20.11.2019 «Selbstmanagement ist ein wichtiger Aspekt der Gesundheitskompetenz»

Interview. Am Forum SELF Ende Oktober 2019 haben Fachpersonen und Betroffene über Selbstmanagement-Förderung diskutiert. Doch was ist Selbstmanagement überhaupt und warum soll man es fördern? Marie-Luise Dierks, Hauptreferentin am Forum, beantwortet diese Fragen.

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Prof. Dr. Marie-Luise Dierks leitet den Forschungsschwerpunkt «Patientenorientierung und Gesundheitsbildung» an der medizinischen Hochschule Hannover.

Was ist Selbstmanagement?

Selbstmanagement bedeutet, aktiv mit Situationen umzugehen, sei es im Alltag, im Beruf oder eben auch in Gesundheit und Krankheit. Dabei geht es um Wissen, um Planung, um Motivation, und darum, die eigenen Ressourcen zu kennen und zu nutzen.

Was unterscheidet "Selbstmanagement" von "Gesundheitskompetenz"?

Selbstmanagement in meinem Verständnis ist ein wichtiger Aspekt der Gesundheitskompetenz: Nämlich die Fähigkeit, Informationen im Zusammenhang mit der eigenen Gesundheit, einer eigenen Erkrankung oder auch der Erkrankung von Angehörigen zu finden, zu verstehen und anzuwenden. Und sich bei der Anwendung im Bereich von Gesundheit und Krankheit auch eigene Ziele zu setzen.

Warum lohnt es sich, Selbstmanagement zu fördern?

Selbstmanagement insbesondere bei chronischen Erkrankungen bedeutet, dass Erkrankte, aber auch ihre Angehörigen, aktiv mit der Situation umgehen. Sie gestalten das Leben mit der Erkrankung so, dass ein „bedingtes, gelingendes Gesundsein“ daraus resultiert.

Was sind konkrete Beispiele von Angeboten für Selbstmanagement-Förderung?

Konkrete Beispiele liegen traditionell im Bereich der organisierten Selbsthilfe. Darüber hinaus gibt es zahlreiche Kursangebote, inzwischen auch Online-Versionen oder Vor-Ort-Angebote ergänzt mit Unterstützung durch digitale Medien. Diese Vielfalt ist nützlich, aber durchaus auch schon wieder verwirrend. Eine Bündelung der Aktivitäten unter einem Dach, zum Beispiel unter dem Dach der Plattform SELF, wäre ein guter und wichtiger Schritt.

Was ist das Programm INSEA und welche Erfahrungen machen Sie damit?

Das Programm INSEA will chronisch Kranke, Angehörige und Freunde von Erkrankten dabei unterstützen, mit ihrer Situation gut und selbstbestimmt zurecht zu kommen. Mit dem INSEA-Programm setzen wir das etablierte und evidenz-basierte „Chronic Disease Management Program“ aus den USA in Deutschland um. Dies zusammen mit Kolleginnen und Kollegen in der Schweiz und in Österreich, dort wird es unter dem Namen „EVIVO“ angeboten.

Die Erfahrungen in Deutschland sind ermutigend: Es gelingt sehr gut, Menschen für die Kurse zu gewinnen, insbesondere, wenn wir die Kurse dort anbieten, wo die Menschen leben. Also zum Beispiel in Stadtteilzentren, in Behandlungseinrichtungen oder in Quartieren, aber auch in Pflegeheimen. Und wir können zeigen, dass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer profitieren – nicht nur kurzfristig, sondern auch mittel- und langfristig. 

Was braucht es, damit Selbstmanagement Teil des Gesundheitssystems wird?

Gute und auf ihre Wirkung getestete Selbstmanagement-Angebote sollten den Betroffenen aktiv angeboten werden, als Teil der gesundheitlichen Versorgung. Das bedeutet auch, dass die Krankenkassen und Krankenversicherungen die Kosten für die Programme übernehmen sollten. Letztlich gehört politischer Wille dazu, hier die erforderlichen Weichen zu stellen.

Forum SELF

Kontakt

Nadine Stoffel-Kurt
Sektion Prävention in der Gesundheitsversorgung

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