23.03.2015 Jugendliche rauchen und trinken weniger häufig – aber die Prävention darf nicht nachlassen

Studie HBSC. Die neusten Resultate der Schülerinnen- und Schülerbefragung von 2014 zeigen eine deutliche Abnahme des Substanzkonsums, namentlich beim Alkohol und Zigarettenrauchen. Die 15-Jährigen von heute scheinen mit Suchtmitteln zurückhaltender umzugehen als früher. Am 23. März hat Sucht Schweiz die Ergebnisse der repräsentativen nationalen Schülerstudie in Bern vorgestellt. Die Untersuchung bei rund 10'000 Jugendlichen zwischen 11 und 15 Jahren aus allen Landesteilen wird alle vier Jahre im Auftrag des Bundesamts für Gesundheit (BAG) durchgeführt.

Irene Abderhalden, Direktorin Sucht Schweiz

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Irene Abderhalden, Direktorin Sucht Schweiz

Roy Salveter, Co-Leiter Abteilung Nationale Präventionsprogramme, Bundesamt für Gesundheit

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Roy Salveter, Co-Leiter Abteilung Nationale Präventionsprogramme, Bundesamt für Gesundheit

Irene Abderhalden, Direktorin Sucht Schweiz, Lausanne

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Irene Abderhalden, Direktorin Sucht Schweiz, Lausanne

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Irene Abderhalden, Direktorin Sucht Schweiz, Lausanne

Marina Delgrande, Projektleiterin HBSC-Studie bei Sucht Schweiz

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Marina Delgrande, Projektleiterin HBSC-Studie bei Sucht Schweiz

Marina Delgrande, Projektleiterin HBSC-Studie bei Sucht Schweiz

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Marina Delgrande, Projektleiterin HBSC-Studie bei Sucht Schweiz

Roy Salveter, Co-Leiter Abteilung Nationale Präventionsprogramme, Bundesamt für Gesundheit

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Roy Salveter, Co-Leiter Abteilung Nationale Präventionsprogramme, Bundesamt für Gesundheit

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Jugendliche trinken und rauchen weniger häufig als noch vor vier Jahren. Für die Suchtprävention ist diese positive Entwicklung erfreulich, aber kein Grund zum Nachlassen. Der Trend darf als Hinweis gedeutet werden, dass Prävention Wirkung zeigt. Andererseits sind die Konsumzahlen bei Jugendlichen, an die eigentlich überhaupt kein Alkohol oder Tabak abgegeben werden dürfte, nach wie vor zu hoch. Für die Prävention liegt im rückläufigen Konsum die Chance, dass weniger junge Menschen problematische Konsummuster entwickeln und verfestigen. Es gilt nun, die erfreulichen Trends zu nutzen. An der Präsentation der HBSC-Studie sagte Roy Salveter, Co-Leiter der Abteilung Nationale Präventionsprogramme beim BAG: «Die erfreulichen Resultate der Schülerinnen- und Schülerbefragung zeigen uns, dass Prävention sich lohnt und spornen das BAG an, sein Engagement für Prävention, Koordination und Verbesserung von gesundheitsförderlichen Rahmenbedingungen zusammen mit den verschiedenen Partnern weiterzuführen. Die Früherkennung gefährdeter Jugendlicher muss ausgebaut und der Vollzug der Jugendschutzbestimmungen verbessert werden, denn immer noch kommen Jugendliche viel zu leicht an diese Substanzen.»  

Seit der ersten Datenerhebung im 1986 sind heute bei der Konsumhäufigkeit im Bereich Alkohol und Tabak Tiefstwerte zu verzeichnen, wobei der Rückgang in den letzten vier Jahren deutlich ausfällt. Dieser betrifft die meisten im Rahmen der Befragung berücksichtigten Indikatoren – einzige Ausnahme ist der mindestens einmalige Cannabisgebrauch im Monat vor der Befragung, welcher unverändert blieb.
Im Fokus stehen nachstehend die 15-jährigen Jungen und Mädchen.  

Alkoholkonsum: Markanter Rückgang bei 15-jährigen Jungen

Folgende Zahlen verdeutlichen die positive Konsumentwicklung der letzten vier Jahre. 10% der 15-jährigen Jungen und 6% der gleichaltrigen Mädchen in der Schweiz trinken mindestens einmal pro Woche Alkohol. (Im 2010 waren es noch 27% bzw. 13%). Besonders deutlich ist hier der Rückgang um fast zwei Drittel bei den 15-jährigen Buben. Ein ähnlicher Verlauf zeigt sich bei der selbst wahrgenommenen Betrunkenheit, wenn auch weniger ausgeprägt. 16% der 15-jährigen Buben und 13% der Mädchen gaben an, schon mindestens zwei Mal im Leben richtig betrunken gewesen zu sein. (Im 2010 waren es noch 28% bzw. 21%).

Die meist genannte Kategorie von Motiven für den Alkoholkonsum betraf soziale Motive, d.h. um Spass zu haben (feiern, lachen usw.), wobei Bier bei den 15-Jährigen das beliebteste alkoholische Getränk ist. Nur eine Minderheit gab an, zu trinken um Freunde oder Freundinnen zu gewinnen oder einer bestimmten Gruppe anzugehören.

Mehr als 75% der 15-jährigen Jugendlichen, die mindestens einmal im Monat vor der Befragung Alkohol tranken, sagten, alkoholische Getränke von Bekannten erhalten zu haben. Immerhin gab gut ein Viertel der Konsumierenden an, die Getränke selber gekauft zu haben, obwohl die Abgabe an unter 16-Jährige eigentlich verboten ist.  

Weniger 15-jährige Mädchen und Jungen rauchen

Etwas mehr als ein Drittel der 15-Jährigen haben schon einmal eine Zigarette geraucht und 7% der 15-Jährigen rauchen täglich (im 2010 waren es noch 12%), wobei keine signifikanten Unterschiede zwischen den Geschlechtern bestehen. In der jüngsten Befragung gaben etwas mehr als die Hälfte der 15-jährigen täglich Rauchenden an, bis zu fünf Zigaretten pro Tag zu rauchen; gut ein Viertel raucht bis zu einem halben Paket (6-10 Zigaretten). Das mindestens wöchentliche Rauchen erreichte im 2014 einen Tiefststand: 12 % der 15-jährigen Jungen rauchen mindestens einmal pro Woche, bei den gleichaltrigen Mädchen sind es 9%. (Im 2010 waren es noch 19% bzw. 15%).

Jugendliche haben oft verschiedene Bezugsquellen: Gut zwei Drittel jener, die mindestens einmal im Monat vor der Befragung rauchten, haben Zigaretten von Bekannten bekommen. Und fast zwei Drittel sagten, Zigaretten selber gekauft zu haben. Dieser hohe Anteil bestätigt die Resultate von Testkäufen, wonach Jugendliche selbst in Kantonen mit Verkaufsverbot an Minderjährige relativ leicht selber Zigaretten kaufen können.  

Weniger starker Rückgang beim Cannabis

30% der 15-jährigen Jungen und 19% der gleichaltrigen Mädchen gaben in der Befragung im 2014 an, schon einmal im Leben Cannabis konsumiert zu haben. (Im 2010 waren es noch 36% bzw. 25%). Der einzige Indikator, der im 2014 nicht zurückging, ist der Gebrauch in den 30 Tagen vor der Befragung. Die jüngsten Resultate zeigen, dass knapp 15% der 15-jährigen Jungen und 10% der Mädchen mindestens einmal im letzten Monat Cannabis konsumierten. Auffallend ist, dass die grosse Mehrheit der Cannabisgebrauchenden auch Alkohol und Zigaretten konsumiert.

Bekannte werden deutlich am häufigsten als Zugangsquelle zu Cannabisprodukten genannt.  

Mögliche Erklärungsansätze

«Der Rückgang beim Alkohol- und Tabakkonsum könnte eine Normänderung widerspiegeln und eventuell auch Ausdruck eines stärkeren Gesundheitsbewusstseins in der Gesellschaft sein», sagt Irene Abderhalden, Direktorin von Sucht Schweiz. Die Resultate lassen vermuten, dass eine neue Generation von Jugendlichen heute ein anderes Konsumverhalten zum Ausdruck bringt.

Die Frage stellt sich, ob die Nutzung neuer Medien einen Einfluss hat. Die meisten 15-jährigen Jugendlichen gaben an, in ihrer Freizeit mehr als drei Stunden pro Tag am Computer, vor dem Fernseher, dem Smartphone oder der Spielkonsole zu verbringen. Es ist denkbar, dass Jugendliche deswegen mehr Zeit zu Hause verbringen und so weniger in direkten Kontakt mit Suchtmitteln kommen. Andererseits bietet das Internet viele Werbemöglichkeiten, die den Konsum begünstigen können. Bei intensiver Mediennutzung sind überdies Schlafprobleme eine mögliche Folge oder andere Aktivitäten und Freundschaften im «realen» Leben werden vernachlässigt.

Suchtprävention als gesamtgesellschaftliche Aufgabe

Der Rückgang ist sehr erfreulich; dabei darf nicht vergessen werden, dass Jugendliche in diesem Alter noch gar nicht konsumieren sollten. Der im Wachstum befindliche Körper ist anfälliger für die Schäden des Substanzkonsums. Eine Alkoholvergiftung, Schwierigkeiten in der Ausbildung, ungewolltes Verhalten wie sexuelle Kontakte oder Gewalttätigkeiten sind mögliche Gefahren beim Alkoholkonsum. Schon nach ca. drei Wochen regelmässigen Rauchens können Jugendliche von Nikotin abhängig werden. Wer früh beginnt, raucht meist länger – mit dem Risiko, später lebensbedrohliche Krankheiten zu entwickeln. Und je jünger jemand anfängt, Cannabis regelmässig in grossen Mengen zu konsumieren, desto schwieriger wird es, davon loszukommen. Bei gewohnheitsmässigem Gebrauch kann u.a. die Lernfähigkeit beeinträchtigt werden.  

Jugendschutz verankern und umsetzen 

Jugendliche brauchen daher besonderen Schutz. «Der gesetzlich verankerte Jugendschutz bleibt ein zentrales Anliegen der Prävention, wenn auch künftige Generationen nicht wieder mehr konsumieren sollen», betont Irene Abderhalden. Wichtig sind die Einhaltung des gesetzlichen Abgabealters für Alkoholika, ein nationales Abgabeverbot an Minderjährige beim Tabak sowie vermehrt Testkäufe. Dass beim Cannabis – im Gegensatz zu Alkohol und Tabak – der aktuelle Konsum stagniert, wirft die Frage auf, wie die Gesellschaft mit dieser Substanz am besten umgehen soll.

Jugendschutzmassnahmen reichen aber nicht aus, zumal sich Jugendliche an der Erwachsenenwelt orientieren. Damit junge Menschen von heute sowie die Generationen von morgen auch zukünftig vorsichtig mit psychoaktiven Substanzen umgehen, muss Suchtprävention als gesamtgesellschaftliche Aufgabe verstanden werden. Es scheint, dass Teenager von heute in einem gesellschaftlichen Umfeld aufwachsen, in dem namentlich das tägliche Rauchen oder Trinken nicht einfach mehr «normal» ist. Es lohnt sich, in präventive Massnahmen zu investieren, die in der Gesellschaft neue Normen beeinflussen können, dazu zählen z. B. die Einschränkung der Verfügbarkeit sowie der Attraktivität eines Suchtmittels. «Gesetzliche Massnahmen, wie das Gesetz zum Schutz vor Passivrauchen, das vor 5 Jahren in Kraft getreten ist, tragen dazu bei, dass Rauchen in der Öffentlichkeit nicht mehr als selbstverständlich erachtet wir», sagte Roy Salveter vom BAG, «das Nichtrauchen hat sich als positive Regel etabliert.»  

Gefährdung früh erkennen

Die positiven Resultate der Schülerstudie dürfen nicht vergessen lassen, dass eine kleine Gruppe von Jugendlichen schon in diesem Alter regelmässig und mehrere psychoaktive Substanzen konsumiert. Wer früh gewohnheitsmässig konsumiert, trägt höhere Risiken. Für diese Jugendlichen müssen verstärkt spezifische Massnahmen, wie z. B. Präventionsprojekte in der Familie, umgesetzt werden. Gleichzeitig gilt es, früh anzusetzen und bekannte Risikogruppen – beispielsweise Kinder aus suchtbelasteten Familien – bei Bedarf zu unterstützen.  

Die Schülerstudie HBSC

Die Schülerstudie HBSC (Health Behaviour in School-aged-Children) ist eine internationale Studie, welche in mehr als 40 Ländern unter der Schirmherrschaft der Weltgesundheitsorganisation durchgeführt wird. Seit 28 Jahren untersucht Sucht Schweiz das Gesundheitsverhalten und den Substanzgebrauch der Jugendlichen in der Schweiz. Im Erhebungsjahr 2014 beteiligten sich 630 Klassen mit 9'894 Schülerinnen und Schülern im Alter von 11 bis 15 Jahren. Die Studie wird vom BAG und den Kantonen finanziert.  

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Kontakt

Adrian Gschwend, Sektion Drogen, adrian.gschwend@bag.admin.ch

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