06.09.2018 mHealth - mind your health?

Forum (FMH). Sind Sie optimistisch oder pessimistisch? Bezogen auf die Wahrnehmung von mHealth gibt es jene, die das pure Chaos wittern. Ein Durcheinander in Bezug auf Sicherheit, Privatsphäre, fehlende Regulierung und fragliche Wirksamkeit. Zum Schluss seien wir alle nur noch gläserne Patienten. Am anderen Ende der Bandbreite finden sich jene, die in den Anwendungen ein riesiges Potenzial sehen, u.a. für Prävention und Gesundheitsförderung. mHealth vereinfache die Kommunikation, die Prozesse und ermögliche auch bisher unerreichten Gruppen den Zugang zum Gesundheitssystem. Zudem spare es Kosten und verbessere die Patientensicherheit. Die Realität liegt wohl irgendwo dazwischen.

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TODO CHRISTIAN

Die Zahl der täglichen Internetnutzenden liegt bei über 3 Milliarden.(1) Damit kann das Potenzial mobiler Anwendungen fast nicht überschätzt werden. Mit mHealth lassen sich unabhängig von Ort und Zeit unterschiedlichste gesundheits- oder krankheitsbezogene Informationen und Daten manuell oder automatisiert dokumentieren, analysieren, verarbeiten sowie austauschen. Aus ärztlicher Perspektive haben mHealth-Anwendungen das Potenzial, die Patienten in ihrer gewohnten Umgebung zu unterstützen. Diese Entwicklung wird auch seitens der Patienten vorwärtsgetrieben, indem sie über die Nutzung digitaler Informationen souveräner und aktiver werden in Bezug auf ihr Gesundheitsverhalten. Diverse Studien lassen vermuten, dass mHealth auch zu einer Verminderung gesundheitlicher Ungleichheit beitragen könnte. Über diese Anwendungen können Public-Health-Informationen und -Dienstleis-tungen einen Weg zu jenem Teil der Bevölkerung finden, dem der Zugang bisher aus unterschiedlichen Gründen verwehrt geblieben ist.(2)

mHealth kann, Anwenderfreundlichkeit vorausgesetzt, medizinische Fachpersonen bei der Informationsbeschaffung, der Entscheidfindung oder der interprofessionellen Zusammenarbeit unterstützen. Durch die Integration von Anwendungen in die ärztliche Tätigkeit sind neue effiziente Modelle und Formen der Zusammenarbeit in der medizinischen Versorgung denkbar. Neue analytische Möglichkeiten, die bislang kaum im medizinischen Alltag möglich waren, (Mustererkennungen, personalisierte Prognosen etc.) zeichnen sich ab. Bisher werden diese Potenziale kaum genutzt und ihre Finanzierung ist mitnichten sichergestellt. Nachholbedarf besteht insofern, als dass mHealth-Anwendungen wegkommen müssen vom Fokus des individuellen Gesundheitsverhaltens und von marktgetriebenen Entwicklungen hin zu einer Perspektive, die der breiten Öffentlichkeit dient und die nebst Verhalten auch die Änderungen von Verhältnissen sowie das soziale Zusammenleben in den Fokus rückt. Die Angebote sind auch auf die Bedürfnisse, Fertigkeiten und das Wissen der Nutzenden auszurichten. Seitens Fachkräfte ist für die effektive Unterstützung bei diagnostischer und therapeutischer Tätigkeit die weitgehend automatisierte Aufbereitung der Daten mit geeigneter Darstellung der im jeweiligen Behandlungskontext entscheidungs- und behandlungsrelevanten Informationen von grosser Wichtigkeit.

Es braucht eine Zusammenführung der Daten in die Informationssysteme der jeweiligen Fachpersonen unter Berücksichtigung des Kontexts. Nur so können mittels mHealth Behandlungsqualität, -sicherheit und -effizienz verbessert und der erwünschte Public-Health-Nutzen für Patientinnen und Patienten erzielt werden. Denn der Handlungsspielraum ist abhängig von den vorhandenen Möglichkeiten – oder anders ausgedrückt: keine Agency ohne entsprechende Strukturen und umgekehrt.

(1) Internet Live Stats [Stand: 29.3.2018], http://www.internetlivestats.com/internet-users.
(2) Bauer A.M.; Rue T. et al.: Use of Mobile Health (mHealth) Tools by Primary Care Patients in the WWAMI Region Practice Research Network (WPRN), http://www.jabfm.org/content/27/6/780.full; Grady A.; Yoong, S. et al.: Improving the public health impact of eHealth and mHealth interventions, https://doi.org/10.1111/1753-6405.12771, Erstpublikation: 31.1.2018.

Kontakt

Linda Hadorn, Abteilung Public Health FMH,

Reinhold Sojer, Abteilung Digitalisierung/eHealth FMH,

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