01.03.2014 Guter Start für das Netzwerk Psychische Gesundheit

Evaluation. Das im Dezember 2011 gegründete Netzwerk psychische Gesundheit Schweiz wurde evaluiert. Die Evaluation zieht eine vorwiegend positive Bilanz. Für die kommenden zwei Jahre wurden folglich leichte Kurskorrekturen vorgenommen und die Ressourcen aufgestockt.

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TODO CHRISTIAN

Die von der Universität Zürich durchgeführte Evaluation bescheinigt dem Netzwerk einen guten Start. Trotz der erst kurzen Zeit seines Bestehens konnten die Maschen des Netzes bereits sehr eng verknüpft werden. Das Netzwerk Psychische Gesundheit Schweiz ist aus dem 2005 gegründeten Bündnis gegen Depression hervorgegangen. Ziel war es, die vorwiegend kurative Ausrichtung des Bündnisses mit gesundheitsfördernden Ansätzen zu erweitern. Im Netzwerk sollen sich Organisationen, Institutionen und Unternehmen zusammenschliessen, die sich im Bereich der psychischen Gesundheit engagieren. Das Netzwerk führt selbst keine Massnahmen durch, sondern sorgt für einen Erfahrungs-, Informations- und Wissens­austausch zwischen den Mitgliedsorganisationen. Die Trägerschaft besteht aus der Konferenz der kantonalen Gesundheitsdirektorinnen und -direktoren (GDK), Gesundheitsförderung Schweiz, dem Bundesamt für Sozialversicherungen (BSV), dem Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) und dem Bundesamt für Gesundheit (BAG).

Lob für integrativen Ansatz
Der strategische Ansatz des Netzwerks – die Verbindung von kurativen und gesundheitsfördernden Ansätzen, die sektorübergreifende Zusammenarbeit sowie die Vernetzung und die Förderung des fachlichen Austausches – scheint einem grossen Bedürfnis zu entsprechen. Bei nahezu allen befragten Organisationen stossen diese Zielsetzungen auf grosse Akzeptanz. Auch die befragten Vertretungen der Trägerorganisationen und der Expertengruppe betonen die Wichtigkeit dieses integrativen Konzepts.

Beliebt: Netzwerktagung, Newsletter, Webplattform
Auch die inhaltlichen Aktivitäten des Netzwerks sind unumstritten und werden von allen Befragten geschätzt. So sind die Leistungen und Angebote des Netzwerks – wie die Webplattform, die Netzwerktagung, der Newsletter, der Mailverteiler für die Bündnisse gegen Depression und Beratungsleistungen – den Organisationen im Feld generell gut bekannt und werden häufig genutzt. Besonders die Netzwerktagung, der Newsletter und die Webplattform werden sehr positiv bewertet: In der Online-Befragung hielten rund 90% der 213 Antwortenden diese Angebote für hilfreich für ihre Organisation.

Organisation optimieren
Optimierungspotenzial besteht indes bei der Organisationsstruktur. Die Etablierung einer multisektoralen Trägerschaft aus GDK, BSV, SECO, BAG und Gesundheitsförderung Schweiz wird zwar als bedeutender Schritt erachtet, es zeigen sich aber potenzielle Schwierigkeiten hinsichtlich der strategischen und fachlichen Doppelrolle des Steuerungsausschusses sowie bezüglich der adäquaten inhaltlichen Einbindung aller Partner. Nicht allen Trägerorganisationen gelingt es gleichermassen, die Strategie und die inhaltliche Ausrichtung des Netzwerks zu ihrem eigenen Auftrag in Bezug zu setzen. Es bestehen zudem Unklarheiten und Divergenzen bezüglich der Funktion und des Status der Expertengruppe.
Die Evaluation zeigte zudem auf, dass das Pflichtenheft des Netzwerks im Vergleich zu den dafür zur Verfügung stehenden Ressourcen zu umfangreich ist.

Verlängerung bis 2016
Aufgrund der Evaluation haben die Träger entschieden, die grundsätzliche Stossrichtung des Netzwerks weiterzuverfolgen und das bisherige Leistungsniveau beizubehalten. Verschiedene Empfehlungen des Evaluationsberichtes werden dabei umgesetzt: das Aufstocken der Ressourcen; die Überprüfung der Mitgliederstruktur und nötigenfalls Rekrutierung von noch fehlenden Hauptakteuren; die Setzung von Schwerpunkten mit Blick auf das bundesrätliche Strategiepapier «Gesundheit 2020» in den Bereichen «Psychische Gesundheit und Arbeit/Erwerbsleben» und «Psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen». Schliesslich soll vermehrt fachlicher Input aus dem Kreis der Expertengruppe sowie der Mitgliedsorganisationen eingeholt werden. Um auch langfristig die Arbeit des Netzwerks und dessen Funktionieren zu gewährleisten, sind auf organisatorischer Ebene die Rollen des Steuerungsausschusses und der Expertengruppe zu klären. Der entsprechend angepasste Zusammenarbeitsvertrag der Trägerorganisationen wird bis 2016 verlängert.

Psychische Erkrankungen in der Schweiz

Der im Februar vom Bundesamt für Statistik (BFS) veröffentlichte nationale Gesundheitsbericht 2012 zeigt auf, dass 18% der Schweizer Bevölkerung durch psychische Belastungen in ihrer Lebensqualität beeinträchtigt sind. Die Behandlungsrate bei den Betroffenen ist laut dem Bericht gering, nur jede vierte Person mit einer Depression nimmt eine Behandlung in Anspruch. 17 Prozent der Erwerbstätigen erleben immer oder meistens Stress bei der Arbeit, für weitere 44 Prozent trifft dies manchmal zu.

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Kontakt

Petra Zeyen, Leiterin Evaluationsprojekt im BAG,Fachstelle Evaluation und Forschung, petra.zeyen@bag.admin.ch

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