01.07.2014 «Das Label ‹Friendly Work Space› hat für uns als ‹Gesundheitsamt› eine ganz besondere Bedeutung.»

Dreimal drei Fragen. Die vorliegende Ausgabe von «spectra» befasst sich mit «Arbeit und Gesundheit». Was tut eigentlich das Bundesamt für Gesundheit (BAG) selber für die Gesundheit seiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – gerade auch im Hinblick auf den Neubau, in den das Amt 2015 ziehen wird? Wir fragten Daniela Beeli, seit 2008 Verantwortliche für Betriebliche Gesundheitsförderung im BAG, Fabienne Kälin, Teilprojektleiterin Neubau BAG, und Stefan Spycher, Vizedirektor und Leiter Direktionsbereich Gesundheitspolitik des BAG.

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Wie ist die Geschichte der Betrieblichen Gesundheitsförderung im BAG?

Daniela Beeli: Die Förderung der öffentlichen Gesundheit ist das Kerngeschäft des BAG. Gleichzeitig hat auch die innerbetriebliche Gesundheitsförderung eine längere Tradition. Das BAG war vor 17 Jahren als Pilotamt beim Projekt «Bewegtes Amt» dabei, das von der damaligen Sportschule Magglingen (heute BASPO) initiiert worden war. Das Projekt basierte auf der Erkenntnis, dass körperlich fitte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter belastbarer sind sowie weniger Beschwerden und Absenzen aufweisen. Zu Beginn wurden alltagstypische Aktivitäten wie zügiges Gehen, Treppensteigen anstatt Liftbenützen, Radfahren und Mittagsturnen gefördert. Die Resultate zeigten, dass eine Verbesserung des Bewegungsverhaltens erreicht werden konnte. In der Folge wurden die Angebote innerhalb des Amts im Bereich Bewegung erweitert sowie weitere Angebote in den Bereichen Entspannung, Ernährung und Ergonomie etabliert. Seit 1997 konnten gegen 30 verschiedene Angebote realisiert werden, an denen über 65% der BAG-Mitarbeitenden teilgenommen haben.
2012 wurde die Betriebliche Gesundheitsförderung in die Personalabteilung integriert. Seither ist das BAG daran, die betriebliche Gesundheitsförderung strategisch zu verankern, als Organisationsentwicklungsthema umfassend anzugehen und in die Personalprozesse zu integrieren.

Welche Angebote stehen heute den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zur Verfügung?

Daniela Beeli: Eine breite Angebotspalette in den Bereichen Bewegung, Entspannung, Ernährung und Ergonomie steht allen Mitarbeitenden des BAG zur Verfügung, z. B. Rückengymnastik, Volleyball, Badminton, Fussball, Unihockey, Pilates, Ernährungsseminare, Ergonomie-Workshops sowie verschiedene Events wie BAG-Wanderung, Schneeschuhlaufen, Tischtennis- und Tischfussballturnier, Teilnahme an «bike to work» usw. Unser neustes Angebot demnächst: Gesundheitsmassagen im Sitzen.

Wie kommen die einzelnen Projekte der Betrieblichen Gesundheitsförderung bei den Mitarbeitenden an? Was stösst auf positives Echo, was wird kritisiert?

Daniela Beeli: Die Erfahrung zeigt, dass die Projekte nebst dem gesundheitsfördernden Aspekt einen wichtigen Beitrag zur Unternehmenskultur leisten: Sie fördern das Arbeitsklima, die Motivation sowie den Austausch zwischen den Organisationseinheiten (Zusammenarbeit, Netzwerk). Die einzelnen Angebote werden sehr geschätzt. Wir haben mehrere BAG-Mitarbeitende, die selber Kurse leiten.
Ein Kritikpunkt, wenn man dem so sagen kann, ist die Feststellung, dass nicht alle Erwartungen und Wünsche der Mitarbeitenden in Bezug auf die Angebots­palette im Bewegungsbereich erfüllt werden können.

Was bringt die Betriebliche Gesundheitsförderung einer Unternehmung – im konkreten Fall einem Bundesamt?

Stefan Spycher: Es ist das Ziel einer jeden Unternehmung, zu ihrem wertvollsten Gut, den Mitarbeitenden, Sorge zu tragen. Die Gesundheit ist und wird dabei immer mehr ein zentraler Faktor. Untersuchungen zeigen (Studie SWING 2011 der Gesundheitsförderung Schweiz): Gesunde Mitarbeitende sind leistungsfähiger und innovativer und haben mehr Spass an der Arbeit. Weiter wurde bewiesen, dass durch ein professionelles betriebliches Gesundheitsmanagement die Kurz- und Langzeitabwesenheiten drastisch reduziert werden können. Darum lohnen sich Investitionen in die betriebliche Gesundheitsförderung für alle, für Mitarbeitende wie auch für die Unternehmung.
Das BAG ist eines der grössten Bundesämter, es hat vielfältige Aufgaben und steht stark im Interesse der Öffentlichkeit. Die Anforderungen und die Belastung nehmen zu. Es ist der Geschäftsleitung darum sehr wichtig, dass das Thema Gesundheit auch «gegen innen» einen hohen Stellenwert behält.

Welche Schwierigkeiten begegnen Ihnen bei der Umsetzung von Massnahmen zur betrieblichen Gesundheitsförderung?

Stefan Spycher: Auch wir im BAG arbeiten täglich daran, ein nachhaltiges betriebliches Gesundheitsmanagement zu leben. Wir haben das Thema in der Personalstrategie BAG als Kernthema verankert. Als Grundsatz haben wir festgehalten, dass Gesundheit bei jedem selber beginnt. Da die Führung jedoch ein zentraler Einflussfaktor für die Gesundheit der Mitarbeitenden ist, sollen im BAG nun die Führungsqualität und insbesondere die Gesundheitskompetenz der Führungskräfte gefördert werden. Das Thema Gesundheit wird damit in Ziele, Prozesse und Instrumente integriert und im Führungsalltag verankert. Diese Entwicklung wollen wir im Sommer durch die «Friendly Work Space»-Zertifizierung bestätigt haben, welche als Amtsziel festgelegt wurde.
Das Label zeichnet Unternehmen aus, die das betriebliche Gesundheitsmanagement in die Unternehmensstrategie integriert haben und Massnahmen zur Optimierung der betrieblichen Rahmenbedingungen umsetzen. Bei uns im BAG wird im Juni das Assessment für die Zertifizierung «Friendly Work Space» stattfinden. Im Herbst erwarten wir den Bericht, den wir als Standortbestimmung anschauen. Er wird uns zeigen, in welchen Bereichen das BAG schon stark ist und wo wir uns verbessern können.

Wie steht das BAG im Vergleich zu anderen Bundesämtern da? Wo holen Sie sich Anregungen, oder sind Sie gar ein Beispiel für andere?

Stefan Spycher: Die Erlangung des Labels ist eine Vorgabe des früheren Departementsvorstehers Didier Burkhalter an alle EDI-Ämter. Ausserhalb des EDI hat noch kein anderes Bundesamt das Label erlangt. Ich denke, für uns als «Gesundheitsamt» hat das Label eine ganz besondere Bedeutung. Einerseits weil die Gesundheit unser Hauptgeschäft ist, andererseits, weil wir mit der Organisation, welche das Label vergibt (Gesundheitsförderung Schweiz), in anderen Projekten eng zusammenarbeiten. Im BAG ist das Thema «Betriebliches Gesundheitsmanagement» auf oberster strategischer Ebene verankert. Es wird in verschiedenen Projekten der Personalstrategie umgesetzt. Meines Wissens ist das in dieser Art bei keinem der anderen Ämter im EDI der Fall.

Wie werden die Anliegen für ein gesundes und bewegtes Amt bei der Planung des Neubaus eingebracht und umgesetzt?

Fabienne Kälin: Da der Bau von Bundesgebäuden durch Steuergelder finanziert wird, sind die geltenden Standards des Bundes einzuhalten. Bauherrschaft und somit Finanzierungs- und Entscheidungsinstanz ist das Bundesamt für Bauten und Logistik. Das BAG als künftiger Nutzer ist mit einem kleinen Team in den jeweiligen Baugremien vertreten und bringt unsere Gesundheitsanliegen innerhalb der geltenden Rahmenbedingungen bestmöglich ein. Dazu gehören unter anderem Ruheraum sowie Stillzimmer, ebenso Stromanschlüsse für E-Bikes und eine attraktive Umgebung mit Personalrestaurant.

Viele Mitarbeitende sind skeptisch gegenüber den vorgesehenen Grossraumbüros. Wie gehen Sie mit diesen Bedenken um?

Fabienne Kälin: Jede Veränderung bringt Unsicherheiten mit sich. Wir vom Projektteam Neubau wie auch die Architekten nehmen diese Bedenken sehr ernst und erarbeiten Lösungen, wie sich die Mitarbeitenden in den neuen Arbeitsumgebungen wohlfühlen und gesund arbeiten können. Neben den ergonomischen Arbeitsplätzen stehen etliche Fokus-Räume, Balkonzimmer und andere attraktive Rückzugsmöglichkeiten zur Verfügung. Zudem arbeiten wir eng mit Mitarbeitervertretern zusammen und werden die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter noch vor Bezug des neuen Gebäudes mit vielen Vorschlägen und Tipps unterstützen, damit uns ein gutes Zusammenarbeiten und -leben im offenen Raum möglich wird.

Wie wird das Verpflegungsangebot im neuen BAG-Gebäude gestaltet?

Fabienne Kälin: Für unser zukünftiges Personalrestaurant haben wir vergangenes Jahr einen Kriterienkatalog mit Pfiff erarbeitet und mit Compass Group einen engagierten Partner gefunden. Nebst Good Practice (Schweizer Qualitätsstandards für eine gesundheitsfördernde Gemeinschaftsgastronomie) fordern wir saisonale und regionale Produkte. Gleichzeitig werden auch Angebote für Personen mit einer Lebensmittelunverträglichkeit sowie eine attraktive vegetarische Auswahl zur Verfügung stehen.

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