16.02.2015 «Safe Zone» verlängert Pilotphase bis 2016

Suchtberatung. Die neue Online-Beratung für Suchtfragen «Safe Zone» verzeichnete in den ersten neun Monaten über 800 Zugriffe pro Tag und über 300 Registrierungen. Vor der Aufnahme des Regelbetriebs sollen die Nutzerzahlen erhöht und möglichst viel Erfahrung mit den verschiedenen Beratungsangeboten, ihrer technischen Umsetzung und den Bedürfnissen der User gesammelt werden. Um die notwenigen Grundlagen zu schaffen und die Qualitätsentwicklung zu gewährleisten, wird das Pilotprojekt bis 2016 verlängert.

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TODO CHRISTIAN

Angst vor Stigmatisierung, Unbehagen im persönlichen Kontakt oder unpassende Öffnungszeiten: Für viele Ratsuchende ist die Schwelle zu einer Beratungsstelle – gerade bei Fragen zum Thema Sucht – zu hoch. Mit «Safe Zone» steht seit April 2014 auf Deutsch und seit September auch auf Italienisch ein kostenloses professionelles Online-Beratungsportal zur Verfügung.* Fachpersonen geben online Antworten auf individuelle Fragen zum Thema Sucht und zum Substanzkonsum – via Forum, Chat und Mailberatung. Zudem bietet das Portal einen ausführlichen Informationsteil sowie Links zu Selbsttests an. «Safe Zone» richtet sich vor allem an junge Erwachsene mit Suchtproblemen oder -fragen sowie an deren Angehörige und an Fachleute, die sich über das Portal austauschen können. Das Angebot wird im Auftrag des Bundesamts für Gesundheit von Infodrog in Zusammenarbeit mit Suchthilfeinstitutionen bereitgestellt.

Zufriedenstellender Start
Eine erste Zwischenbilanz im Dezember 2014 zeigt: «Safe Zone» hat einen zufriedenstellenden Start hingelegt. In den ersten neun Monaten wurde täglich im Schnitt über 800 Mal auf das Portal zugegriffen. 331 Personen haben sich registriert und es fanden 91 Mailberatungen mit 300 Beratungskontakten statt. Im Forum (nur auf Deutsch) wurden 110 Beträge von Usern gepostet und 96 Teilnehmende haben sich in 68 Gruppenchats unterhalten. Auch unter den Fachleuten findet «Safe Zone» Anklang. Die Mehrheit der Suchtfachstellen hält eine national koordinierte und vernetzte Online-Beratung für wünschenswert.

Spitzenreiter Cannabis und Alkohol
Am meisten Beratungsbedarf zeigte sich bei den Themen Cannabis und Alkohol. Bei rund einem Viertel aller Anfragen ging es um Cannabiskonsum, ein Fünftel hatte Fragen zu Alkohol und Alkohol­abhängigkeit. Je rund 10% der Anfragen betrafen Partydrogen wie Amphetamine, Ecstasy oder Halluzinogene, Heroin und dessen Substitutionspräparate und Verhaltenssüchte wie Online- oder Sexsucht. Eher selten waren Anfragen zu Kokain und Tabak. Rund ein Viertel der Anfragen kamen nicht von Direktbetroffenen, sondern von Eltern oder Partnern.

Geeignetes Beratungsmedium
Ein entscheidender Vorteil der Online-Beratung – gerade mit Blick auf die Zielgruppe junger Menschen – ist deren omnipräsenter Zugang, die Anonymität und Niederschwelligkeit. Das zeigen die bisherigen Erfahrungen aus der Mailberatung. User sprachen ihr Problem häufig sehr direkt und schnell an oder schrieben sich Ängste oder schlechte Erfahrungen etwa eines «bad trip» von der Seele. Auch viele spezifische, teils sogar exotische Sachfragen wurden behandelt. Viele Anfragen enthielten konkrete Beratungsanliegen, aus denen sich mehrere Beratungskontakte entwickelten.

Künftig in drei Sprachen
«Safe Zone» soll in Zukunft neben Deutsch und Italienisch auch auf Französisch für die Romandie angeboten werden. Dazu werden zurzeit verschiedene Möglichkeiten diskutiert. Auch der Traffic und die Anzahl der Nutzer sollen erheblich erhöht werden: Angestrebt werden jährlich 1000 Registrierungen, 3100 Beratungskontakte in der Mailberatung, 400 Beratungskontakte in der offenen Sprechstunde, 500 neu gestartete Forenbeiträge und ca. 6 Chats pro Woche. Um entsprechend mehr ausgebildete Beraterinnen und Berater zur Verfügung zu haben, müssen weitere Kantone und Suchthilfeinstitutionen ins Boot geholt werden. Die Beratungen auf «Safe Zone» werden derzeit von 25 Mitarbeitenden der beteiligten Fachstellen aus der Deutschschweiz und dem Tessin angeboten. Alle verfügen über eine Zusatzqualifikation in internetbasierter Beratung.

Pilotphase bis 2016 verlängert
Trotz des weitgehend gelungenen Starts will die Projektleitung mit «Safe Zone» noch nicht in den Regelbetrieb übergehen. Dafür brauche es noch deutlich höhere Nutzungszahlen und mehr Erfahrungswerte darüber, welche Beratungsformen von den Ratsuchenden nachgefragt und genutzt werden und welche inhaltlichen oder technischen Anpassungen es braucht, um ihren Bedürfnissen noch besser gerecht zu werden. Ausserdem sollen die Schulung der E-Beratenden, die Qualitätssicherung und die Harmonisierung bestehender Selbsttests weiterentwickelt werden. Die Pilotphase wird deshalb bis 2016 verlängert. Bis dahin soll zudem die Möglichkeit einer Teilnahme der Romandie ausgelotet und eine fundierte Outputevaluation durchgeführt werden.

* Das Angebot auf www.safezone.ch

– 1:1-Mailberatung über ein verschlüsseltes Mailingsystem
– 1:1-Sprechstunde in einem Live-Chat
– Gruppenberatung oder Selbsthilfe in einem Live-Chat
– Professionell moderiertes Forum
– Selbsttest-/ Selbsthilfetools
– Adressen von Suchtfachstellen vor Ort

www.safezone.ch

Kontakt

Salomé Steinle, Sektion Drogen, salome.steinle@bag.admin.ch

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