21.02.2019 Gesundheit macht Schule

Schulnetz21. Seit der Verabschiedung der Ottawa-Charta zur Gesundheitsförderung ist die Schule immer mehr zu einem zentralen Schauplatz der Gesundheitsförderung von Kindern, Jugend­lichen, Lehrpersonen sowie Schul­leitungen geworden. In der Schweiz hat das Schulnetz21 den Auftrag, ein gesundheitsförderndes Klima in den Schulen zu begünstigen.

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Ein gutes Schulklima ist das zentrale Anliegen einer gesundheitsfördernden und nachhaltigen Schule. Dazu gehören Themen wie Bewegung, Ernährung, psychosoziale Gesundheit oder naturnahe Umgebungsgestaltung.

Bildung ist eine der grundlegenden Voraussetzungen für Gesundheit. Schulen unterstützen die Schülerinnen und Schüler dabei, sich zu eigenständigen Persönlichkeiten zu entwickeln und Mitverantwortung für Gesundheit und Wohlbefinden für sich und andere zu übernehmen. Schulen fördern Kompetenzen, welche die Schülerinnen und Schüler befähigen, sich aktiv und kritisch hinterfragend an einer nachhaltigen Gesellschaft zu beteiligen. Dies funktioniert aber nur, wenn sich alle Beteiligten an diesen Orten wohlfühlen und die Rahmenbedingungen günstig sind. Das Schulklima ist ein wesentlicher Faktor für die Leistungsbereitschaft und -fähigkeit sowie für die Zufriedenheit und Gesundheit von Kindern, Jugendlichen, Lehrpersonen, Schulleitung und weiteren Angestellten.

Ein gutes Schulklima ist das zentrale Anliegen einer gesundheitsfördernden und nachhaltigen Schule und damit auch der Aktivitäten von Schulnetz21. Es beruht auf einer Schulkultur, in der Lehrpersonen sowie die Schülerinnen und Schüler ermutigende, sie stärkende Lern- und Arbeitserfahrungen machen. Für das Wohlbefinden aller Beteiligten sowie für den Lernerfolg ist das soziale Klima entscheidend, das an einer Schule herrscht. Hektik, Gewalt und Mobbing beeinflussen das Verhalten und die Schulleistungen von Kindern und Jugendlichen.

Auch die Lehrpersonen werden beim Unterrichten von der Atmosphäre am Arbeitsplatz geprägt. Ob sich die Menschen am Arbeits- und Lernort Schule wohlfühlen, hängt wesentlich davon ab, wie das soziale Klima gestaltet ist, wie die Beziehungen der Schülerinnen und Schüler mit den Lehrpersonen, der Schulleitung, den Eltern und den weiteren Beteiligten funktionieren.

1900 Schulen im Netzwerk
Die Fachleute von Schulnetz21 unterstützen Schulen in der Gestaltung von gesunden und nachhaltigen Lern-, Lebens- und Arbeits­­räumen. Rund 1900 Schulen in der ganzen Schweiz haben sich bereits diesem Netzwerk angeschlossen. Das bedeutet, dass rund 30 Prozent aller Kinder während der obligatorischen Schulzeit eine Mitgliedsschule besuchen.

Schulen, die sich dem Schulnetz21 anschliessen, machen sich durch ihren Beitritt auf den Weg. Sie können zwischen zwei Profilen wählen: «Wir sind auf dem Weg zu einer gesundheitsfördernden Schule» oder «Wir sind auf dem Weg zu einer gesundheitsfördernden und nachhaltigen Schule». Wie dieser Weg genau aussieht, entscheidet jede Schule selber. Es gibt jedoch Vorgaben: Die Schulen müssen beispielsweise eine verantwortliche Person ernennen und eine Arbeitsgruppe bilden, in der zum Beispiel Schulleitung, Lehrpersonen, Eltern, Schulsozialarbeiterin und evtl. Schüler vertreten sind. Zudem muss der Beitritt zum Schulnetz21 von der Schulbehörde, der Schulleitung sowie der Mehrheit der Lehrpersonen gutgeheissen werden. Weiter gehört eine Situationsanalyse sowie eine Planung mit Zielen und Massnahmen dazu.

Theorie und Praxis
Nach dem Beitritt bieten die Fachleute von Schulnetz21 unter anderem Unterstützung, Erfahrungs­aus­tausch, jährliche Impulsveranstaltungen sowie eine Website mit Dokumentationen und Instrumenten. Die Fachleute beraten die Schulen und bieten Unterstützung im Prozess – entweder direkt oder in Zusammenarbeit mit anderen kantonalen oder privaten Fachstellen oder Fachpersonen.

Vor Ort geschieht das durch die kantonalen und regionalen Netzwerke – also durch Mitarbeitende der kantonalen Fachstellen für Gesundheitsförderung und/oder Volksschulbildung –, während diese wiederum von der nationalen und sprachregionalen Koordina­tionsstelle von Schulnetz21 unterstützt werden. Im Moment gibt es 21 kantonale oder regionale Netzwerke, erklärtes Ziel ist es jedoch, alle Kantone zu unterstützen.

Ging es früher neben dem Schulklima vor allem um genügend Bewegung und gute Ernährung, ist inzwischen immer mehr die psychosoziale Gesundheit – zum Beispiel Prävention von Mobbing oder Burn-out – ins Zentrum gerückt. Weitere Themen sind naturnahe Umgebungsgestaltung, faire, umweltfreundliche und gesundheitsfördernde Beschaffung oder Pflege von Partnerschaften mit lokalen Unternehmen/Organisationen oder anderen Schulen. Ein grosses Thema für die Lehrerinnen und Lehrer ist unter anderem Lärm. Die Schaffung von ruhigen Arbeitsräumen ist für sie daher sehr wichtig. Im ganzen Schulgebäude sollen die Räumlichkeiten freundlich gestaltet sein und im Pausenhof soll es genügend Platz und Möglichkeiten zum Spielen und Toben, aber auch Rückzugsmöglichkeiten geben. Schülerinnen und Schüler sollen sich sicher fühlen und Schulen eine positive und einladende Ausstrahlung haben.

Massnahmen zeigen Wirkung
Wie steht es um die Wirkung der Massnahmen? Eine externe Evaluation unter den Mitgliedschulen hat interessante Ergebnisse zutage gefördert.

Einige Beispiele:
•  Es gab weniger Konflikte unter den Kindern und der Zusammenhalt unter ihnen ist gewachsen.
•  Die Teamkultur innerhalb des Lehrkörpers hat sich verbessert.
•  Die bessere Gesundheit der Lehrpersonen hat sich positiv auf den Lernerfolg der Schülerinnen und Schüler ausgewirkt.
•  Klassen- oder stufenübergreifende Projekte haben das Schulklima positiv unterstützt.

Breit abgestützt
Koordiniert wird das Schulnetz21 von der Stiftung éducation21 – dem nationalen Kompetenz- und Dienstleistungszentrum für Bildung für Nachhaltige Entwicklung für die Volksschule und die Sekundarstufe II und der Fachagentur der Schweizerischen Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren (EDK) – zusammen mit der Schweizerischen Gesundheitsstiftung RADIX. Als Trägerinnen fungieren die Gesundheitsförderung Schweiz und das Bestellergremium, das aus den Bundesämtern für Raumentwicklung (ARE), Umwelt (BAFU), Gesundheit (BAG), Energie (BFE), Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV), der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA), der Fachstelle für Rassismusbekämpfung (FRB), dem Schweizerischen Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) sowie der Erziehungsdirektorenkonferenz (EDK) besteht. Zudem ist das Schulnetz21 Teil des Europäischen Netzwerks gesundheitsfördernder Schulen (Schools for Health in Europe, SHE).

Links

Kontakt

Dagmar Costantini, Sektion Gesund­heitsförderung und Prävention,

Barbara Schäfli, nationale Koordinatorin Schulnetz21 – Schweizerisches Netzwerk gesundheitsfördernder und nachhaltiger Schulen,

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