01.07.2013 Lehrergesundheit unter der Lupe

Arbeitsplatz Schule. Die Pädagogische Hochschule (PH) und die Hochschule für Angewandte Psychologie (APS) der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) befassen sich intensiv mit der Gesundheit von Lehrerinnen und Lehrern. Ein Einblick in die drei aktuellen Projekte.

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Studie über Ressourcen und Belastungen
Im Rahmen des Forschungsprojektes «Ressourcen und Belastungen bei Schweizer Lehrpersonen» (fünftes bis neuntes Schuljahr) werden die Verbreitung der arbeitsbedingten Belastungen und Ressourcen und deren Auswirkungen auf die psychosoziale Gesundheit und das Engagement der Lehrpersonen untersucht. Dabei interessiert insbesondere, welche der potenziell bedeutsamen Ressourcen und Belastungen tatsächlich Effekte zeigen und welche nicht.
Der Studie liegt das «Job Demands-Resources»-Modell von Bakker und Demerouti (2007) zugrunde. Methodisch basiert die Studie auf international validierten Erhebungsinstrumenten, welche die Vergleichbarkeit mit Datensätzen aus Deutschland und Dänemark gewährleisten.
Die Studie nutzt durch die Zusammenarbeit mit Sucht Schweiz starke Synergien, indem die Lehrpersonen (N=586) derjenigen Klassen befragt wurden, welche sich an der Studie «Health Behaviour in School Aged Children» (HBSC) beteiligten. Sucht Schweiz hat die Stichprobenziehung und die Datenerhebung vorgenommen, die FHNW übernimmt die Auswertung der Daten der Lehrpersonen. Künftig sollen die Belastungs-Ressourcen-Profile der Schweizer Lehrpersonen regelmässig alle vier Jahre im Rahmen der HBSC-Studie erhoben werden. So wird es möglich, die Arbeitssituation von Lehrpersonen kontinuierlich zu untersuchen und allenfalls Massnahmen für deren Optimierung zu empfehlen.

Leitfaden zum Personal­monitoring an Schulen
Der Leitfaden zum Personalmonitoring an Schulen ist ein Grundlagenbericht, der Massnahmen zur Prävention von arbeitsbedingten Gesundheitsrisiken im Berufsfeld Schule aufzeigt. Bis dato gibt es für die rund 72 000 Lehrerinnen und Lehrer in der Schweiz sowie alle übrigen an der Schule tätigen Personen weder in Bezug auf die Erhebung von Fehlzeiten und Krankheitstagen noch in Bezug auf präventive Massnahmen koordinierte Anstrengungen.
Im Leitfaden werden die im Arbeitsgesetz enthaltenen rechtlichen Grundlagen für den Gesundheitsschutz und die diesbezügliche Verantwortung des Arbeitgebers aufgezeigt. Ausserdem gibt er einen Überblick über die spezifischen Gesundheitsrisiken im Berufsfeld Schule und deren Ursachen sowie Empfehlungen für mögliche Massnahmen auf den verschiedenen Systemebenen. Der Leitfaden entsteht in Zusammenarbeit mit Mitgliedern des Netzwerkes bildung + gesundheit sowie dem Dachverband Schweizer Lehrerinnen und Lehrer (LCH).

Trainingsprogramm im Umgang mit Störefrieden
Verschiedene Untersuchungen belegen, dass Disziplinprobleme der Schülerinnen und Schüler ein starker Belastungsfaktor für Lehrpersonen sind. Die Lehrpersonen fühlen sich in diesem Bereich vergleichsweise wenig kompetent und erachten die benötigten Kompetenzen als schlecht erlernbar.
In Zusammenarbeit mit dem Institut für Familienforschung und -beratung der Universität Fribourg wird eine Interventionsstudie durchgeführt, um die Wirksamkeit eines Trainingsprogramms für den Umgang mit Unterrichtsstörungen zu untersuchen. Die Weiterbildung wurde für Lehrpersonen der dritten bis fünften Primarklasse konzipiert und verbindet Erkenntnisse der klinischen Kinder- und Familienpsychologie mit der Schulpädagogik. Die vom Schweizerischen Nationalfonds unterstützte Studie weist ein Interventions-/Kontrollgruppendesign mit vier Messzeitpunkten auf. Wirkungsindikatoren sind nebst dem verbesserten Verhalten der Lehrpersonen und der Verringerung der Unterrichtsstörungen die Reduktion von Belastungen und Beanspruchungen der Lehrpersonen.

Kontakt

Doris Kunz, Fachhochschule Nordwestschweiz, doris.kunz@fhnw.ch

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