01.01.2011 «Das Programm verschafft allen Betroffenen gebührend Gehör»

Fünf Fragen an Prof. Dr. Bernard Hirschel. Bernard Hirschel leitet seit 1988 die Abteilung HIV/Aids des Universitätsspitals Genf. Er hat über 200 wissenschaftliche Artikel publiziert, hauptsächlich zu den Themen Immunschwäche und antiretrovirale Therapie.

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Was bedeutet das neue Nationale Programm HIV/STI (NPHS) für Ihre Arbeit?

Das Programm bildet für unsere Arbeit den Rahmen. Es ist die Leitlinie für unsere Tätigkeit betreffend Prävention von HIV und andern sexuell übertragenen Krankheiten.

Wo sehen Sie die Stärken des NPHS?

Ich denke, das Programm kann einen Beitrag dazu leisten, dass allen Betroffenen gebührend Gehör verschafft wird. Ausserdem erlaubt es durch den Einbezug von internationalen Experten einen wertvollen Aussenblick auf die Schweizer Präventionsarbeit.

Wo sehen Sie Schwächen oder fehlende Elemente des NPHS?

Es gibt viel alten Wein in neuen Schläuchen. Ausserdem leistet man der politischen Korrektheit für meinen Geschmack zu viel Tribut. Zum Beispiel bei Formulierungen wie «Sexworkerinnen und Sexworker».

Welche Rolle muss das Bundesamt für Gesundheit Ihrer Meinung nach in der HIV/STI-Prävention einnehmen?

Es ist die verlässliche Referenz für Information bezüglich Epidemiologie. Im Weiteren verteidigt es den Standpunkt des öffentlichen Interesses («public health») in der Prävention und Behandlung von STI und koordiniert Aktivitäten, soweit das in der Schweiz überhaupt möglich ist.

Wo sehen Sie künftige Herausforderungen des NPHS?

Es wird bestimmt eine Herausforderung werden, bezüglich Mittel und Sichtbarkeit das Gleichgewicht zwischen HIV und andern STI zu wahren. Und zum Thema Prävention ohne Repression: Da wird es für das BAG wichtig sein, die Gratwanderung zwischen Spielverderber und zu grosser Sorglosigkeit zu meistern.

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