08.01.2018 Interkulturelles Dolmetschen bringt und hat Erfolg

Interkulturelles Dolmetschen. Fremdsprachige benötigen bei Beratungsgesprächen oder Konsultationen oft interkulturelles Dolmetschen. Sonst kann ihr chancengleicher Zugang zu unserem Gesundheitswesen nicht gewährleistet werden. Das BAG fördert den Einsatz und die Qualität des interkulturellen Dolmetschens mit Erfolg. In Zukunft wird es aber noch schnellere und kundenfreundlichere Lösungen brauchen.

Bild/Copyright: BAG, Walter Imhof

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Wenn es um die Gesundheit geht, ist es entscheidend, zu verstehen und verstanden zu werden. Rund 200 000 Menschen in der Schweiz sprechen jedoch weder eine Landessprache noch Englisch, und rund 700 000 Menschen sprechen eine andere Hauptsprache als eine der Landessprachen. Sind dazu noch grössere soziokulturelle Unterschiede auszumachen, führt das oft zu Verständigungsproblemen zwischen Patienten bzw. Patientinnen und Gesundheitsfachleuten. Diese Probleme können nur in bescheidenem Rahmen mit Hilfe von Spital- bzw. Praxispersonal oder Familienangehörigen gelöst werden. Oft müssen zertifi zierte interkulturell Dolmetschende beigezogen werden, sonst bestehen erhebliche Risiken von Fehldiagnosen und Fehlbehandlungen. Zudem gefährden Verständigungsschwierigkeiten den therapeutischen Erfolg: Sie beeinträchtigen Behandlungsqualität, Patientencompliance sowie Patientensicherheit und verunmöglichen die aufgeklärte Einwilligung der Patienten bzw. Patientinnen bei medizinischen Eingriffen (informed consent).

Engagement des BAG

Professionelle interkulturell Dolmetschende sind bei Gesprächen persönlich anwesend oder werden via Telefondolmetschdienst beigezogen. Sie übersetzen beidseitig vollständig, sinngenau und sind der Schweigepflicht unterworfen. Die Anzahl Einsätze von interkulturell Dolmetschenden ist in den letzten Jahren stark angewachsen (2010: 72 000 Einsatzstunden im Gesundheitsbereich; 2016: 169 852 Einsatzstunden). Das BAG fördert den Einsatz und die Qualität des interkulturellen Dolmetschens im Rahmen seines Engagements zugunsten der gesundheitlichen Chancengleichheit.

Oft müssen zertifizierte interkulturell Dolmetschende beigezogen werden, sonst bestehen erhebliche Risiken von Fehldiagnosen und Fehlbehandlungen.

Schwerpunkte sind auch in Zukunft:

  • Das Kompetenzzentrum für interkulturelles Dolmetschen INTERPRET: Dieses ist für das Ausbildungs- und Qualifizierungssystem des interkulturellen Dolmetschens in der Schweiz verantwortlich. Das zweistufi ge Qualifizierungsverfahren (mit dem Zertifikat INTERPRET und dem eidg. Fachausweis für interkulturell Dolmetschende) geniesst inzwischen nationale Bekanntheit und Anerkennung: 1150 interkulturell Dolmetschende besitzen das Zertifi kat INTERPRET, 114 verfügen zusätzlich über den eidg. Fachausweis.
  • Der nationale Telefondolmetschdienst: Dieser nimmt an allen Wochentagen Anrufe aus der ganzen Schweiz entgegen und vermittelt professionelle Dolmetschende. Das Angebot ist besonders für kurze Gespräche geeignet und wenn eine schnelle Verständigung notwendig ist.

Herausforderungen für die Zukunft

Der Nutzen des professionellen Dolmetschens für eine effiziente und qualitative Kommunikation zwischen Gesundheitsfachpersonen und fremdsprachigen Patienten ist inzwischen anerkannt. Die Nachfrage ist entsprechend gewachsen – nicht nur im Gesundheitsbereich, sondern auch im Bildungs- und Sozialbereich. Mit 310 500 geleisteten Einsatzstunden (2016) in diesen drei Bereichen und einem jährlichen Zuwachs von 10 bis 15 Prozent hat sich das Angebot in der ganzen Schweiz etabliert. Die steigende Anzahl der zu vermittelnden Dolmetscheinsätze stellt die Vermittlungsstellen jedoch vor immer grössere administrative und technische Herausforderungen. Zurzeit wird nach schnelleren und kundenfreundlicheren Lösungen gesucht – dies unter Mitberücksichtigung von neuen technologischen Möglichkeiten.

Neue Technologien sind auch beim Dolmetschen selbst ein Thema. Insbesondere das in Deutschland und Österreich bereits erfolgreich eingesetzte Videodolmetschen birgt ein grosses Potenzial. Bereits in diesem Jahr führen vier Vermittlungsstellen in diesem Bereich ein Pilotprojekt durch, das evaluiert werden soll.

Die Finanzierung der Dolmetscheinsätze im Gesundheitsbereich bleibt eine Herausforderung, für die bis anhin noch keine zufriedenstellende Lösung gefunden werden konnte. Einige Kantonsspitäler können ihre Dolmetschkosten dank kantonalen Beiträgen decken. In vielen Spitälern sowie insbesondere auch im spitalexternen ambulanten Bereich (z.B. für Haus- und Kinderärzte) sind die fehlenden Abrechnungsmöglichkeiten ein ungelöstes Problem.

Links

Kontakt

Michèle Baehler, Sektion Gesundheitliche Chancengleichheit, michele.baehler@bag.admin.ch

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