01.07.2010 Gesundheitliche Chancengleichheit gewinnt weltweit an Wichtigkeit

Internationales. Was wird ausserhalb der Schweiz gegen die ungleiche Verteilung des «Guts» Gesundheit unternommen? Ein kurzer Einblick in die Agenden internationaler Gremien und des europäischen Auslands.

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WHO: Problem schon 1948 erkannt
Die WHO verwendet seit ihrer Gründung im Jahre 1948 einen weit­gefassten Gesundheitsbegriff, der biologische, psychologische und soziale Aspekte einbezieht. So erstaunt es nicht, dass der Abbau von gesundheitlicher Ungleichheit als eines der Ziele der WHO schon in der Verfassung verankert wurde. Die in den 80er-Jahren lancierte Strategie «Gesundheit für alle im Jahr 2000» war ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zu diesem Ziel. Die Mitgliedstaaten wurden dazu aufgerufen, nationale, regionale und globale Strategien zur Förderung gesundheitlicher Chancengleichheit zu entwickeln und umzusetzen. 2005 rief die WHO die Kommission «Soziale Determinanten der Gesundheit» ins Leben, die 2008 den Bericht «Closing the gap in a generation: health equity through action on the social determinants of health» veröffentlichte. Darin präsentierte die Kommission drei globale Handlungsempfehlungen zur Schliessung der Kluft zwischen gesundheitlich privilegierten und gesundheitlich benachteiligten Bevölkerungsgruppen innerhalb einer Generation: 1. Die Verbesserung der all­gemeinen Lebensbedingungen.
2. Die Bekämpfung der ungerechten Verteilung von Macht, Geld und Ressourcen. 3. Das Anerkennen und Messen der gesundheitlichen Ungleichheit als Basis für effektive Massnahmen.

Mehr zur WHO: www.who.int/social_determinants/en/

Das Regionalbüro WHO Europa hat
die Gesundheitsziele in seiner Geschichte mehrmals aktualisiert. Als wegweisend für eine verbesserte Gesundheit der Gesamtbevölkerung gilt heute die Talinn-Charta «Gesundheitssysteme, Gesundheit und Wohlstand» aus dem Jahr 2008. Sie stellt die Gesundheit als zentralen Faktor für das Wohlergehen der Menschen und den Wohlstand dar.

Mehr zur WHO Europa: http://www.euro.who.int/en/health-topics/Health-systems

Europäische Kommission: Gesundheitspolitik ist auch Unionssache
Die Gesundheitspolitik liegt zwar grundsätzlich in der Kompetenz der einzelnen Mitgliedstaaten, jedoch legt die EU grossen Wert darauf, in all ihren politischen Massnahmen die Auswirkungen für die Gesundheit zu berücksichtigen. Sie gibt jährlich mehr als 50 Millionen Euro für Massnahmen zur Verbesserung des Gesundheitsschutzes und zur Förderung einer besseren Gesundheit für alle aus. Zu diesen Massnahmen gehören unter anderem die Verringerung von Ungleichheiten und die Verbreitung von Informationen zum Thema Gesundheit. Auch verschiedene EU-Länder haben die Verringerung gesundheitlicher Ungleichheit auf ihre Agenda gesetzt. 2000 machte Portugal auf den Einfluss der Gesundheitsdeterminanten ausserhalb des Gesundheitswesens aufmerksam. 2007 richtete die portugiesische Regierung ihren Fokus auf Gesundheit und Migration. Grossbritannien organisierte 2005 einen Gipfel zum Thema «Tackling health inequalities – governing for health». Finnland machte mit «Health in all policies» auf die Wichtigkeit der Zusammenarbeit der Sektoren und Departemente aufmerksam. Spanien leistete 2010 einen wichtigen Beitrag zum Gesundheitsmonitoring.
Weit fortgeschritten in Fragen der Förderung gesundheitlicher Chancengleichheit sind die skandinavischen Länder. So hat Schweden beispielsweise eine Nationale Strategie zur Unterstützung der Eltern von Kindern von 0 bis 18 Jahren verabschiedet. Für die Umsetzung dieser Strategie hat die Regierung in den Jahren 2009/2010 7 Millionen
Euro bereitgestellt.

Mehr zu Schweden: www.fhi.se/Documents/Aktuellt/Nyheter/Wamala-paper.pdf

Im Februar 2010 hat Grossbritannien seine Strategie «Fair society, healthy lifes» verabschiedet. Die Strategie konzentriert sich darauf, Bedingungen zu schaffen, die es den Menschen ermöglichen, ihr Leben selber zu gestalten. Dafür setzt die Strategie bei den sozialen Determinanten der Gesundheit an.

Mehr zu Grossbritannien: www.ucl.ac.uk/gheg/marmotreview/

Kontakt

Regula Ricka, Regula.Ricka@bag.admin.ch

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