19.12.2017 « Addictions et société : Voyage au pays des ombres. » (Sucht und Gesellschaft: eine Reise in dunkle Gefilde.)

Buchempfehlung. Wie lässt sich Suchtverhalten mithilfe der Sozialwissenschaften verstehen? Wie lässt sich eine Annäherung zwischen der akademischen Welt und der Berufswelt herbeiführen? Anlässlich des 50-jährigen Jubiläums des Westschweizer Fachverbands GREA und des 10-jährigen Jubiläums der Genfer Vereinigung «Première Ligne» fand vom 11. bis zum 13. November 2014 ein wissenschaftliches Kolloquium unter dem Titel «Addictions et société» statt. Um das Wesentliche dieses dreitägigen Austausches festzuhalten, publizierte der GREA in Zusammenarbeit mit der Universität Genf eine Sonderausgabe der Zeitschrift Sociograph. ¶

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Die Autoren in diesem Sammelband gehen von der Feststellung aus, dass Süchte (ob substanzgebunden oder nicht) ein soziales Phänomen sind, das die gesamte Gesellschaft betrifft. Vor diesem Hintergrund müssen zahlreiche Fachgebiete wie Recht, Soziologie, Anthropologie, Ökonomie, Geschichte, Philosophie oder auch Politikwissenschaften ihren Beitrag leisten, damit wir die sozialen, politischen und wirtschaftlichen Dynamiken, die in diesen Bereich hineinspielen, besser verstehen.

Das reichhaltige und fundierte Werk befasst sich mit den Zusammenhängen zwischen Sozialwissenschaften und Sucht. Es lässt die vielfältigen Fachbereiche der Humanwissenschaften, von denen jeder einen Aspekt der vielschichtigen Thematik beleuchten kann, in einen Dialog mit Suchtfachleuten, Betroffenen und Beteiligten treten. Es führt mehrere Akteure aus dem Suchtbereich wie Fachpersonen für Gesundheit und Soziales, Forschende, Lehrkräfte und Studierende erfolgreich zusammen, um allen wissenschaftlichen Fachgebieten, die hier eine Rolle spielen, mehr Ausdruck und Sichtbarkeit zu verleihen.

Die Gesundheitsversorgung als linearen, chronologischen Pfad

Das Werk zeichnet sich dadurch aus, dass es uns über die Kluft zwischen der Medikalisierung und der Verrechtlichung des Suchtbereichs hinaus schauen lässt. « La médecine des addictions est indispensable, comme l’établissement de règles et de lois pour encadrer les usages » (Die Suchtmedizin ist für die Suchtbetreuung unerlässlich, genau wie die Festlegung von Regeln und der Erlass von Gesetzen, S.16).

Weiter wird darauf hingewiesen, dass man den Wert eines diversifizierten Blickwinkels nicht vergessen darf, und schlägt unter anderem vor, die Versorgung als linearen, chronologischen Pfad zu verstehen. Dazu wird festgehalten: « La contribution des sciences sociales du côté des pratiques professionnelles au sens classique du « métier » doit investir un autre espace que celui qu’alimentent déjà généreusement les savoirs médicaux, psychothérapeutiques comme ceux de l’éducation spécialisée ou du travail social » (Der Beitrag der Sozialwissenschaften zu den Berufspraktiken im klassischen Sinne muss einen anderen Bereich besetzen als denjenigen, der bereits vom Fachwissen auf den Gebieten Medizin, Psychotherapie, Heilpädagogik oder Sozialarbeit umfassend abgedeckt wird, S. 18–19).

Buchempfehlung von Thomas Siegrist, Abteilung NCD,

Verlag: Institut de recherches sociologiques (IRS), Universität Genf (Sociograph - Sociological Research Studies, 25).
Herausgegeben von: Anne Philibert, Géralidine Moret und Sandro Cattacin
Erschienen: 2017
Seiten: 403 Seiten
Preis: 30 CHF, inkl. Porto

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