16.02.2015 Hinter der neuen «SmokeFree»-Kampagne steht eine breite Allianz für die Tabakprävention

Tabakpräventionskampagne «SmokeFree». Immer noch rauchen ein Viertel aller Menschen in der Schweiz. Die neue Auflage der breit angelegten Sensibilisierungskampagne «SmokeFree» des Bundes und seiner Partner aus Kantonen und NGOs will Raucherinnen und Raucher motivieren, sich für ein Leben ohne Tabak zu entscheiden. Die Kampagne ist eine Massnahme im Rahmen des Nationalen Programm Tabak (NPT) und soll in den nächsten drei Jahren dazu beitragen, das Nichtrauchen noch besser als gesellschaftliche Norm zu verankern.

SmokeFree-Kampagne 2015

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TODO CHRISTIAN

SmokeFree-Kampagne 2015

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Das Thema Tabak sorgt für rauchende Köpfe. Am Stammtisch, in der Politik – und nun auch in der Tabakpräventionskampagne «SmokeFree». Für viele aufhörwillige Rauchende steht die Umsetzung des Rauchstopps aber buchstäblich in den Wolken. Die Kampagne will mit von Wolken umgebenen Köpfen auf Plakaten, in Inseraten und TV-Spots für die Gefahren des Tabakkonsums sensibilisieren. Die Rauchenden werden auf existierende Unterstützungsangebote aufmerksam gemacht – etwa die Rauchstopplinie unter Telefon 0848 000 181. Mehr als die Hälfte der Rauchenden geben nämlich an, das Rauchen aufgeben zu wollen. Oft mangelt es aber am konkreten Entschluss. Das Verdrängen und die Handlungsohnmacht sollen überwunden und die Ausstiegsmotivation mit konkreten Hilfestellungen gestärkt werden. Die Kampagne motiviert und unterstützt Aufhörwillige und ihr Umfeld dabei. Ihre Kernbotschaft lautet: «Rauchfreiheit lohnt sich. Du hast es in der Hand. Mach den ersten Schritt. Wir helfen dir dabei.» Aufhörwillige sollen bei Bedarf Hilfe in Anspruch nehmen. Denn der Rauchstopp ist erfolgreicher, wenn er durch fachliche Unterstützung begleitet wird.

Ziele der Schweizer Tabakprävention
Die Schweizer Tabakprävention hat Früchte getragen. Griffen 2007 noch 29% der Bevölkerung zur Zigarette, ist der Anteil rasch auf rund 25% gesunken, stagniert aber seit 2008 auf diesem Wert. Ziel des Nationalen Programms Tabak (NPT) ist eine weitere Senkung auf 23% bis 2016. Denn aus gesundheitspolitischer Sicht ist ein Anteil von 25% Raucherinnen und Raucher immer noch zu hoch. Rauchen ist Nummer eins der vermeidbaren Todesursachen, rund 9 000 Menschen sterben in der Schweiz jährlich an den Folgen des Tabakkonsums. Neben dem persönlichen Leid belasten Rauchende auch die Volkswirtschaft. Die medizinischen Behandlungskosten belaufen sich dabei auf 1,2 Milliarden Franken, die Erwerbsausfallskosten auf 3,8 Milliarden Franken.

Zusammenspiel der Massnahmen zeigt Wirkung
Tabakprävention ist nur dann erfolgreich, wenn sie aus einem Bündel von Massnahmen besteht, die sich gegenseitig unterstützen. Das NPT kombiniert Massnahmen der Verhaltensprävention mit strukturellen Massnahmen. Ein gutes Beispiel für die Wirksamkeit von ineinandergreifenden Massnahmen ist das Bundesgesetz zum Schutz vor Passivrauchen. Die Tabakpräventionskampagnen der Jahre 2001 bis 2009 sties­sen eine öffentliche Debatte zum Thema Tabak und Passivrauchschutz an, die einen gesellschaftlichen Wandlungsprozess ins Rollen brachte. Dank der Sensibilisierung der Bevölkerung für die Problematik des Passivrauchens erhöhte sich die Akzeptanz von strukturellen Präventionsmassnahmen. Mit der Einführung des Passivrauchschutzgesetzes vor fünf Jahren verringerte sich die Anzahl Menschen, die den Rauch anderer einatmen müssen, deutlich, nämlich von 35% (2002) auf rund 6% im Jahr 2013. Auch im Bereich Jugendschutz sind regulatorische Massnahmen – wie sie das geplante Tabakproduktegesetz vorsieht – erfolgversprechend. Kann der Einstieg verhindert werden, ist viel gewonnen. Denn 57% der Rauchenden haben vor ihrem 18. Geburtstag mit dem Rauchen angefangen.

Die Kampagne «SmokeFree» ist eine Massnahme im Rahmen des NPT. Das Kostendach für das Gesamtprojekt ist mit 9 Millionen Franken veranschlagt, welches in Relation zu jährlichen tabakbedingten Kosten für die Volkswirtschaft von 5 Milliarden Franken steht. Die Kampagnenkosten decken die Entwicklung und Produktion der Kampagne, die drei Jahre Laufzeit der massenmedialen Kampagne (TV, Plakat, Print, Online), zwei grosse Teilprojekte, welche mit Partnern umgesetzt werden, sowie die Kosten für die wissenschaftliche Analyse und Evaluation zur Kampagne.  

«Ich bin stärker. SmokeFree»
Die «SmokeFree»-Kampagne bietet ein Dach für alle Tabakpräventionsaktivitäten in der Schweiz. Der einheitliche visuelle Auftritt mit der geknickten Zigarette und dem Slogan «Ich bin stärker.»
unterstreicht die Anliegen der Tabakprävention. Hinter der «SmokeFree»-Kampagne steht eine breite Allianz von Partnern aus dem Feld der Tabakprävention. Entwickelt und umgesetzt wurde die Kampagnenstrategie von einer Steuergruppe, welche zu gleichen Teilen aus Vertretungen des Bundesamts für Gesundheit, der Kantone und der NGOs besteht. Für alle Akteure der Tabakprävention besteht die Möglichkeit, sich über verschiedene Partner- und Teilprojekte aktiv an der Kampagne zu beteiligen. Der Einbezug aller Akteure ermöglicht eine auf verschiedene Bedürfnisse abgestimmte Kampagne. Umgekehrt profitiert die Kampagne vom direkt einfliessenden Fachwissen der Partner bei der Entwicklung und Umsetzung.

Die drei Phasen der Kampagne
Die Kampagne gliedert sich in drei aufeinander aufbauende Phasen, in welchem sich der Fokus von der individuellen Ansprache und Motivation über das soziale Lernen bis hin zur normativen Bekräftigung ausdehnt.

Phase 1 (2015): Mit dem Start der Kampagne wird der Fokus auf Aufmerksamkeitserzeugung und Wissensvermittlung gelegt. Konkret will die Kampagne im ersten Kampagnenjahr über die Schädlichkeit des Rauchens aufklären, gleichzeitig aber auch Unterstützungsange­bote bekannt machen. In der ersten Kampagnenphase sollen primär Rauchende angesprochen werden.

Phase 2 (2016): Im zweiten Kampagnenjahr verschiebt sich der angestrebte Wirkungszielraum der Dachkampagne in Richtung soziale Umgebung. Die Kampagne will konkrete Aufhörpläne fördern und dadurch Akzeptanz für die Tabakprävention auf breiter Basis schaffen. Dem wichtigen Einfluss des sozialen Lernens wird dabei Rechnung getragen: Positive Rollenmodelle (z.B. Exraucher) und das Umfeld von Rauchenden werden bei der kommunikativen Überzeugungsarbeit einbezogen.

Phase 3 (2017): Mit der dritten Kampagnenphase verlagert sich der Fokus noch stärker in Richtung gesellschaftliche Ebene. Die Dachkampagne zielt im dritten Jahr auf die Bestätigung und Förderung der Kultur des Nichtrauchens. Das positive Image und die Norm des Nichtrauchens sollen verstärkt werden. Entsprechend werden in der dritten Phase insbesondere die Nichtrauchenden und Exrauchenden angesprochen.

Die Kampagne stärkt über die Sensibilisierung der breiten Öffentlichkeit die soziale Norm Nichtrauchen und unterstützt Rauchende auf ihrem Weg in ein rauchfreies Leben. Angehörige und soziales Umfeld sehen sich in ihrer wichtigen Mittleraufgabe unterstützt. «Es geht darum, die Betroffenen und ihr Umfeld zu motivieren und zu involvieren», erklärte Thomas Beutler von der Arbeitsgemeinschaft Tabakprävention, der als Vetreter für die NGOs in der Steuergruppe mitentscheidet.

Eigene Projekte unter dem gemeinsamen Dach
Die Partnerkampagne bildet ein visuelles Dach für die Aktivitäten der Tabakprävention und verbindet das Nationale Programm Tabak mit der Vielzahl an Partneraktivitäten in der ganzen Schweiz. Zwei grosse Teilprojekte sollen die Kampagne und ihre Botschaften näher zu den Menschen bringen und im Alltag erlebbar machen. Im Sinne einer Bündelung der Kräfte soll es grundsätzlich allen Akteuren der Tabakprävention möglich sein, ihre eigenen Projekte unter dem Dach der Kampagne zu vereinen. Die «SmokeFree»-Kampagne bietet den Partnerorganisationen verschiedene Möglichkeiten, sich aktiv an der Kampagne zu beteiligen: beispielsweise durch die Bestellung und den Einsatz von Kampagnenmaterialien, durch die Umsetzung eines Partnerprojekts oder durch die enge Zusammenarbeit im Rahmen eines Teilprojekts.

«Rauchen lässt dich alt aussehen»
In der ersten Kampagnenphase, ab Frühjahr 2015, werden die Raucherinnen und Raucher und ihre Bezugspersonen angesprochen. Dabei sollen, ausgehend von den negativen Folgen des Rauchens, die Aufhörwilligen bestärkt und auf die vorhandenen Unterstützungsangebote hingewiesen werden. Im Zentrum der Kampagne stehen zwei TV-Spots, da über diesen Kanal ein sehr breites Publikum erreicht werden kann. Einer der neuen Spots thematisiert augenzwinkernd die frühzeitige Alterung durch das Rauchen – die im Grossraumbüro gefeierte Kollegin wird gar nicht 43, sondern erst 34 Jahre alt. Der andere TV-Spot bringt die fehlende Kondi­tion von Raucherinnen und Rauchern zu Sprache; er zeigt eine Gruppe Radfahrer auf einer Velotour – und den weit zurückliegenden atemlosen Raucher. Plakate und Inserate stellen in der ersten Kampagnenphase Aufhörwillige vor – den Kopf umhüllt von einer Rauchwolke. «Antonio hört auf. Das schaffst auch du.» lautet die Botschaft. In der zweiten Kampagnenphase, 2016, wird es konsequenterweise (und ohne Wolkenkopf) heissen: «Antonio hat aufgehört. Das schaffst auch du.»

Nationales Programm Tabak 2008–2016

Mission: Die tabakbedingten Todes- und Krankheitsfälle in der Schweiz sind reduziert.

Oberziel 1: Der Anteil der Rauchenden in der Wohnbevölkerung der Schweiz ist um 20%, d. h. von 29% (2007) auf rund 23%, gesunken.
Oberziel 2: Der Anteil der Rauchenden in der Altersgruppe der 15- bis 19-Jährigen ist um 20%, d. h. von 24% (2007) auf unter 20%, gesunken.
Oberziel 3: Der Anteil der Personen, die wöchentlich sieben Stunden oder mehr dem Tabakrauch anderer Personen ausgesetzt sind, ist um 80%, d. h. von 27% (2006) auf rund 5%, gesunken.

Strategische Zielsetzung im Handlungsfeld «Information und Meinungsbildung»:
Strategisches Ziel 1: Im gesellschaftlichen Zusammenleben ist Nichtrauchen selbstverständlich.
Strategisches Ziel 2: Das Wissen über die Schädlichkeit des Tabakkonsums ist erhöht und die Akzeptanz für die Tabakprävention ist in Bevölkerung und Politik gestiegen.

«Das Ergebnis intensiver Zusammenarbeit»

«Die Partnerkampagne ist das Ergebnis einer intensiven Zusammenarbeit der verschiedenen Akteure der Tabakprävention. Die Steuergruppe beteiligte sich in jeder Phase aktiv an der Entwicklung des Projekts. Die Diskussionen waren angeregt und konstruktiv und zielten stets auf konkrete Entscheidungen.
Die Kampagne lädt Raucherinnen und Raucher ein, über das Aufhören nachzudenken. Erfolg wird ihr zuteil, wenn sie in einen gesellschaftspolitischen Rahmen eingebettet wird, der den Einstieg neuer Raucherinnen und Raucher tatsächlich verhindert. Noch ist dies nicht der Fall, aber im Idealfall wird das neue Tabakproduktegesetz diesen Rahmen vervollständigen.»

Myriam Pasche, CIPRET (Informationszentrum für Tabakprävention) Waadt,
Lausanne; Vertreterin der Kantone in der Steuergruppe

Links

Kontakt

Adrian Kammer, Leiter Sektion Kampagnen, adrian.kammer@bag.admin.ch

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