21.04.2016 Martina Kocher: «Um Erfolg zu haben, muss man bereit sein, sich selber zu überwinden.»

Interview Martina Kocher. Sie fährt, denkt und spricht schnell: Die Rodel-Sprint-Weltmeisterin aus Bern ist nicht nur eine überaus erfolgreiche Sportlerin, sondern auch eine überzeugte Nichtraucherin. Im Gespräch erklärt uns Martina Kocher, weshalb sie sich im Rahmen der SmokeFree-Kampagne als Botschafterin für das Nichtrauchen engagiert.

Martina Kocher (Foto: Christoph Hoigné).

Bildstrecke Martina Kocher: «Um Erfolg zu haben, muss man bereit sein, sich selber zu überwinden.»

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Martina Kocher (Foto: Christoph Hoigné).

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Martina Kocher, weshalb finden Sie rauchen schlecht?  

Martina Kocher: Für mich ergibt Rauchen keinen Sinn. Rauchen schadet der Gesundheit, stinkt und kostet Geld. Das häufig gehörte Argument, dass Rauchen beim Entspannen hilft, lasse ich nicht gelten. Es gibt viele andere Möglichkeiten, sich zu entspannen. Hinzu kommt, dass beim Rauchen andere in Mitleidenschaft gezogen werden, das stört mich.      

Sie engagieren sich ganz konkret bei Ihren Mitmenschen dafür, dass sie mit dem Rauchen aufhören. Wie gehen Sie dabei vor?  

Schon im Gymnasium habe ich gegenüber rauchenden Kolleginnen und Kollegen kein Blatt vor den Mund genommen. Ich habe mich seit jeher sehr direkt und kritisch zum Rauchen geäussert. Warum raucht ihr? Welchen Mehrwert ergibt sich daraus für euch? Ich habe mit kritischen Fragen versucht, sie zum Nachdenken anzuregen und dazu zu bringen, sich mit ihrem Rauchersein auseinandersetzten.   Mein Cousin hat nach etlichen Jahren des Rauchens endlich damit aufgehört. Das hat mir gezeigt, dass es am Ende zum Erfolg führt, wenn man immer wieder «lästig» ist, das Thema aufgreift und weiter bohrt. (sie schmunzelt)    

Empfinden Sie sich als Begleiterin auf dem Weg zum Ausstieg?

Vielleicht eher als jemand, der den Spiegel hinhält. Ich habe nie einfach hingenommen, dass jemand einfach raucht. Ich habe versucht, wachzurütteln und zu zeigen, dass man das Rauchen eigentlich gar nicht braucht.    

Wenn Sie hier die drei Fotos aus dem SmokeFree-Automaten vor sich sehen: Denken Sie, dass diese Rauchende zum Aufhören motivieren?  

Ich denke, dieses Erlebnis kann die Augen öffnen und zum Nachdenken anregen. Sich selber so zu sehen, kann sehr heilsam sein, weil man direkt betroffen ist und persönlich angesprochen. Es ist wichtig, die Menschen dort abzuholen, wo sie gerade sind. In der heutigen Zeit, wo Schönheit, Aussehen, Lifestyle und Gesundheit so wichtig sind, bieten solche Bilder eine gute Möglichkeit, die Leute abzuholen.    

Wissen Sie, weshalb die Menschen in Ihrem Umfeld mit dem Rauchen aufgehört haben?

Im persönlichen Umfeld kenne ich junge Leute, die Eltern wurden und aufhörten, weil ihr Kind nicht im Rauch aufwachsen soll. Ein anderer Bekannter hat eingesehen, dass Rauchen viel Geld verschlingt. Er hat jedes Mal den Betrag, den eine Packung Zigaretten gekostet hätte, in ein Sparschwein gesteckt und bald gemerkt, was er sich mit dem so gesparten Geld alles leisten kann. Es ist schön, solche Erfolgserlebnisse zu hören – aber eigentlich ist es ja egal, wie und warum jemand aufhört. Hauptsache ist jede Frau und jeder Mann findet einen eigenen Weg zum Aufhören.    

Es braucht vor allem viel Entschlossenheit und starken Willen, sich aus der Nikotinsucht zu befreien. Ist dieser Wille vergleichbar mit dem, den Sie als Sportlerin brauchen, um Erfolg zu haben? Wie finden Sie selber zu Entschlossenheit?  

In erste Linie muss man sich mit sich selber auseinandersetzen. Der Wille, etwas zu erreichen muss vorhanden sein. Die Voraussetzung, um etwas zu ändern und zu bewegen ist somit gegeben. Dann steht und fällt es mit dem ersten Schritt. Nur wer den ersten Schritt tut, kann den nächsten Schritt machen, einen Weg gehen und irgendwann sein Ziel erreichen.  

So ist es auch bei mir im Sport. Um Erfolg zu haben, man muss bereit sein, sich selber zu überwinden. Tägliches Training ist nicht immer ein Zuckerschlecken. Es bedeutet, jeden Tag ans Limit zu gehen und ist deshalb jeden Tag eine Qual. Dies ist nicht nur körperlich, sondern auch mental sehr anstrengend und braucht viel Überwindung. Ich muss ständig immer wieder den ersten Schritt machen, aber nur so komme ich weiter. Ich wage mich an Schwierigkeiten ran. Sehe darin Herausforderungen, die ich meistern kann. Auch diese überwinde ich nur, indem ich den ersten Schritt wage und loslege. Die Emotionen, die ausgelöst werden, wenn man sich dann tatsächlich überwindet, geben einem mehr Energie und Selbstwertgefühl als man sich vorstellen kann. Aber zuerst gilt, aktiv werden und den ersten Schritt tun... hier sehe ich viele Überwindungsstrategien, die vom Sport übertragbar auf andere Bereiche sind. Der Leistungssport erzieht dazu, immer aktiv zu sein, um Fortschritte zu erzielen.    

Wer unterstützt Sie bei dem täglichen Kampf gegen den inneren Schweinehund?  

Mein Team und meine ganze Familie, die mich immer mit offenen Armen empfängt. Sie motivieren mich, dranzubleiben.    

Wird in der Sportlerwelt auch geraucht?  

Leider ist auch der Sport nicht rauchfrei. Aus meiner Sicht ist es unerklärlich, wie man Sport betreiben und dazu rauchen kann. Für mich passen diese beiden Dinge überhaupt nicht zusammen. Das Rauchen vermindert die Leistungsfähigkeit. Als Sportler arbeitest du ständig hart an dir, um noch besser zu werden – und dann beeinträchtigst du dich selber, in dem du rauchst?! Für mich unerklärlich. Rauchende Sportler rechtfertigen ihre Sucht damit, sich so besser entspannen zu können. Oder, dass sie ohne Rauchen an Gewicht zunehmen würden. Aber einmal mehr, es gibt andere Möglichkeiten, sich zu Entspannen oder sein Gewicht zu halten.    

Sie erinnern sich daran, dass man in Restaurants noch rauchen durfte...  

Ja, ich erinnere mich, leider. Für mich war das eine wichtige Bekenntnis des Staates, die Nichtraucherinnen und Nichtraucher zu schützen. In anderen Ländern war man ja um Jahre voraus. Ich wechsle auch heute sofort den Platz, wenn beispielsweise in einem Sportstadion jemand neben mir zu rauchen anfängt. Ich finde dies rücksichtslos – gegenüber den Mitmenschen, die so unfreiwillig mitrauchen müssen, und gegenüber den Sportlern, die frische und saubere Luft für Leistungen benötigen. In vielen Ländern gilt das Rauchverbot nicht nur in geschlossenen Sportstadien sondern auch in Freiluftsportstätten.    

Jede und jeder kennt den Marlboro-Man. Noch fehlen vergleichbare Ikonen fürs Nichtrauchen. Könnten Sie sich vorstellen, als Vorbild für nichtrauchende Jugendliche zu wirken?  

Mir kommt tatsächlich nichts in den Sinn, das für das Nichtrauchen wirbt und so starke Symbolkraft hat wie der legendäre Marlboro-Mann. Also wäre es sicher gut, solche Vorbilder zu erschaffen. Das beginnt bereits in der Familie: nichtrauchende Eltern wirken als positives Vorbild. Eltern, die vor ihren Kindern rauchen, dienen als leider negatives Vorbild.        

Unsere Gesprächspartnerin

Die Bernerin Martina Kocher, Jahrgang 1985, wurde Ende Januar in Königssee überraschend erste Weltmeisterin im Rodel-Sprint und Vizeweltmeisterin im klassischen Rennen. Sie kam 1994 durch ihren Vater Heinz Kocher, den früheren Schweizer Nationaltrainer Bob und Rodeln, zum Rennrodeln. Seit 1998 gehörte sie dem Junioren-Nationalkader, seit 2003 dem Nationalkader an. Sie studiert Sport und Englisch an der Universität und der Pädagogischen Hochschule Bern und startet für den Bob Club Zürichsee und den Stadtturnverein Bern.

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