23.10.2018 «Lebende Bücher» erzählen die Geschichten ihrer Demenz

Erfahrung. Zurzeit sind schätzungsweise 148 000 Menschen in der Schweiz an Demenz erkrankt. Wichtige Schwerpunkte der Nationalen Demenzstrategie 2014–2019 sind die Verbesserung des Wissens der Bevölkerung über Demenzerkrankungen, die Entstigmatisierung sowie der Abbau von Vorurteilen und Hemmschwellen für die gesellschaftliche Partizipation. Zu diesem Zweck organisiert Alzheimer Schweiz in Zusammenarbeit mit Science et Cité und dem BAG drei Pilotveranstaltungen besonderer Art.

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In einer «Living Library» können Menschen für Gespräche zu speziellen Themen «ausgeliehen» werden, zum Beispiel eine Burnout-Betroffene, ein Flüchtling, ein Sehbehinderter – oder eben eine Person mit Demenz. Es sind Menschen, die mit Vorurteilen oder sozialer Ausgrenzung zu kämpfen haben. Die Betroffenen, ihre Angehörigen und Fachpersonen stellen sich für persönliche Gespräche zur Verfügung, etwa im Rahmen einer Veranstaltung. Alzheimer Schweiz, Science et Cité sowie das BAG organisieren von Herbst 2018 bis Frühjahr 2019 drei «Living Library»-Veranstaltungen zum Thema «Demenz im Gespräch». Das Ziel dieser Pilotveranstaltungen ist es, einer breiten Öffentlichkeit den Austausch mit Betroffenen zu ermöglichen und Berührungsängste abzu- bauen und so das Verständnis für die Erkrankung und die Betroffenen zu fördern. Das einzigartige «Living Library»-Format ermöglicht einen ungewöhnlichen, niederschwelligen Erfahrungs- austausch, bei dem Betroffene, Angehörige und Fachpersonen im Rahmen einer öffentlichen Veranstaltung über ihre Erfahrungen und Erlebnisse berichten. Bei diesen sehr persönlichen Gesprächen können sich die «Leserinnen und Leser» in die Situation ihres Gegenübers hineinversetzen und erfahren dadurch mehr über Demenz. Die Männer und Frauen, die sich im Rahmen der Pilotveranstaltungen als «lebende Bücher» zur Verfügung stellen, haben viel Erfahrungswissen zum Thema Demenz. Für jede der drei Veranstaltungen werden andere Menschen mit unterschiedlicher Erfahrungs- und Fachexpertise ausgewählt. Der Fokus liegt in erster Linie auf Men- schen mit Demenz im Frühstadium sowie deren Angehörigen. Die Veranstalter legen grossen Wert darauf, eine besonders für Demenzerkrankte angemessene Atmosphäre zu schaffen, die es ihnen ermöglicht, ihre Rolle als Expertin oder Experte für Fragen zu einem Leben mit Demenz einzunehmen, ohne überfordert zu werden. Die Veranstaltungen werden von Mitarbeitenden von Alzheimer Schweiz und ihren kantonalen Sektionen begleitet.

Das Pilotprojekt wird von Science et Cité begleitend evaluiert. Die Erkenntnisse fliessen in die Erarbeitung eines Veranstaltungsmanuals durch Alzheimer Schweiz ein, das als Praxisanleitung für weitere Veranstaltungen dienen soll. Die erste Veranstaltung fand im September 2018 in Bern statt. Bis Ende des Jahres wird auch im Kanton Tessin eine Veranstaltung organisiert. Den Abschluss der Reihe bildet die Pilotveranstaltung Anfang 2019 in der Westschweiz.

Kontakt

Sara Duric, Sektion Nationale Gesundheitspolitik, 

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