23.10.2018 Interkulturelles Dolmetschen in der Geburtshilfe

Verbesserung. Sprachbarrieren können in der Gesundheitsversorgung zu Missverständnissen und in der Folge zu gesundheitlichen Komplikationen und Mehrkosten führen. Das gilt auch in der Geburtshilfe. Durch interkulturelles Dolmetschen werden Frauen in ihrer Muttersprache angesprochen und auf diese Weise Schwangerschaft und Geburt optimiert.

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TODO CHRISTIAN

Wenn es um die Gesundheit geht, ist es entscheidend, zu verstehen und verstanden zu werden. Insbesondere in der Geburtshilfe spielen vertrauensvolle Gespräche eine zentrale Rolle. Schwangere müssen verstehen, welche Eingriffe geplant sind. Sie müssen mitentscheiden und ihre eigenen Anliegen verständlich machen können.

Dolmetschen verbessert Behandlungsqualität

Unter den in der Schweiz lebenden Migrantinnen gibt es viele, die zwar ein Alltagsgespräch führen können, aber bei komplizierteren Gesundheitsfragen sprachlich überfordert sind und sich im Gesundheitswesen nicht recht auskennen. Dies ist eine Herausforderung für die medizinische Betreuung. Insbesondere während Schwangerschaft und Geburt können Missverständnisse ungewollte medizinische Eingriffe (z. B. Dammschnitt, Kaiserschnitt) und hohe Folgekosten verursachen. Deshalb ist interkulturelles Dolmetschen bei Beratungsgesprächen oder Arztkonsultationen wichtig.

Schwangere Migrantinnen haben verglichen mit einheimischen Schwangeren oft einen schlechteren physischen und psychischen Gesundheitszustand. Das BAG setzt sich für einen chancengleichen Zugang zum Gesundheitswesen ein, unabhängig von Sprache, Herkunft, sozialem Status und Bildungsniveau. Seit 2002 werden daher der Einsatz und die Qualität des interkulturellen Dolmetschens gefördert. Das Interesse an dieser Dienstleistung hat in den vergangenen Jahren stark zugenommen. Das Besondere an interkulturell Dolmetschenden ist, dass sie nicht nur übersetzen, sondern auch bei Missverständnissen aufgrund unterschiedlicher Herkunft und Lebenswelt vermitteln. Sie verfügen über eine zertifizierte Ausbildung und sind an die Schweigepflicht gebunden.

Gefühl der Abhängigkeit

Die Studie «Barrierefreie Kommunikation in der geburtshilflichen Versorgung allophoner Migrantinnen – BRIDGE» zeigt, dass Patientinnen (aus Eritrea, dem Kosovo und aus Albanien) in der Schweiz teilweise die Erfahrung machten, wesentliche Dinge nicht erklärt zu bekommen, und sich entsprechend abhängig fühlten. Sie hatten den Eindruck, in wichtige Entscheidungen nicht einbezogen zu werden, was zum Teil grosse Ängste auslöste. Auch nach einem Eingriff (z. B. Notfallkaiserschnitt) erhielten sie nicht immer ausreichende Erklärung. Die Resultate der Studie zeigen weiter: Eine gute Verständigung ist zentral für die Gesundheitsversorgung, und Verständigungsschwierigkeiten zwischen Patientinnen und Gesundheitsfachleuten können durch interkulturelles Dolmetschen reduziert werden. Allerdings sollten die Fachleute darauf achten, nicht zu viele Informationen auf einmal zu geben, da die Patientinnen mit der Fülle von Informationen bald überfordert  waren. Die BRIDGE-Studie enthält zahlreiche Empfehlungen, wie die Kommunikation in der geburtshilflichen Praxis verbessert werden kann.

Quelle:Barrierefreie Kommunikation in der geburtshilflichen Versorgung allophoner Migrantinnen – BRIDGE, Paola Origlia Ikhilor et al., Juli 2017

Kontakt

Michèle Baehler, Sektion Gesundheitliche Chancengleichheit,
 

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