02.05.2019 «Ich balanciere noch immer auf Mäuerchen»

Interview mit Margaritha Dähler. Im Jahr 2019 beleuchtet die Abteilung Prävention nichtübertragbarer Krankheiten Fragen rund um das Thema «gesund altern». spectra-online lässt mehrere Personen zu Wort kommen, die mit uns ein Stück ihres Lebens und ihre Eindrücke zum Thema teilen.

Margaritha Dähler, 71 Jahre

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TODO CHRISTIAN

Margaritha Dähler, 71 Jahre

Wie geht es Ihnen?

Ich hoffe, dass ich das dritte Drittel gut abschliesse, also bis 90 Jahre und dass ich noch in die Overtime gehen kann.

Was ist Ihnen wichtig im Leben?

Dass man gesund ist, das ist natürlich das ganze Leben über wichtig. Das Glück ist auch wichtig, glücklich zu sein aus sich selbst heraus, ohne dass man andere drangsaliert. Und die Liebe zum Partner oder zu den Kindern. Wichtig ist, dass man eine gewisse Sicherheit hat in finanzieller Hinsicht. Und dass man noch gebraucht wird, das ist schön.

Was gibt Ihnen Struktur?

Bis gut vor einem Jahr habe ich noch gearbeitet. Danach war es an der Zeit aufzuhören. Jetzt bin ich für Grosskinder da. Ich betreibe immer noch relativ intensiv Leichtathletik und führe das Sekretariat von Swiss Master Athletics.

Was bedeutet der Sport für Ihr Leben?

Vielleicht ist es mein Exhibitionismus (lacht). Ich habe schon etliche Weltmeister- und Europameistertitel. Ich hatte einfach Freude daran, dass es gut läuft. Ich gehe immer noch an internationale Wettkämpfe und habe das Glück, dass mein Körper mitmacht. Letzte Woche habe ich mit der 56. Leichtathletik-Saison angefangen. Aber der Sport ist nicht die Hauptsache in meinem Leben. Ich mache es einfach gerne. Ich finde, der Sport gehört zum Leben dazu wie essen und schlafen.

Trainieren Sie jeden Tag?

Nein. Mein ehemaliger Trainer gibt keine Trainings mehr, nun ist es schwieriger geworden, mich zu motivieren. Man geht hin und es ist niemand da. Da fehlt einfach der Ansporn. Das Training braucht schon Disziplin.

Wie halten Sie sich fit?

Jetzt trainiere ich jeden Montagabend Volleyball. Ich bin die einzige Frau unter Männern. Ich kriege zwar selten einen Ball, aber ich hole ihn mir einfach. Am Dienstag gehe ich mit einer Jogginggruppe rennen, da bin ich unter gleichaltrigen Frauen. In der Leichtathletik bin ich immer mit viel Jüngeren zusammen. Ausserdem bereite ich mich auf die
Hallenweltmeisterschaften in Polen vor. Ich trainiere derzeit Sprint, Hürden, Hoch- und Weitsprung sowie Hammerwerfen.

Achten Sie auch auf das Essen?

Ich esse nur noch zweimal pro Tag. Und ich esse immer weniger Fleisch und viel Salat.

Wie alt fühlen Sie sich?

Ich bin jetzt 71. Ich weiss natürlich schon, dass ich so alt bin. Aber ich kann es mir einfach nicht vorstellen. Ich balanciere noch immer auf Mäuerchen wie als Kind. Heute ist es eine gute Übung für das Gleichgewicht. Ich weiss nicht, wie man sich mit 71 fühlen sollte, aber ich kann ja meinen Körper noch brauchen.

Welche Herausforderungen bringt das Alter mit sich?

Wenn man Grosskinder hat, denkt man, wie lange sehe ich sie wohl noch? Wie lange kann ich ihr Leben noch begleiten?
Es wird einem bewusst, dass man endlich ist. Zum Glück weiss man nicht, was alles kommt. Aber man weiss, dass nicht mehr so viel kommt, wie schon gewesen ist. Ich habe eigentlich viel mehr Angst, dass meinen Kindern oder Grosskindern etwas passieren könnte als mir selbst.
Ich möchte schon alt werden, aber möglichst gesund sterben.

Was wird im Alter schwieriger?

Es gibt keine attraktiven Männer mehr, die so alt sind wie ich (lacht). Ich fühle mich jedoch absolut nicht einsam.

Kontakt

Simone Buchmann
Abteilung Prävention nichtübertragbarer Krankheiten

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