, II und III) erfüllt. Diese besagen, dass die Genderperspektive in den Konzepten und Massnahmen der Suchthilfe verankert werden soll. Zudem soll die Qualitätsentwicklung in der Sucharbeit zunehmend in den Vordergrund gestellt werden.

Wissenschaft und Praxis verbinden
In einem ersten Schritt wurden die wissenschaftlichen Grundlagen in Bezug auf Frauen und Sucht, später auch auf Männer und Sucht aufgearbeitet und publiziert. Eine Reihe von Instrumenten ist entstanden, und mit der Integration der Genderperspektive in das modulare QuaTheDA-Referenzsystem und den entsprechenden Leitfaden wurde die Genderperspektive auch in der Qualitätsnorm für den Suchthilfebereich eingeführt.
Im Rahmen des Mandats wurden zahlreiche Institutionen beraten, Weiterbildungen und Sensibilisierungsmassnahmen durchgeführt sowie Projekte mit gendersensiblen Angeboten entwickelt. Beispiele dafür sind im SuchtMagazin, Nr. 4, August 2008, nachzulesen.

Vorreiterrolle weiter ausbauen
Das Engagement des BAG hat die Angebote für Frauen und zunehmend auch für Männer entscheidend verbessert. Dank der erhöhten Gendersensibilität vieler Suchtfachleute gibt es heute zahlreiche spezifische Angebote für Männer und Frauen (z.B. «Casa Fidelio», eine therapeutische Wohn- und Arbeitsgemeinschaft für Männer, oder Frauenanlaufstellen in Bern, Lausanne, Basel etc.) sowie genderspezifische Therapie- und Beratungsangebote in gemischtgeschlechtlichen Institutionen. Die Leistungen der Schweiz im Bereich der frauen- und männerspezifischen Suchtarbeit geniessen international hohe Anerkennung.

Trotzdem: Nach wie vor kann nur ein relativ kleiner Teil der Suchthilfe-Institutionen entweder frauen-, männer- oder geschlechtergerechte Suchtarbeit in ausreichendem Mass ausweisen (vgl. Übersicht der aktuellen gendergerechten Angebote im Suchtbereich: www.drugsandgender.ch). Das mag daran liegen, dass die Einführung der Genderperspektive im Suchtbereich vorwiegend bottom-up und nicht top-down erfolgte. So fehlt es heute weitgehend an einer strukturellen Verankerung und einem systematischen Gender Mainstreaming in den Institutionen der Suchthilfe. Für die effektive Gestaltung eines differenzierten Hilfesystems für suchtkranke Frauen und Männer ist dies jedoch notwendig. Die Genderperspektive muss in den Leitbildern und Konzepten sowie im Personalmanagement und in der Zuteilung von Ressourcen sicht- und überprüfbar werden. Insbesondere die Massnahmen zur Qualitätsentwicklung (Struktur-, Prozess- und Evaluationsqualität) müssen die Genderperspektive integrieren. Genderaspekte müssen auch in den Angeboten konsequent umgesetzt werden. Das Ziel ist eine Verbesserung der Massnahmenqualität auf allen Ebenen und in allen Handlungs­feldern. Für die Suchthilfe bedeutet dies, sich systematisch zu fragen, wie sich die Massnahmen, Hilfeangebote und Gesetzesvorhaben der Suchthilfe auf Männer und Frauen auswirken und inwiefern jene zum Ziel der Chancengleichheit beitragen.

Kontakt

Pia Oetiker, Sektion Drogen, pia.oetiker@bag.admin.ch
Mandat Förderung gendergerechter Suchtarbeit, Marie-Louise Ernst, m.l.ernst@datacomm.ch

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