01.07.2013 «Schulische Gesundheitsförderung ist ein komplexer Ansatz, der reich mit Sinn und Werten befrachtet ist.»

5 Fragen an Barbara Bonetti. Wir sprachen mit der Verantwortlichen für das Tessiner «Forum per la promozione della salute nella scuola» über ihre Erfahrungen mit schulischer Gesundheitsförderung, die Zusammenarbeit von Bildung und Gesundheit und über ihre Erwartungen an das Bundesamt für Gesundheit.

Bildstrecke «Schulische Gesundheitsförderung ist ein komplexer Ansatz, der reich mit Sinn und Werten befrachtet ist.»

TODO CHRISTIAN

Sie arbeiten seit 13 Jahren im Bereich schulische Gesundheitsförderung. Was hat sich in diesem Zeitraum verändert?

Im Jahr 2000 war Gesundheitsförderung in der Schule sowohl im Tessin wie auch in der ganzen Schweiz ein neu aufkommendes Thema. Der Schwung der ersten Stunde hat viel Enthusiasmus und das Gefühl eines Schubs nach vorn ausgelöst, die heute ein wenig abgeklungen sind. Das ist normal: Es ist schwierig, diese Dynamik in den Zwischenphasen zu halten, vor allem auf der Ebene der kulturellen Veränderungen, wie im Fall der Gesundheitsförderung, wo Ergebnisse langfristig gemessen werden und der Bezug zu den getroffenen Massnahmen nicht einfach herzustellen ist.
Schulische Gesundheitsförderung ist ein komplexer Ansatz, der reich mit Sinn und Werten befrachtet ist, die für alle pädagogischen und präventiven Massnahmen als Richtschnur dienen sollten. Schulen wollen nicht unbedingt die Arbeit an Grundwerten, sondern erwarten eher einfach umzusetzende und effiziente Antworten zur Lösung ihrer Alltagsprobleme. Man würde gern vorbeugen, aber wenn möglich ohne viel an den eigentlichen Ursachen ändern zu müssen. Die von der Gesundheitsförderung ausgelöste Mentalitätsänderung setzt oft ein entsprechendes Hinterfragen und ein nachhaltiges Bemühen voraus, wenn sie dauerhafte Veränderungen auslösen soll.

Das «Forum per la promozione della salute nella scuola» ist das Ergebnis einer Zusammenarbeit zwischen zwei Departementen (Bildung und Gesundheit): Wie beeinflusst diese Zusammenarbeit Ihre Arbeit und die erzielten Ergebnisse?

Das Forum existiert seit 10 Jahren. Am Anfang haben wir die gemeinsamen Grundsätze für qualitative Interventionen definiert. Diese Grundsätze wurden in einer Charta für die Gesundheitsförderung in der Schule festgehalten. Ich glaube, dass diese Arbeit dazu beigetragen hat, die beiden Welten, Gesundheit und Schule, einander näherzubringen. Die entstandenen Verbindungen erleichtern die Zusammenarbeit zur Gesundheitsförderung in der Schule. Dennoch ist die Rolle des Forums schwierig, da es nur auf konsultativer und nicht auf operationeller Ebene aktiv werden kann. Dies frustriert manchmal seine Mitglieder. Man darf nicht ausser Acht lassen, dass noch Arbeit zu tun bleibt: Es gibt mehrere Aspekte, die oberflächlich klar scheinen, aber bei genauerer Betrachtung ungelöst sind. Dies zeigt sich dann, wenn es um konkrete Projekte oder Entscheidungen geht.

Das Netzwerk gesundheitsfördernder Schulen zählt heute 20 regionale (meist kantonale) Netzwerke. Auch der Kanton Tessin hat ein kantonales Netzwerk – welches ist seine Rolle im Rahmen des Forums?

Das Tessiner Netzwerk ist durch seine Koordinatorin im Forum vertreten. Das Netzwerk ist in erster Linie operativ tätig und im Feld gut verankert; das Forum wiederum engagiert sich vor allem auf der Ebene von Verwaltung und Politik: Eine Kooperation ist notwendig und wurde realisiert.

Welche Verbindungen bestehen zwischen BNE (Bildung für Nachhaltige Entwicklung) und Gesundheitsförderung in der Schule?

Beide Ansätze haben dieselben Werte und Interventionsmethoden: Partizipation, systemisches Denken, sektorübergreifende Massnahmen auf Gemeinschaftsebene, kritische Reflexion, Innovation, Kreativität und natürlich die Achtung des Individuums, der Umwelt, der Gesundheit und des Lebens. Beide Ansätze haben auch eine gemeinsame Vision, welche die Zusammenarbeit zwischen ihnen erleichtert.

Aus dem Blickwinkel des Kantons, welche Erwartungen haben Sie an das Bundesamt für Gesundheit (BAG)?

Das BAG soll dazu beitragen, dass die Gesundheitsförderung wieder neue Impulse bekommt und als Gesamtkonzept Priorität behält neben all den spezifischen Präventionsbemühungen. Es ist wichtig, Projekte zur Gesundheitsförderung in der Schule und Interventionen mit einem umfassenderen Konzept zu unterstützen. Sektorielle Projekte und Präventionsmassnahmen sollten immer in den Gesamtrahmen einer allgemeinen Gesundheitsförderung im Sinne der Ottawa-Charta eingebettet werden.

Links

Nach oben