01.11.2012 «Onlinesucht»: Wachsamkeit ist gefordert

Exzessive Internetnutzung. Der Bericht «Gefährdungspotenzial von Internet und Online-Games» des Bundesamts für Gesundheit schlägt in Sachen Onlinesucht noch keinen Alarm, er mahnt aber zur erhöhten Wachsamkeit.

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Zur Erfüllung zweier Postulate von Erika Forster-Vannini und Barbara Schmid-Federer (siehe Interview oben) hat das Bundesamt für Gesundheit (BAG) zusammen mit Fachpersonen einen Expertenbericht über das Gefährdungspotenzial von Internet und Online-Games erstellt. Der im August 2012 vom Bundesrat verabschiedete Bericht zeigt, dass zwischen 1 und 6 % der Internetnutzenden einen unkontrollierten, exzessiven und damit problematischen Umgang mit dem Internet aufweisen. Jugendliche sind in der Regel stärker betroffen als Erwachsene und Männer stärker als Frauen. Die exzessive Internetnutzung ist derzeit noch nicht sehr stark verbreitet, Experten gehen jedoch davon aus, dass immer mehr und immer jüngere Jugendliche und Kinder einen problematischen Umgang mit dem Internet aufweisen werden.

Physische und psychische Folgen
Gemäss Bericht haben verschiedene Studien einen Zusammenhang zwischen exzessiver Internetnutzung und der physischen Gesundheit festgestellt. Wer exzessiv im Internet surft oder spielt, vergisst sich und die Zeit. Die Folgen sind schlechte Ernährung, Bewegungsmangel und zu wenig oder unregelmässiger Schlaf. Das stundenlange Sitzen vor dem Computer kann zudem zu Haltungsschäden und Muskelabbau führen sowie den Sehapparat beeinträchtigen. Doch nicht nur der Körper, auch die Psyche kann Schaden nehmen: Exzessive Internetnutzer leiden häufiger an Angststörungen, Depressivität oder an ADHS als Normalnutzer.

Medienkompetenz sowie Früherkennung und Frühintervention fördern
Als wichtigste Präventionsmassnahmen nennt der Bericht die Förderung der Medienkompetenz sowie die Früherkennung und Frühintervention (F+F). Die Vermittlung  der Medienkompetenz wird auf Bundesebene über das nationale Programm Jugendmedienschutz und Medienkompetenz des Bundesamts für Sozialversicherungen abgedeckt. Die Früherkennung und Frühintervention bei gefährdeten Kindern und Jugendlichen ist bereits Bestandteil des dritten Massnahmenpakets des Bundes zur Verminderung der Drogenprobleme (MaPaDro III).

Problem im Auge behalten
Spezifische Beratungs- und Behandlungsstellen für «Onlinesüchtige» sind gemäss Bericht noch nicht erforderlich. Jedoch sollen die Mitarbeitenden bestehender Suchthilfe-Angebote befähigt werden, mit diesem Phänomen umzugehen. Weiter wird die Entwicklung der exzessiven Internetnutzung aufmerksam beobachtet, um rechtzeitig auf eine Veränderung der Problematik reagieren zu können. Dafür werden künftig Fragen zur Internetnutzung in das Nationale Suchtmonitoring des BAG (siehe Artikel Seite 7) aufgenommen.

Expertenbericht «Gefährdungspotenzial von Internet und Online-Games»

Der Bericht zeigt die Verbreitung exzessiver Internetnutzung und damit zusammenhängender gesundheitlicher Probleme. Er enthält einen Überblick über präventive Massnahmen, Interventionen (z.B. Therapie) sowie Handlungsempfehlungen. Der Bericht kann heruntergeladen werden unter: http://www.bag.admin.ch/jugendprogramme/10047/13303/index.html

Kontakt

Isabelle Widmer, Sektion Drogen, isabelle.widmer@bag.admin.ch

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