02.05.2019 «Ich geniesse jeden Tag, den ich in guter Verfassung erlebe»

Interview mit René Quennoz. Im Jahr 2019 beleuchtet die Abteilung Prävention nichtübertragbarer Krankheiten Fragen rund um das Thema «gesund altern». spectra-online lässt mehrere Personen zu Wort kommen, die mit uns ein Stück ihres Lebens und ihre Eindrücke zum Thema teilen.

René Quennoz, 73 Jahre

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René Quennoz, 73 Jahre

Was ist Ihnen heute wichtig im Leben?

R. Quennoz: Handlungsfreiheit, d.h. über meine Zeit nach Belieben verfügen zu können. Aber natürlich geht das Hand in Hand mit einer guten Gesundheit.

Wie verbringen Sie Ihre Zeit als Rentner?

Ich gehe gerne raus, um im Freien zu sein. Ich war immer aktiv und bin es auch im Ruhestand geblieben. Mit einem engen Freund, einem anderen «René», gehe ich in den Bergen laufen und unternehme verschiedene Ausflüge. Wir sind wie Brüder, bereit, uns bei Bedarf gegenseitig zu unterstützen. Ich mag Skifahren, Schneeschuhlaufen und Wandern. Ich mache auch Nordic Walking. Mit meiner Frau, der ich sehr nahestehe, gehe ich jeden Tag aus. Wir gehen gerne spazieren. Ausserhalb des Sports arbeite ich ehrenamtlich in der Museumswerkstatt «encre&plomb»: ein Ort, der die Druckindustrie der 1970-er Jahre wiederaufleben lässt, als es noch keine digitale Technologie gab. Wir sind etwa zwanzig Rentner, die diese Welt noch gekannt haben. Mein erster Beruf war Schriftsetzer; es ist eine Rückkehr zu meinen Wurzeln. Wir haben einiges zu tun und machen vor allem auf Anfrage Gruppenführungen durch die Werkstatt. Diese Tätigkeit beschäftigt mich an drei Nachmittagen pro Monat.

Im Ruhestand zu sein bedeutet auch, freier zu sein. Ich schätze es, mir Zeit nehmen zu können, um die Zeitung zu lesen und am Abend die Tagesschau zu sehen. Es ist schön, Zeit zu haben. 

Sie sind 73 Jahre alt, spüren Sie das Alter körperlich?

Ich fühle mich, als wäre ich jünger, sagen wir 65 Jahre alt! Im Laufe der Jahre stellt man fest, dass die Erledigung mancher Dinge mehr Zeit braucht. Manchmal vergisst man einen Vornamen. Insgesamt fühle ich mich aber ziemlich fit.

Woraus schöpfen Sie Energie? 

Jeden Tag plane ich eine Aktivität, das ist mir sehr wichtig. Derzeit ist es etwas komplizierter, weil ich eine Knieoperation hatte. Mir wurde eine Prothese eingesetzt. Das habe ich vor 4 Jahren bereits mit dem anderen Knie durchgemacht. Mit meiner Frau absolviere ich jede Woche unser Programm, und wir freuen uns auf unsere Ausflüge.

Was wird im Alter schwieriger? 

Sicher die gesundheitlichen Probleme. Meine Frau leidet an der Parkinson-Krankheit. Bis vor 7–8 Jahren war sie beruflich sehr aktiv. Diese Krankheit hat unserem Lebensrhythmus einen ziemlichen Dämpfer versetzt. Aber sie hat einen starken Willen, und wir teilen immer noch sehr schöne Momente miteinander. Man kann sagen, dass ab 60 Jahren die Gesundheitsversorgung wichtiger wird. Beschwerden tauchen auf. Ich hatte Prostatakrebs mit 62 Jahren. Als ich 70 war, wurde mir die Prostata entfernt. Jetzt ist alles in Ordnung, und ich muss sagen, dass wir ein erstklassiges Gesundheitswesen haben. Das System hat seinen Preis, aber die Qualität der Gesundheitsversorgung ist hoch. 

Welche Herausforderungen bringt das Alter mit sich? 

Man muss sich an den Lauf der Zeit und die vom Körper gesetzten Grenzen anpassen. Ich geniesse jeden Tag, den ich in guter Verfassung erlebe. Das ist doch schon etwas. Früher konnte ich einen ganzen langen Tag auf den Skiern stehen, heute reicht mir ein halber Tag. Die Wettkampfmentalität habe ich verloren. Ich fühle mich gelassen.

Kontakt

Simone Buchmann
Abteilung Prävention nichtübertragbarer Krankheiten

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