01.09.2010 «Club Health Conference» zum ersten Mal in der Schweiz

Prävention in der Partyszene. Vom 7. bis 9. Juni 2010 fand in Zürich der internationale Club-Health-Kongress statt. Renommierte Forscherinnen und Forscher sowie über 200 Fachleute aus dem In- und Ausland diskutierten über neuste Erkenntnisse rund um das Thema Substanzkonsum und Gesundheit im Nachtleben.

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Das Nachtleben in den europäischen Städten wird immer vielfältiger und attraktiver. Ausgehen macht aber nicht nur Spass, sondern kann auch zu Problemen wie Alkoholmissbrauch, Konsum von illegalen Substanzen, Lärm, Müll oder Gewalt führen. Der Club-Health-Kongress ist die wichtigste internationale Konferenz zu den Themen Prävention, Sicherheit, Schadensminderung und Forschung im Bereich Nachtleben. Die sechste Ausgabe fand dieses Jahr erstmals in der Schweiz im Zürcher Club X-TRA statt. In über 80 Vorträgen wurden die neuesten Erkenntnisse aus Praxis, Forschung, Sicherheit, Politik, Club- und Eventorganisation präsentiert und diskutiert. Alkoholkonsum oder seine Kombination mit anderen Drogen, chemische Analyse von Partydrogen, Gewalt und sexuelle Gesundheit bildeten die Themenschwerpunkte des Kongresses.

Synthetische Drogen: Problem Nummer eins
Matthew Nice, Forschungsexperte beim UN-Büro für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNDOC), informierte über die aktuelle Situation auf dem weltweiten Markt für synthetische Drogen – und sie ist prekär. Weltweit konsumieren jedes Jahr schätzungsweise 16 bis 51 Millionen Personen Stimulanzien auf Amphetaminbasis (ATS). Das sind mehr als Heroin- und Kokainkonsumierende zusammen. Die meisten Regierungen hinken mit griffigen Massnahmen hinter der rasanten Ausbreitung von immer neuen und billig erhältlichen Formen her. Betroffen sind vor allem Entwicklungsländer in Südamerika und Asien. Dieser Entwicklung wird kaum entgegengehalten, im Gegenteil: Die Aufmerksamkeit für dieses Problem hat abgenommen und der Einfluss immer neuen Drogen auf die Gesundheit ist weitgehend unbekannt. Dringend gefragt sind die Erforschung der Schädlichkeit der Substanzen, globale Frühwarnsysteme und evidenzbasierte Behandlungs- und Präventionsansätze.  
Ähnliches gilt für einen anderen Drogentrend des neuen Jahrtausends. Gemäss Bill Sanders, ausserordentlichem Professor für Strafrecht an der California State University Los Angeles, werden immer mehr legale Substanzen missbräuchliche Weise konsumiert. Dazu gehören rezeptfreie Medikamente (v. a. morphinhaltige Hustenmittel) und der Missbrauch von rezeptpflichtigen Medikamenten (z. B. Opiate und Halluzinogene).

Modell mit Drogenchecks
Das Konzept der Partydrogenprävention präsentierte Alexander Bücheli von der Zürcher Jugendberatungsstelle Streetwork. Seit 14 Jahren wird in der Partymetropole eine umfassende Strategie mit Vor-Ort-Massnahmen (mobiler Drogencheck, Infostände), einem Drogeninformationszentrum, einem Gütesiegel für sichere Clubs und Warnsystemen auf- und ausgebaut. Vor allem die Drogenchecks haben sich als wertvolles Instrument bewährt. Dieses Angebot erhöht die Attraktivität von Infoständen und vereinfacht den Kontakt zu einer bislang schwer erreichbaren Zielgruppe. Diese Personen füllen im Rahmen des Drogenchecks auch einen Fragebogen aus, wodurch man an eine Fülle von Daten über Konsumenten, Konsummuster und Substanzen gelangt, die von grossem Nutzen für die Prävention und die Früherkennung sind.

Probleme lösen statt verschieben
Prof. Ross Homel, Direktor des Griffith-Instituts für Sozial- und Verhaltensforschung, präsentierte wirksame und international bewährte Strategien zur Verhinderung von alkoholbedingter Gewalt in Bars. Dies sind insbesondere die Beschränkungen der Alkoholerhältlichkeit (v. a. Verkaufsverbote, höhere Preise und Erhöhung der Altersbeschränkungen), professionell ausgebildetes Personal in puncto Verhalten in aggressiven Situationen und verantwortungsvollen Ausschanks sowie behördliche Kontrollen. Prof. Mark Bellis, Leiter des Zentrums für Public Health der John-Moores-Universität Liverpool, zeigte, dass Massnahmen wie starke Polizeipräsenz, Überwachungskameras oder Help Points in den unmittelbaren Nightlife-Bereichen relativ gute Wirkung zeigten. Bellis warnte aber auch davor, dass solche Strategien lediglich eine «sichere» Umgebung für das obligate Rauschtrinken schaffen könnten, die eigentlichen Gewalt- und Gesundheitsprobleme aber nur verschieben statt lösen würden. Er plädierte für einen Public-Health-Ansatz, der sich auf die Konsumreduktion konzentriert, anstatt den ökonomischen Nutzen des exzessiven Alkoholkonsums zu begünstigen.

Organisiert und durchgeführt wurde die sechste Ausgabe der Club Health Conference von Infodrog, der Schweizerischen Koordinations- und Fachstelle Sucht, der Jugendberatung Streetwork Zürich, dem Verein Safer Clubbing und dem Bundesamt für Gesundheit.

Kontakt

Thomas Egli, Sektion Drogen, thomas.egli@bad.admin.ch

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